KI stiehlt Daten von WhatsApp: Das steckt wirklich hinter der Warnung
Panische Boomer und verunsicherte Mitarbeiter, die es vermeintlich gut meinen, beteiligen sich aktuell an einem Kettenbrief. In etlichen, deutschsprachigen WhatsApp-Gruppen wird gepostet: „Wichtig für alle Gruppenchats! Ab Samstag ist KI in WhatsApp verfügbar und hat Zugriff auf alle Chats.“
Wer jetzt noch nicht die Augen Richtung Himmel verdreht, sondern weiterliest, erfährt, dass Gruppen-Admins deshalb die Option „Erweiterter Datenschutz“ aktivieren sollen. Macht man das nicht, hätte die KI nicht nur Zugriff auf die Gruppennachrichten und die Telefonnummern der Teilnehmer, sondern auch auf persönliche Daten auf deren Smartphones und private Chats.
In einer leichten Abwandlung gibt es den Kettenbrief auch „ab heute“ statt „ab Samstag“, die Grundaussage bleibt aber gleich: Die KI klaut private Daten, ohne, dass die User in den Gruppenchats es verhindern können – solange der Admin nicht die entsprechenden Einstellungen trifft.
Das steckt dahinter
Wie bei so ziemlich allen Kettenbriefen, ist das Unfug. Der einzige Zweck dieser Warnung ist, dass der oder die Verfasserin des Kettenbriefs sich ins Fäustchen lacht und darüber amüsiert, wie viele Menschen diese Meldung weiterschicken, ohne sie zu überprüfen – und viele Menschen den Weiterverbreitern herzlich für diese wichtige Warnung danken.
Weder Meta, das Mutterunternehmen von Facebook, WhatsApp und Instagram, noch der Chatbot des Unternehmens (Meta AI), können Nachrichten mitlesen. Sowohl in Privatchats als auch in Gruppenchats sind die Nachrichten standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt, die genau das verhindern.
Schon 2025 wurde Meta AI in WhatsApp integriert. Der muss aber mit „@Meta AI“ angesprochen werden, um aktiv zu werden. Selbstständig liest er weder Nachrichten mit, noch stöbert er im Smartphone.
Soll Meta AI tatsächlich per Befehl auf Nachrichten zugreifen, etwa um ungelesene Meldungen in einem Gruppenchat zusammenzufassen, passiert das per „Private Processing“ und ist nur für den jeweiligen User sichtbar. Meta verspricht, dass Daten, die mit Private Processing verarbeitet wurden, weder für Meta noch für WhatsApp lesbar sind.
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Erweiterter Chat-Datenschutz
Mit dem „erweiterten Datenschutz“, der von der spionierenden KI schützen soll, ist vermutlich der „erweiterte Chat-Datenschutz“ gemeint. In Einzelchats kann der von allen Usern aktiviert werden, bei Gruppenchats vom Admin. Zu finden ist die Option im Menü Kontaktinfo.
Ist der erweiterte Chat-Datenschutz aktiv, passiert laut Meta Folgendes:
- Sie können Medien nicht automatisch in der Galerie ihres Geräts speichern.
- Sie können Meta AI in diesem Chat keine Fragen stellen und die KI auch nicht bitten, Bilder oder Zusammenfassungen zu erstellen.
- Sie können den Chat nicht exportieren.
Aha! Also kann doch die KI „ausgesperrt“ werden! Ja, kann sie. Aber das ändert nichts daran, dass sie ohnehin nicht unaufgefordert mitliest und sich keine privaten Daten vom Telefon holt. Das schreibt auch Meta noch mal auf der entsprechenden Website:
„Meta AI hat keinen Zugriff auf deine Chats. Die KI kann nur die Nachrichten lesen, die Personen an sie senden – sonst nichts. Das gilt unabhängig davon, ob der erweiterte Chat-Datenschutz ein- oder ausgeschaltet ist.“
Varianten dieses Kettenbriefs machen schon seit 2025 die Runde. Einen aktuellen Anlass dafür, dass jetzt eine neue Welle durch WhatsApp schwappt, gibt es nicht.