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Ausklappbarer Solarflügel aus Österreich lädt E-Autos

Der Familienausflug steht endlich an. Doch eine Hürde wurde bewusst hinausgezögert: die mühsame Routenplanung mit dem E-Auto. Denn der Weg zur nächsten Ladestation führt oft über Umwege. Und selbst dort angekommen kann sie besetzt, nicht kompatibel oder defekt sein. Die Strompreise an öffentlichen Ladesäulen sind außerdem oft intransparent. 

Solche Unsicherheiten sorgen nach wie vor für Zurückhaltung beim Umstieg auf E-Mobilität. Laut einer Statistik des Bundesverbands Elektromobilität Österreich haben nicht einmal 5 Prozent aller Pkw in Österreich einen Elektroantrieb. Zwar steigt die Zahl der Neuzulassungen jährlich, eine gewisse Skepsis seitens der Bevölkerung bleibt aber nach wie vor. 

Strom vom Dach

Das Projekt Solarwing, das von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt wird, zielt daher darauf ab, das Laden von E-Autos effizienter und günstiger zu machen. Entwickelt wird ein ausklappbarer Solarflügel, der auf dem Autodach montiert wird.

Konzeptbild Solarwing

„Der Solarwing nutzt einen extrem leichten, vollständig integrierbaren Faltmechanismus, der sich beim Parken automatisch ausklappt“, sagt Solarwing-Gründer Felix Lohmann dem KURIER. Dadurch entstehe eie großer ebener PV-Bereich, welcher die verfügbare Fahrzeuggrundfläche optimal ausschöpft. Bei Nutzfahrzeugen sind das bis zu 12 Quadratmeter, bei Pkw 8 bis 10 Quadratmeter.

Die erzielbare Solarenergie hänge wesentlich vom Standort und vom individuellen Nutzungsverhalten ab. „In Österreich sind bei regelmäßiger Sonneneinstrahlung etwa 12.000 Kilometer zusätzliche Solarreichweite pro Jahr realistisch erreichbar – unter Idealbedingungen sogar bis zu 15.000 Kilometer“, sagt Lohmann. Zur Orientierung: Ein Haushalt legt in Österreich im Schnitt jährlich etwa 11.910 Kilometer mit dem Auto zurück, wie eine VCÖ-Untersuchung zeigt.

CO2 und Geld sparen

Einsparung
Ein Verbrenner emittiert durchschnittlich 125 Gramm CO2 pro Kilometer. Das entspricht bei 12.000 Kilometern rund 1,5 Tonnen CO2 pro Jahr, die durch Solarwing vollständig vermieden werden können. Verglichen mit einem herkömmlichen Elektroauto hängen die Einsparungen vom nationalen Strommix ab.

7.000 Euro
So hoch ist aktuell der angepeilte Höchstpreis für ein integriertes Solarwing-System. Je nach Fahrzeug und Produktvariante könne dieser allerdings variieren. Der Anspruch von Solarwing ist, dass sich ein Solarflügel für Kunden in weniger als vier Jahren amortisiert hat.

In 5 Tagen vollgeladen

Die genannte Größenordnung gelte sowohl für E-Nutzfahrzeuge als auch für konventionelle E-Pkw. „Nutzfahrzeuge profitieren zwar von größerer PV-Fläche, Pkw hingegen von ihrem höheren Energieeffizienzgrad“, sagt Lohmann. An einem sonnigen Sommertag könnten in Österreich ihm zufolge 60 bis 70 Kilometer Reichweite pro Tag nachgeladen werden – genug, um typische Pendeldistanzen abzudecken.

Ein vollständiges Laden eines 350-Kilometer-Reichweiten-Akkus würde etwa 5 Tage dauern. Der Solarwing sei aber nicht als Ersatz für das reguläre Laden konzipiert, sondern liefere kontinuierlich tägliche Zusatzreichweite: „Der große Vorteil ist, dass die Zeit, in der das Fahrzeug ohnehin parkt, sinnvoll genutzt wird und man gratis Strom laden kann.“ 

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Erster Prototyp

Ein erster Prototyp wurde bereits entwickelt, der das Auto über die Ladebuchse lädt. Mit diesem wolle man sicherstellen, dass der Flügel mit fast allen E-Fahrzeugen kompatibel ist. Langfristiges Ziel sei es, mit Autoherstellern zusammenzuarbeiten, damit Solarwing direkt mit dem Akku des E-Autos verbunden wird.

Konzeptbild Solarwing

Bis der Flügel massentauglich ist, wird es noch dauern. „Neben dem Unternehmensaufbau müssen wir vor allem technische Herausforderungen meistern. Ein zentraler Punkt ist die Zuverlässigkeit des Systems: Der Solarwing muss vollständig wartungsfrei funktionieren – bei starkem Wind, Schneefall, sehr niedrigen Temperaturen und in staubigen Umgebungen“, betont der Gründer. Gleichzeitig müssen die PV-Module die Vibrationen und Belastungen des Fahrbetriebs dauerhaft aushalten. 

Die stabile Energieeinspeisung in die Fahrzeugbatterie sei außerdem technisch anspruchsvoll. „Für unseren Fortschritt sind die Pilotprojekte im kommenden Jahr entscheidend. Sie ermöglichen uns, reale Betriebsdaten zu sammeln, die Systemzuverlässigkeit unter verschiedensten Bedingungen zu validieren und die Technologie Schritt für Schritt weiterzuentwickeln“, sagt Lohmann.

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Ausrollung in Phasen

Nächstes Jahr seien B2B-Pilotprojekte geplant, insbesondere in der Bauindustrie und im Carsharing-Bereich. Dort stehen die Fahrzeuge viel im Freien, werden nicht immer genutzt und sammeln viele Betriebsstunden. „So bekommen wir sehr schnell verlässliche Daten zu Energieertrag, Haltbarkeit und Wirtschaftlichkeit.“ 

Auf Basis dieser Erfahrungen startet das Unternehmen 2027 mit einer ersten limitierten Flottenserie, die  an ausgewählte Partner geht. Diese Phase sei wichtig, um die Produktion zu stabilisieren und die Technik auf Serienniveau zu bringen. Endkunden könnten den Solarwing dann ab 2028 bestellen. 
 

Diese Serie erscheint in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

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Andreea Bensa-Cruz

Andreea Bensa-Cruz beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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