Plan für Bau eines gigantischen "Antarktis-Vorhangs" erstellt
2018 erklärten Forscher erstmals ihre Idee, schwimmende "Vorhänge" in der Antarktis zu bauen. Solche Konstruktionen sollen verhindern, dass warmes Meerwasser Gletschereis schmelzen lässt. Über die schwimmende Konstruktion und ihre Machbarkeit gibt es bereits mehrere Studien (u.a. in Nature).
Konkret geht es um einen hunderte Meter langen, am Meeresgrund befestigten Schutzwall, der den "Doomsday Gletscher" Thwaites schützen soll. Dieser soll aus robustem, wasserbeständigem Material bestehen und am Meeresboden in Fundamenten verankert werden. Der Vorhang treibt dann vertikal im Wasser.
Die Projektidee hatte bisher den Spitznamen "Eis-Vorhang", in Anlehnung an den "Eisernen Vorhang". Nun wird das Geoengineering-Projekt allerdings von der reinen Idee zu einem konkreten Projekt.
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Konsortium startet Umsetzung
Anfang 2026 stellte sich ein neugegründetes internationales Konsortium vor, an dem mehrere Top-Universitäten, darunter etwa die Universitäten Cambridge und Chicago beteiligt sind. Die Initiative namens Seabed Curtain Project präsentierte eine konkrete Roadmap für das Projekt und will bis 2040 den gigantischen Unterwasser-Vorhang umsetzen.
Die Forschungsinitiative hat sich bereits an die Arbeit gemacht und Roboter zum Thwaites Gletscher geschickt, um Kanäle zu kartieren. "Im Rahmen des laufenden 3-jährigen Programms konzentrieren wir uns auf die Technologieentwicklung, die Konstruktion und die wissenschaftliche Erprobung von Prototypen, die in einem Fjord in Norwegen eingesetzt werden", sagt das Seabed Curtain Project.
Erstmals führen sie auch Heißwasser-Bohrungen in einem besonders schwer zugänglichen Teil des Thwaites durch, um Messinstrumente zu platzieren. Sie sollen den Forschern Echtzeitdaten aus dem Gletscher liefern und dauerhaft dort verbleiben.
Schutzmantel für das Eisschild
Der Vorhang wäre nach derzeitigen Plänen 150 m hoch, bis zu 80 km lang und würde den Thwaites-Gletscher am westantarktische Eisschild umschließen. Die Konstruktion soll Wasser aus tieferen Meeresschichten von der Gletscherkante fernhalten.
Denn dieses warme Wasser bewirkt, dass die Gletscher von unten abschmelzen, was wiederum den Meeresspiegel ansteigen lässt. Die Blockade soll das verhindern.
© UArctic
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Die Daten sind ein Novum und der erste Schritt zur Umsetzung. "Wir werden fast in Echtzeit beobachten, wie sich warmes Meerwasser auf das Eis in 1.000 Metern Tiefe auswirkt. Dies ist erst seit Kurzem möglich – und entscheidend, um zu verstehen, wie schnell der Meeresspiegel ansteigen könnte“, sagte Peter Davis zu Euronews.
Hohe Kosten und drohende Konflikte
Der Vorschlag eines gigantischen Vorhangs am Grund des antarktischen Meeres stößt aber auch auf Kritik. Die Kosten für die Errichtung und Erhaltung einer solchen Anlage wurden bereits auf 80 Milliarden Dollar geschätzt, dazu kommen jährliche Wartungskosten bis zu 2 Milliarden Dollar.
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Auch Geoengineering an sich wird oft kritisiert. Der Vorwurf: Man setze statt ernsthafter Anti-Klimawandel-Maßnahmen nur auf Symptombekämpfung. Andere Forscher warnten bereits vor möglichen politischen Auseinandersetzungen und neuen territorialen Ansprüchen, die ein solches Projekt auslösen könnte. Eine Studie hält es gar für "diplomatisch äußerst unwahrscheinlich, dass die internationale Zusammenarbeit für die vorgeschlagenen glazialen Geoengineering-Infrastrukturen funktioniert."