Kurzwellensender in Österreich (Symbolbild)

Kurzwellensender in Österreich (Symbolbild)

© Daniel Csiky
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Digital Life

Militärischer Kurzwellensender funkte Windows-10-Sounds

Am 10. März berichtete die Financial Times über ein mutmaßlich aus dem Iran empfangenes Kurzwellensignal. Ehemalige Geheimdienstmitarbeiter sagten dem Medium, dass dahinter Agenten stecken könnten, die aufgrund der Internetausschaltung im Iran auf diese Sendemethode ausgewichen seien. Später erklärte die internationale Amateurfunker-Gruppe Priyom, die das Signal erstmals am 28. Februar registriert hatte, dass sie den Kurzwellensender in Deutschland verorten. Gestern griff der Spiegel das Thema erneut auf, und andere deutschsprachige Medien folgten.

In dem Bericht wird auch ein kurioses Detail aus den Priyom-Protokollen erwähnt, das bisher untergegangen ist: Das als „V32“ bezeichnete Militärfunkgerät des US-Herstellers L3Harris übertrug neben Zahlenreihen und Farsi-Begriffen (etwa „Achtung“ oder „tavajjoh“) auch System-Sounds von Windows 10.

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Am frühen Abend des 7. März sendete der vermeintliche Militärsender erstmals System-Sounds von Windows 10. Die Übertragung wurde kurze Zeit später wieder gestoppt. Am 9. März passierte dasselbe erneut: Um Punkt 18 Uhr UTC wurden erneut Windows-10-Systemsounds abgespielt.

Wie Priyom gegenüber dem Spiegel erklärte, hatte V32 am 25. März den Betrieb eingestellt. Seit Montag empfange man wieder Zahlenreihen, jedoch sei die Leistung extrem gering, und man verstehe kaum etwas. Das Priyom-Mitglied geht laut Spiegel davon aus, dass der Sender mittlerweile bemerkt hat, dass er aufgeflogen ist.

Areale des US-Militärs in Deutschland

Der Großteil der von Priyom registrierten Übertragungen auf der Funkfrequenz 7.910 kHz bestand jedoch aus Zahlenreihen. Laut Priyom ist es am wahrscheinlichsten, dass sich der mysteriöse Kurzwellensender in einem Waldgebiet zwischen der Panzerkaserne Böblingen, dem Europa-Hauptquartier des United States Marine Corps und dem Army-Truppenstützpunkt Patch Barracks südwestlich von Stuttgart befindet.

Im Interview mit dem Spiegel erklärte ein Priyom-Mitglied, dass sie den Standort des L3Harris-Geräts mit 2 Verfahren zur Gebietseingrenzung entdeckt haben. Bei der sogenannten Triangulation werden 2 Funkempfänger zum Signal hin ausgerichtet. Wo sich die Linien kreuzen, verorten sie den Standort. Mit einem zweiten Verfahren namens Multilateration haben Priyom-Mitglieder kleinste Zeitunterschiede ankommender Signale gemessen, wodurch sie den Standort weiter eingrenzen konnten.

Kurzwellensender wie der in Deutschland vermutete werden im militärischen Kontext noch immer verwendet, weil sie die Signale um die gesamte Erdkugel schicken können. Sie werden an der Ionosphäre reflektiert und können dadurch weite Distanzen zurücklegen. Sie sind damit in manchen Fällen Satelliteninternet überlegen.

CIA als möglicher Betreiber

Der aktuelle Fall bleibt momentan weitgehend ein Mysterium: Weder das US-Militär noch das deutsche Verteidigungsministerium wollten sich gegenüber dem Spiegel bisher dazu äußern. Derzeit ist nicht bekannt, wer die Funksprüche auf Farsi und die Zahlenreihen gesendet hat und wer der Empfänger ist.

Priyom spekulierte, wie andere bereits zuvor, dass die CIA dahinterstecken könnte. In der Vergangenheit soll der US-Auslandsgeheimdienst wiederholt Kurzwellensender verwendet haben. Priyom vermutet, dass Agenten in abgeschnittenen Ländern wie dem Iran oder Nordkorea stationiert sind und über Kurzwellen-Zahlencodes mit der CIA kommunizieren. Für diese Theorie spreche auch, dass der V32 nur auf einer Frequenz sendet.

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Russischer Sender funkte Schwanensee

Der Sender könnte auch das NATO-Gegenstück zu einem russischen Kurzwellensender sein, dem Amateurfunker den Spitznamen The Buzzer gegeben haben. Das Signal auf der Frequenz 4.625 kHz des militärischen Senders wurde erstmals in den 1970er-Jahren entdeckt. 

Bis heute nutzen auch die Russen solche Sender angeblich zur militärischen Kommunikation. Neben militärischen Botschaften dokumentierten Amateurfunker dort gelegentlich auffällige Abweichungen: Am 2. September 2010 wurde etwa „Schwanensee“ übertragen, das in Russland als Sinnbild für „drohende Gefahr“ gilt. Erneut wurde das Musikstück im August 2021 und im Juni 2023 abgespielt. Am 15. Mai 2020 waren dort wiederum französische Stimmen zu hören.

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