Science

Mikro-Feststoffakku soll smarte Kontaktlinsen ermöglichen

Smarte Kontaktlinsen sind so etwas wie der heilige Gral der Wearables. Etliche Unternehmen forschen daran, vermelden hie und da Durchbrüche, aber ein tatsächliches Produkt ist noch nicht daraus geworden.

Der Grund dafür liegt in den vielen technischen Hürden. Eine davon ist: Wie soll die smarte Kontaktlinse mit Strom versorgt werden? Das Start-up Xpanceo glaubt, die Lösung gefunden zu haben.

Lithium-Ionen-Akkus nicht für Augen geeignet

Zusammen mit ITEN, einem Entwickler von Festkörperspeichern, soll ein Mikro-Feststoffakku entwickelt werden. Ein herkömmlicher Lithium-Ionen-Akku sei nicht für Kontaktlinsen geeignet. Sie können anschwellen, ausrinnen, überhitzen oder bei einem Kurzschluss sogar explodieren – nichts davon klingt so, als würde man es im Auge erleben wollen.

Das Risiko einer Beschädigung sei jedenfalls nicht zu unterschätzen. Denn ist der Akku in der smarten Kontaktlinse integriert, muss er mechanische Belastung durch Blinzeln aushalten, thermische Schwankungen zwischen der Körper- und Außentemperatur und mögliche elektrochemische Reaktionen, ausgelöst durch die Tränenflüssigkeit. Selbst bei optimaler Funktion könne es Probleme geben, weil Lithium-Akkus kleine Mengen an Wasserstoff abgeben und sich etwas beim Lade-/Entladezyklus ausdehnen können, was unangenehmen Druck im Auge verursachen kann.

Proof of Concept

Bei einem Feststoffakku soll es diese Probleme nicht geben. Mit der Technologie von ITEN könne der so gebaut werden, dass er „ultradünn“ und in die weiche Kontaktlinse integriert ist. Gleichzeitig soll die Ausgangsleistung groß genug sein, um das Display in der Kontaktlinse und die Wireless-Verbindung mit Energie zu versorgen.

ITEN hat schon im Mai 2025 mit der Herstellung von Mikro-Feststoffakkus begonnen, deren Technologie für die Xpanceo-Kontaktlinsen genutzt werden soll. Das Herzstück davon sind Keramik-Elektroden, die ein Netzwerk aus winzigen Poren haben. Dadurch wird die Oberfläche der Elektroden vergrößert, wodurch eine höhere Ausgangsleistung, trotz der winzigen Größe, und eine bessere Effizienz möglich sein sollen.

In einem ersten Schritt wurde jetzt ein Proof of Concept des Mini-Feststoffakkus erstellt. Dies würde zeigen, dass eine Massenproduktion eines solchen Akkus machbar sei und sich dieser sicher in eine smarte Kontaktlinse integrieren lasse.

Proof of Concept: Ein Prototyp des Mikro-Feststoffakkus auf einer smarten Kontaktlinse

Start-up wurde 2021 gegründet

Xpanceo ist nicht unumstritten. Denn das Start-up verspricht viel, hat aber bisher kaum Resultate gezeigt. Zu den Ankündigungen gehören Kontaktlinsen mit integrierten Displays, Glukosewertmessung für Diabetes-Patienten, Früherkennung von Augenkrankheiten, Nachtsicht und integrierte Solarzellen, damit die smarten Kontaktlinsen ständig mit Energie versorgt werden.

2025 hat das gereicht, um in einer Finanzierungsrunde 250 Millionen US-Dollar zu kassieren, wodurch der Wert des Start-ups auf 1,35 Milliarden US-Dollar stieg. Der Firmensitz ist in Dubai, gegründet wurde das Unternehmen 2021 vom russischen Unternehmer Roman Axelrod und dem ukrainischen Forscher Valentyn Volkov, der in den Presseaussendungen des Unternehmens als „einer der Top 2 Prozent Forscher der Welt“ bezeichnet wird.

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