Der erste Prototyp sieht aus wie eine Armbanduhr, mittlerweile gibt es einen halben Ärmel
Virtuelle Nähe für Kinder auf Isolationsstationen
„Wenn kleine Kinder z. B. wegen hochansteckender Krankheiten in Quarantäne müssen, ist das ganz schlimm für die Psyche, denn ein Kontakt mit den Eltern kann nicht stattfinden. Und da kommen virtuelle Räume ins Spiel“, sagt Paul Motzki.
Er ist Professor für smarte Materialsysteme an der Universität des Saarlandes und Direktor des Forschungszentrums ZeMA. „VR-Brillen können visuell realen Raum darstellen, aber es muss auch spürbar sein“, findet Motzki.
Multi-Immerse
Er arbeitet daher gemeinsam mit seinem Team an „Multi-Immerse“. Dieses System kann zusätzlich zur virtuellen Realität einer VR-Brille mithilfe smarter Textilien menschliche Berührungen übermitteln. Grundlage sind sogenannte dielektrische Elastomere: „Das ist eine Folie aus Silikon, so ähnlich wie Frischhaltefolie, bedruckt mit mikrometerdünnen Elektroden“, erklärt der Forscher. Die Folie wird anschließend mit anderen Textilien zu einem mehrschichtigen Material verbunden, ähnlich wie z. B. bei einer Funktionsjacke.
Prof. Dr. Stefan Seelecke (l.) und Prof. Dr. Paul Motzki arbeiten gemeinsam am Multi-Immerse-Projekt.
© Oliver Dietze
Das dielektrische Elastomer kann einerseits als Sensor Formveränderungen detektieren und digital übertragen. Andererseits kann es auch als Aktuator haptische Signale erzeugen, also virtuelle Berührungen zurück in die Realität übertragen. Eltern könnten also außerhalb einer Isolationsstation über das Textil streichen, sodass ihr isoliertes Kind, das dasselbe Material auf der Haut trägt, die Berührungen direkt spürt.
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Von der Armbanduhr zum halben Ärmel
2024 hat das Forschungsteam einen ersten Prototypen in Form eines uhrenähnlichen Armbands vorgestellt, an dessen Unterseite die smarte Folie angebracht war. Derzeit laufen an einer Klinik interdisziplinäre Studien mit einem halben Ärmel, der durchgängiges Streichen vom Handgelenk zum Ellenbogen ermöglicht.
Die Rückmeldungen der Testpersonen seien geteilt, berichtet Motzki: „Das individuelle Empfinden und die Beschaffenheit des Unterarms können komplett unterschiedlich sein. Erst in dem Moment, wo man den virtuellen Kontext durch eine VR-Brille dazu nimmt, wurde die Berührung als realer wahrgenommen.“ In einem nächsten Schritt soll das System möglichst variabel werden, damit es für jeden einzelnen Patienten und jede einzelne Patientin genau angepasst werden kann.
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