Wie Schüler mit KI zu jungen Autoren werden
Künstliche Intelligenz (KI) ist überall. Sie beantwortet Fragen in der Google-Internetsuche, hilft beim Navigieren durch den Verkehr und schlägt uns neue Songs vor. Die Technologie begleitet unseren Alltag oft, ohne dass wir es bewusst merken. Während sie in Smartphones, Apps und Unternehmen immer selbstverständlicher wird, bleibt ein Ort noch relativ zurückhaltend: die Schule. Denn obwohl Schüler KI täglich nutzen, fehlt ihnen oft das Grundlagenwissen dazu. Generell mangelt es in Schulen an praxisorientierten und altersgerechten Lehrmaterialien, die ihnen die komplexe KI-Welt erklären.
Geschichten erstellen
Laut der Forscherin Anna Waldner von der Fachhochschule Campus 02 in Graz sei es wesentlich, dass Schüler zunächst ein grundlegendes Verständnis entwickeln, wie die Technologie funktioniert, bevor sie aktiv mit ihr arbeiten. Das Projekt „GrimmKI“, das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt wird, setzt genau hier an. Entwickelt werden 4 modulare Lehr- und Lernangebote (siehe rechts), mit denen Schüler praktische Fähigkeiten und eine reflektierte Haltung gegenüber Künstlicher Intelligenz lernen können.
Fakten
Modul 1
Einführung in maschinelles Lernen und KI sowie Unternehmensbesuche.
Modul 2
Verbindung von Schreibkompetenz mit KI-Nutzung. Förderung von Kreativität und kritischer Reflexion zu KI-generierten Inhalten.
Modul 3
Technische Umsetzung einer App zur Textgenerierung durch Schüler unter Verwendung vordefinierter KI-Schnittstellen.
Modul 4
Spielerisches Lernen, wie aus einer Idee ein marktfähiges Produkt wird.
Ein zentraler Ansatz ist das Erstellen von Geschichten. Damit soll Kindern und Jugendlichen ein altersgerechter und spielerischer Zugang zur Technologie ermöglicht werden. Besonders für die Jüngeren in der Primarstufe spielen Geschichten laut Waldner noch eine wesentliche Rolle. „KI eröffnet hier die Möglichkeit, durch prägnante Eingaben personalisierte Geschichten zu erstellen. Kinder erleben dabei, dass aus ihren eigenen Ideen eine individuelle Geschichte entsteht. Dieser kreative Schaffensprozess wird von ihnen als besonders motivierend wahrgenommen“, sagt sie im futurezone-Gespräch. Gleichzeitig könne dies das Interesse am Lesen fördern. Denn Texte, die sie selbst mitgestaltet haben, möchten die Kinder auch lesen.
➤ Mehr lesen: Wenn Roboter den Unterricht begleiten
Storytelling-App
Für ältere Schüler der Sekundarstufe geht das Projekt noch weiter. Hier lernen sie die Grundlagen des Programmierens, indem sie eine eigene Geschichten-Erzähl-App entwickeln. „Nach der Fertigstellung können in der App personalisierte Parameter eingegeben werden, woraufhin automatisch eine entsprechende Geschichte generiert wird. Auf diese Weise lernen die Schüler, wie KI praktisch angewendet werden kann“, sagt Waldner.
Schließlich beschäftigen sich die Schüler auch mit unternehmerischem Denken. „Dabei setzen sich die Lernenden damit auseinander, wie eine entwickelte App auf den Markt gebracht werden könnte und erhalten erste Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge“, erklärt die Wissenschafterin.
➤ Mehr lesen: Lernen statt Schummeln: 5 KI-Tools die mir wirklich helfen
Schüler können in der Storytelling-App personalisierte Parameter eingegeben werden, woraufhin automatisch eine Geschichte generiert wird.
© Bits4Kids
Unternehmensbesuch
Campus 02 arbeitet im Rahmen dieses Projekts mit 3 Kooperationsunternehmen zusammen. Modul 3 etwa wird mit dem Bildungsunternehmen Bits4kids umgesetzt. Gemeinsam mit der Softwarefirma Novu.track entstehe zudem ein altersgerechter Film zum Projekt „Chicken Watcher“. „In diesem Beispiel erkennt eine KI, ob Hühner krank sind. Dadurch erhalten die Kinder einen anschaulichen Einblick in eine konkrete Anwendung von Künstlicher Intelligenz“, erzählt die Forscherin. Darüber hinaus sei ein Unternehmensbesuch bei der Knapp AG geplant. Dort können die Schüler erleben, wie Künstliche Intelligenz im Logistikbereich eingesetzt wird.
Projektleiterin Anna Waldner von Campus 02 in Graz.
© Campus 02
„Ziel ist es, dass KI nicht nur als abstrakter Begriff wahrgenommen wird, sondern dass die Lernenden konkrete Beispiele sehen, in welchen Bereichen sie tatsächlich Anwendung findet“, sagt die Projektleiterin. Die 4 Module bauen inhaltlich aufeinander auf, können jedoch auch unabhängig voneinander im Unterricht durchgeführt werden. Die zentrale Intention des Projekts bestehe darin, frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien zu entwickeln, die sowohl Lehrpersonen als auch Schülern zur Verfügung stehen.
➤ Mehr lesen: High-Tech-Schummeln: Wenn die KI die Antworten ins Ohr flüstert
Projekt mit Zukunft
Bis zum Jahr 2027 sollen alle Unterlagen fertiggestellt sein, sodass Schulen die Module eigenständig im Unterricht einsetzen können. Bis dahin werde kontinuierlich Feedback gesammelt, um die Materialien weiter zu verbessern. „Auf diese Weise profitieren die Schüler nicht nur unmittelbar vom Projekt. Vielmehr soll langfristig ein nachhaltiger Mehrwert entstehen, der Lehrpersonen unterstützt und dadurch auch zukünftigen Schülergenerationen zugutekommt“, sagt Waldner.
Diese Serie erscheint in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).