orange seegurken mit tentakeln am mund

Psolus-fabricii-Seegurken finden sich u.a. vor der Küste Nordkanadas.

© Sue Carnahan / Wikimedia Commons
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Science

Geheimnis der Unsterblichkeit könnte in Seegurken liegen

Seegurken kennt man hierzulande wohl am ehesten aus dem Sushi-Restaurant. In freier Wildbahn leben die teils unscheinbaren, teils fast außerirdisch wirkenden Tiere am Meeresboden und ernähren sich von vorbeiströmenden Sedimenten oder Plankton. Manche Arten haben eine ganz besondere Eigenschaft, wie ein kanadisches Forschungsteam in einer neuen Studie in der Fachzeitschrift Science Advances erklärt: Wenn man einen Teil einer erwachsenen Psolus-Fabricii-Seegurke abschneidet, stirbt dieser nicht zwingend ab.

Stattdessen repariert der lose Gewebeteil die offene Wunde und wächst weiter: „Es ist, als ob der Schwanz abgefallen wäre, verheilt wäre und sich ganz alleine durch die freie Wildbahn geschlängelt hätte“, sagt Sara Jobson von der Memorial University of Newfoundland gegenüber dem Scientific American.

„Unsterbliche“ Gewebeteile 

Solch quasi „unsterbliche“ Gewebeteile waren noch nie zuvor unter natürlichen Bedingungen beobachtet worden, wie das Forschungsteam betont. Zum Überleben brauchen sie lediglich frisches fließendes Meerwasser, sterile Laborbedingungen sind nicht nötig. Was genau dazu führt, dass manche auch nach 3 Jahren in freier Wildbahn nicht absterben, ist noch offen.

Klar ist, dass das abgetrennte Gewebe ein starkes Immunsystem behält und gegen mikrobielle Infektionen gewappnet ist. Außerdem geht die Zellteilung weiter. Die Energie dafür kommt entweder durch die Aufnahme aufgelöster Aminosäuren oder indem die Seegurken ihre eigenen Muskeln „ausschlachten“. 

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Hintergrund dieser Fähigkeiten könnte eine Art „Opfergabe“ für Raubtiere sein, die andere Seegurken dann eher in Ruhe lassen. Denkbar ist auch, dass es sich schlicht um ein evolutionäres Überbleibsel ohne konkreten Zweck handelt.

Tentakeln können sich weiter bewegen

Je nachdem,  aus welchem Körperteil das abgetrennte Gewebe stammt, hat es ohne den zugehörigen Körper eine unterschiedlich lange Lebenserwartung. Teile von der Unterseite bzw. den Füßchen der Psolus-Fabricii-Seegurke behalten jahrelang ihre Form, und können sich sogar ebenso lange an senkrechten Flächen „festhalten“.

Die leuchtend orangen Tentakeln um den Mund der Seegurke behielten jahrelang ihre Farbe. Außerdem einzigartig: Wenn man sie anstupst, können sie sich strecken und wieder zurückziehen. Das deutet an, dass die notwendigen neuralen Netzwerke erhalten bleiben, heißt es in der Studie.

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Labor-Zombies?

„Wir wissen nicht: Zählen sie als lebendig? Zählen sie als tot?“, sagt Jobson, die die abgetrennten Gewebestücke deshalb liebevoll „Labor-Zombies“ nennt. 

Die Frage ist tatsächlich gar nicht so einfach zu beantworten, denn einerseits reproduzieren sie sich nicht, sie haben keinen Mund und keinen Verdauungstrakt. Aber es sind komplexe biologische Strukturen, bei denen es keine Anzeichen von Zersetzung oder Absterben gibt.

Keine neue Seegurke

„Wir haben noch keine neue, komplette Seegurke wachsen lassen“, sagt Rachel Sipler, die ebenfalls an der Studie beteiligt war, bei Phys.org. Dennoch verändere die Entdeckung der „unsterblichen“ Seegurken-Körperteile das bisherige Verständnis der Langlebigkeit von Gewebe.

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Die Erkenntnisse könnten Auswirkungen auf die biomedizinische Forschung im Allgemeinen haben. An den Seegurken könnte man etwa Fragen zur Wundheilung und Langlebigkeit untersuchen, so das Forschungsteam.

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