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Warum diese Boeing 757 die Nase eines Kampfjets trägt

In Großbritannien ist eine Boeing 757 unterwegs, die fast so aussieht, als hätte man sie in ein Faschingskostüm gesteckt. Dabei handelt es sich aber um keine unglückliche Kampfjet-Verkleidung: Die ehemalige Passagiermaschine mit der Bezeichnung Excalibur ist ein fliegendes Testlabor für neue Technologien. 

Besonders auffällig am neuen Design ist die Nase. Diese ist so spitz, weil sich dort neue, radarbasierte Sensoren befinden, die später im Tempest-Kampfjet zum Einsatz kommen sollen. Zusammen mit dem Radom (so nennt man die Schutzhülle für die Antennen) wurde auch eine neue Verkleidung unter der Nase sowie weitere Modifikationen am Rumpf angebracht.

Auf den Fotos ist außerdem zu sehen, dass bei der Maschine die Ram Air Turbine (RAT) am Bauch des Flugzeugs ausgefahren war. Dabei handelt es ich eigentlich um ein Not-”Windrad” zur Stromerzeugung bei Flugzeugen, wenn es zu einem kompletten Triebwerksausfall kommt. Der Grund dafür ist bislang nicht bekannt.

Excalibur

Die Test-757 wird vom britischen Unternehmen 2Excel Aviation betrieben. Die Maschine mit der Registrierung G-FTAI war zuvor im Besitz der Charter-Airline Titan Airways (dort als G-POWH registriert), bevor sie von 2Excel erworben wurde. 2Excel arbeitet allerdings eng mit Leonardo Aircraft zusammen, die einen Vertrag im Wert von 134 Millionen Euro für die Umrüstung des Flugzeugs zum Testbed vergeben haben. Leonardo ist an der Entwicklung des Tempest beteiligt.

Die Boeing 757 wird von zwei Rolls Royce RB211-Triebwerken angetrieben, die das Flugzeug auf eine Höhe von knapp 13 Kilometer und eine Geschwindigkeit von Mach 0,86 bringen können. Jedes Triebwerk kann bis zu 90 KVA elektrische Leistung erzeugen, was entscheidend ist, um zukünftige energieintensive Technologien zu versorgen. 

Catfish

Dieser Ansatz ist nicht neu in der Luftfahrtentwicklung. Boeing nutzte beispielsweise eine modifizierte 757 namens Catfish für Tests der F-22-Avionik. Diese 757 fliegt dabei auch Testformationen mit mehreren Raptors. Dabei wird etwa neue Software getestet, mit der die Jets automatisch untereinander kommunizieren.

Weil bei der Catfish die F-22-Software völlig von der Flugsteuerung der 757 getrennt ist, kann man so auch die Software in der Luft testen, die noch nicht für den Flugeinsatz freigegeben ist. Somit können die gröbsten Fehler schon ausgebessert werden, bevor die neue Software auf die Jets der Test-Flugstaffel gespielt wird. 

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Boeing 757 The Catfish (Clemens Vasters, lizenziert unter CC BY 2.0)

A320 mit besonderer Nase

Auch für den Eurofighter Typhoon wird aktuell ein Airbus A320 mit einer Kampfjet-Nase für Tests des neuen ECRS Mk2-Radarsystems eingesetzt. 

Ein weiterer Vorteil der Methode, ehemalige Passagierjets für die Tests einzusetzen: Die großen Verkehrsflugzeuge bieten viel Platz für Testausrüstung und verursachen deutlich geringere Betriebskosten pro Flugstunde als echte Kampfjets.

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Tempest

Tempest ist der Projektname für einen Kampfjet der 6. Generation. An der Entwicklung beteiligt sind Großbritannien, Japan und Italien. Beteiligt sind neben Leonardo auch Unternehmen wie BAE Systems, Rolls-Royce und MBDA UK. Vonseiten Japans ist etwa Mitsubishi mit an Bord.

Der Zeitplan sieht vor, dass 2027 ein bemannter, überschallfähiger Demonstrator erstmals abhebt, bevor das fertige Kampfflugzeug ab 2035 in Dienst gestellt wird. Tempest soll dann den Eurofighter Typhoon in Großbritannien und Italien sowie die Mitsubishi F-2 in Japan ersetzen.

Kampfjet-Projekt "Tempest"

Das Flugzeug wird mit einer Reihe fortschrittlicher Technologien ausgestattet. Dazu gehören Stealth-Eigenschaften durch spezielle Materialien und aerodynamisches Design, künstliche Intelligenz zur Unterstützung der Piloten bei Entscheidungsfindung und Bedrohungserkennung sowie die Fähigkeit zum bemannten und unbemannten Flug. Zu den Waffensystemen zählen Energiewaffen, Hyperschallraketen und fortschrittliche Luft-Luft-Raketen.

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