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Neue KI aus China versetzt Silicon Valley in Aufruhr

Im KI-Bereich ist ein globaler Wettlauf ausgebrochen: Die USA schicken alle paar Wochen neue, leistungsstärkere Modelle ins Rennen. Anthropics neues Modell Mythos war so leistungsstark, dass es bis heute nicht uneingeschränkt zugänglich ist. Die Regierung sperrt es bis heute, teils wegen angeblicher Sicherheitsrisiken.

Für Schlagzeilen sorgt nun  aber ein neues Modell aus China, das scheinbar aus dem Nichts kam. Entwickelt hat es das bisher eher unbekannte Start-up Z.ai („Zhipu“) aus Peking.

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Zhipu überrascht mit mächtigem Modell

GLM-5.2 von Z.ai ist ein KI-Modell mit agentischen Fähigkeiten, das selbstständig programmieren und komplexe Aufgaben bewältigen kann. Medien wie Forbes und Sicherheitsforscher gehen sogar so weit, seine Fähigkeiten mit denen von Mythos zu vergleichen. Tatsächlich zeigen Benchmark-Tests, dass es eher an jene von OpenAIs GPT-5.5 und Anthropics Opus 4.8 heranreicht. Dabei bietet GLM-5.2 ähnliche Leistung bei einem Bruchteil der Kosten.

Das chinesische KI-Modell ist direkt in den derzeitigen Top 10 der weltbesten KI-Modelle aufgerückt.

Hohe Token-Kosten sind indessen zu einem ernsten Thema geworden: Prompt-Komprimierung ist etwa schon ein eigenes Forschungsgebiet, und manche Dienste weisen ihre KI an, die Antworten künstlich zu kürzen. Ein Preisvergleich der Denkfabrik Center for Strategic & International Studies (CSIS) zeigt etwa, dass der Output-Preis mit 4,40 Dollar für 1 Million Token bei GLM-5.2 wesentlich geringer ist als bei GPT-5.5 mit 30 Dollar oder bei Claude Opus 4.8 mit 25 Dollar.

Die Kostenersparnis führt CSIS darauf zurück, dass es ein Open-Weight-Modell ist: Viele Provider hosten dabei dasselbe Modell, wodurch sich der Preisdruck erhöht. Andere Berichte führen den günstigen Preis außerdem auf staatliche Subventionen zurück.

Russische Hacker zeigen Interesse

Open Weight bedeutet, dass jeder das Modell herunterladen, auf eigener Hardware betreiben und an eigene Bedürfnisse anpassen kann. Genau das macht diese Modelle für Unternehmen und Forschung attraktiv, erschwert aber gleichzeitig die Kontrolle darüber, wie sie eingesetzt werden.

Der Vergleich mit Mythos ist auch nicht völlig abwegig: Unabhängige Sicherheitsüberprüfungen von Graphistry und Semgrep haben nämlich gezeigt, dass GLM-5.2 eine ähnliche Performance abliefert wie führende US-Modelle, wenn es um das Aufspüren von Sicherheitsrisiken geht.

Das lässt bei Sicherheitsexperten die Alarmglocken schrillen: Denn Open-Weight-Modelle gelten als beliebt bei Hackern. Man befürchtet, Kriminelle könnten damit Hacking-Attacken automatisiert durchführen, die derzeit nur die weltbesten Hacker ausführen könnten. Während man bei den Modellen von OpenAI und Anthropic mehr Mechanismen habe, um nutzerseitigen Missbrauch rechtzeitig zu unterbinden, entfalle diese Möglichkeit bei Open-Weight-Modellen. Laut Axios unterhalten sich Hacker in einschlägigen Foren bereits auf Russisch darüber, wie einfach es sei, GLM-5.2 zu jailbraken.

China auf der Überholspur

GLM-5.2 zeigt, dass China in der KI-Entwicklung weiter ist als gedacht. Aber auch im März veröffentlichte Zahlen von Hugging Face zum Download von KI-Modellen widersprechen der Erzählung, dass die USA das KI-Rennen klar anführen: Demnach haben die chinesischen Modelle US-Modelle sowohl bei den monatlichen als auch bei den gesamten Downloadzahlen überholt.

Im Vorjahr seien 41 Prozent aller Downloads auf chinesische Modelle entfallen. „Das schafft auch eine de facto technische Abhängigkeit von chinesischen Modell-Familien, auch wenn diese außerhalb von China gehostet werden“, schätzt CSIS.

Downloadzahlen von KI-Modellen auf Hugging Face nach Herkunft.

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Jie Tang, der Gründer von Z.ai, verspricht auf X bereits vor dem Winter ein Modell vorzustellen, das ähnliche Fähigkeiten wie Anthropics Fable 5 haben wird. 

Das chinesische Unternehmen 360 Technology behauptete indessen bereits, eine eigene Version von Mythos entwickelt zu haben.

Ein leistungsstarkes chinesisches KI-Modell, das scheinbar aus dem Nichts kam, gab es schon einmal: Als die bis dahin unbekannte Firma DeepSeek im Jänner 2025 sein neues Modell ins Rennen schickte, sank der Börsenwert von NVIDIA um 600 Mrd. Dollar. Bis dahin galt es als unmöglich, eine derartige KI mit einer viel geringeren Anzahl an GPUs zu trainieren. China machte dann aber mit neuen Verfahren wie Destillation vor, dass es möglich ist. CSIS schätzt, dass auch Z.ai ebenfalls Destillationsverfahren genutzt hat.

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Jana Unterrainer

Interessiert sich nicht nur dafür, was Technologie kann, sondern auch was sie mit uns macht. Sie schreibt am liebsten über KI, Digitale Trends und Wissenschaft.

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