Boeing 777-9 wurde verschrottet, bevor sie jemals geflogen ist
Und plötzlich war sie weg. 6 Jahre lang ist der 76 Meter lange Passagierflieger beim Boeing-Werk in Everett, Washington geparkt gewesen, berichtet The Air Current. 2025 wurde die Boeing 777-9 mit der Kennung WH007 verschrottet, ohne, dass Boeing etwas dazu gesagt hat. So behaupteten es zumindest anonyme Quellen.
Bei der Farnborough Airshow, die gerade in England stattfindet, wurde Boeing von Journalisten darauf angesprochen. Und der Flugzeughersteller hat bestätigt, dass die Maschine verschrottet wurde. Die Entscheidung dafür sei schon „vor einer Weile“ gefallen, sagte Stephanie Pope, CEO von Boeings ziviler Luftfahrtsparte.
Die „nach industriellen Standards zerlegte und teilweise recycelte“ 777-9 sei bereits in die Finanzen des Konzerns eingeflossen. Das klingt zwar trivial, ist aber ein erheblicher Verlust. 2025 hatte die Fluglinie Emirates 65 Exemplare der Maschinen bestellt, für insgesamt 38 Milliarden US-Dollar. Das bringt den Stückpreis auf etwa 584 Millionen US-Dollar.
Die siebte, gebaute 777-9
Die jetzt verschrottete Maschine war eine von denen, die Emirates schon Jahre zuvor bestellt hatte. Während die 777-9 noch ihre grüne Grundierung hatte, waren die nach oben geklappten Flügelspitzen schon in den Farben der Emirates bemalt.
Bei der WH007 handelte es sich um die siebte 777-9, die je gebaut wurde. Ein schwacher Trost: Sie war noch nicht fertiggestellt. Neben der Lackierung fehlten noch Abdeckungen und die Triebwerke. Stattdessen hingen Blöcke an den Tragflächen, um das Gewicht der Triebwerke zu ersetzen, damit die Flügel in Form bleiben.
Viele Verzögerungen
Dass die im Jahr 2019 gebaute Maschine unfertig herumgestanden ist, liegt an etlichen Verzögerungen. Eigentlich hätten 2021 die ersten Maschinen an Airlines gehen sollen. Bisher wurde aber keine einzige 777-9 ausgeliefert, obwohl über 500 bestellt wurden.
Einer der Gründe ist, dass im Rahmen der Untersuchungen der tödlichen Abstürze der Boeing 737 Max ähnliche Schwachstellen bei der 777-9 gefunden wurden. Zwar hatte die Maschine im Jänner 2021 ihren Erstflug und danach weitere Testflüge, die US-Luftfahrtbehörde FAA hat die 777-9 aber bis heute nicht für den Linienbetrieb zertifiziert.
Emirates-Boss: Man könnte Dosen daraus machen
Dieser Umstand und die aktuelle Nachricht über die verschrottete Maschine, schmeckt der Emirates gar nicht. Die Airline ist mit 270 bestellten Stück der bisher größte Abnehmer für die 777X-Serie. Davon sind 235 Stück 777-9 und 35 Stück die kleinere 777-8.
Im Rahmen der Farnborough Airshow sagte der Emirates-Boss Tim Clark, dass man die 10 ersten produzierten Maschinen nicht annehmen werde. Diese bräuchten so viele Änderungen und Updates, dass sie nicht für den Flugbetrieb geeignet seien. „Wir nehmen diese Charge nicht, Punkt. Was Boeing damit macht, ist deren Sache. Vielleicht ist ja Heinz daran interessiert – die können daraus Dosen für Baked Beans machen“, sagt Clark gegenüber dem Telegraph. Laut Boeing ist die WH007 bisher die einzige 777-9, die zerlegt wurde.
777-9 könnte 2027 ausgeliefert werden
Vor einem Jahr ging Clark noch davon aus, dass die ersten 777X Mitte 2027 geliefert werden. Ob dieser Termin durch das Verweigern der ersten Charge hält, ist nicht bekannt.
Die Lufthansa rechnet damit, die erste Maschine Ende 2027 zu erhalten. Auf die Frage, wann die British Airways glaubt, die erste bestellte 777X zu bekommen, sagte CEO Sean Doyle: „Gute Frage.“
Wenn die 777-9 im Linienbetrieb ist, kann sie bei einer 2-Klassen-Bestuhlung bis zu 414 Passagiere aufnehmen. Die Reichweite beträgt bis zu 14.820 km, das maximale Startgewicht liegt bei 351 Tonnen.