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"Mit Quantencomputern können wir die Zukunft voraussagen"

Quantencomputer sind nicht nur für die Forschung ein Meilenstein. Sie könnten in Zukunft auch viele neue Möglichkeiten für Banken bieten. Um herauszufinden, welches Potenzial die Technologie birgt, haben die Erste Group und IBM eine Zusammenarbeit im Rahmen des IBM Quantum Accelerator gestartet. In den kommenden Jahren soll ein Team der Erste Digital erforschen, wie die Erste Bank Quantencomputer etwa für Risikomanagement oder Betrugserkennung einsetzen kann.

„Für uns ist es ein Privileg, mit Quantencomputern arbeiten zu können. Wir haben verdiente Physiker*innen und Informatiker*innen ausgewählt, die auch das notwendige Wissen mitbringen“, erklärt Dietmar Böckmann, CEO der Erste Digital der futurezone. Diese 6 Personen werden nach der intensiven Schulung im Umgang mit Quantencomputern Forschungsarbeit betreiben.

Ihre Aufgabe ist es, neue Anwendungsfälle zu erarbeiten. „Die Zusammenarbeit startet zu einem Zeitpunkt, zu dem Quantencomputing sehr real ist. Es wird aber noch das ein oder andere Jahr zur konkreten Anwendung vergehen“, bestätigt auch Marco Porak, General Manager IBM Österreich.

Risikosimulationen

Auch wenn die gemeinsame Arbeit erst beginnt, gibt es bestimmte Gebiete, für die sich der Einsatz von Quantencomputern besonders gut eignet. Sie haben gegenüber regulären Computern das Potential, komplexe Simulationen innerhalb kürzester Zeit durchführen zu können, die kein Supercomputer der Welt schafft. Deshalb eignet er sich besonders gut für Risikomodellierungen, so Böckmann: „Wir werden die Möglichkeit haben, komplexe Systeme zu simulieren und zu einem gewissen Grad auch die Zukunft vorauszusagen“.

So könnten Quantencomputer etwa Monte-Carlo-Simulationen revolutionieren. Mit dieser Art der Wahrscheinlichkeitsrechnung werden alle möglichen Resultate von Ereignissen prognostiziert. Im Bankwesen sind das etwa Portfolioverluste. Dabei wird eine große Zahl zufälliger potenzieller Entwicklungen simuliert, die zu Verlusten oder auch Gewinnen führen könnten. Desto häufiger man den Vorgang wiederholt, desto deutlicher zeichnet sich ab, was in der Zukunft passieren wird.

Aktuell werden mit klassischen Computern alle möglichen Kombinationen an Paramenterwerten berechnet. Ein Quantencomputer könnte aber in kürzester Zeit so viele Möglichkeiten simulieren, dass das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zukunft prognostiziert.

Tausende Qubits

Quantencomputer nutzen dafür sogenannte Qubits. Im Gegensatz zu regulären Computerbits können sie nicht nur den Zustand 0 und 1 annehmen, sondern eine Überlagerung von 0 und 1. Erst wenn sie direkt gemessen werden, entscheiden sie sich für einen der Zustände. So kann in kürzester Zeit enorme Rechenleistung erbracht werden.

IBM betreibt mehrere Quantencomputer, auf die die Erste Digital zugreifen kann. Darunter ist derzeit der Prozessor „Eagle“ mit 127 Qubits. Erst kürzlich wurde mit "Osprey" ein Quantencomputer mit 433 Qubits vorgestellt. Für 2023 ist der erste Prozessor mit mehr als 1.000 Qubits geplant, so Porak.

Sichere Verschlüsselung

Für die Erste Digital geht es aber auch um die Sicherheit. Denn Quantencomputer sollen Verschlüsselungen, die nicht explizit „quantensicher“ sind, innerhalb kürzester Zeit knacken können. Andererseits bieten neue “Quantum Safe”-Verschlüsselungsverfahren einen Schutz gegen solche Angriffe. „Das ist auch ein Grund, warum wir uns damit beschäftigen. Unser Kerngeschäft ist der Umgang mit sensiblen Kundendaten, weshalb wir hier früh an Bord sein wollen“, sagt Böckmann.

In den kommenden 3 Jahren soll auch erprobt werden, wie gut sich Quantencomputer in das bestehende System integrieren lassen, erklärt Böckmann. Damit etwa Machine-Learning-Algorithmen auch auf Quantencomputern ausgeführt werden können, müssen Sicherheits- und Stabilitätskriterien erfüllt sein. Auch das will man in den kommenden Jahren analysieren.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Erste Bank und Sparkassen

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction.

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