Digital Life

Warum manche Passagiermaschinen gezackte Triebwerke haben

Will man einen eher älteren Passagierjet von einem modernen unterscheiden, sollte man zuallererst ein Auge auf die Triebwerke werfen. Wenn diese auf der Hinterseite Zacken oder “Zähne” haben, handelt es sich eher um eine neuere Maschine.

Auf diese Weise lässt sich etwa ziemlich gut eine Boeing 787 (Dreamliner) von ihrer älteren Schwester 777 unterscheiden. Etwa bei der Austrian, die derzeit sowohl 777 als auch 787 im Einsatz haben. 

➤ Mehr lesen: Warum alle Boeing-Flugzeuge mit einer 7 beginnen

Auch die neueste Variante des Jumbos 747-8 lässt sich dadurch identifizieren. Oder auch die Max-Variante der 737

Chevrons

Diese "Zähne" heißen in der Fachsprache Chevrons. Abgesehen davon, dass sie optisch etwas hermachen, haben sie auch noch einen viel wichtigeren Zweck. So reduzieren sie den Lärm, den die Triebwerke machen. 

Dieser entsteht zu einem großen Teil, wenn sich die heiße Luftschicht aus Verbrennungsgasen mit dem kalten Mantelstrom beim Auslass der Triebwerke vermischt. Die Chevrons sorgen dafür, dass die Grenze der beiden Luftströme aufgebrochen wird, wie bei einem Mixer. Das führt dazu, dass das Triebwerk weniger dröhnt. Das kommt nicht nur Menschen am Boden, sondern auch denen in der Kabine zugute. 

Entwickelt wurden die Chevrons vom Triebwerkshersteller GE in Kooperation mit der NASA. Triebwerke, in denen sie zum Einsatz kommen sind etwa Rolls-Royce Trent 1000 (787), General Electric GEnx (787, 747-8) und das CFM LEAP in der 1B-Variante (737 Max).

Warum nicht bei allen Flugzeugen?

Ganz eindeutig lassen sich moderne Flugzeuge damit aber nicht erkennen. So kommen beim Airbus A350 die Triebwerke Rolls-Royce Trent XWB zum Einsatz. Diese haben keine Chevrons. Auch die Boeing 777X kommt mit General Electric GE9X ohne die charakteristischen Zacken. 

➤ Mehr lesen: Dieses Flugzeug soll den Airbus A380 ersetzen

Denn die Chevrons haben nicht nur Vorteile. Aufgrund ihrer Funktionsweise erhöhen sie den Luftwiderstand minimal und sorgen deswegen für einen höheren Treibstoffverbrauch. Außerdem ist bei ihnen mehr Material notwendig, die Triebwerke sind etwas schwerer. Darum setzen Hersteller bei neuen Triebwerken auf andere Techniken, um die Lautstärke zu verringern. 

Terry Beezhold (damals Chefingenieur des 777X-Programms) erklärte 2014 in einem Interview: “Wir ersetzen die Chevrons durch eine neue Düsen-Design-Technologie. Sie bietet ein vergleichbares Lärmniveau für die Kabine und die Umgebung, ist aber leichter und hat einen geringeren Luftwiderstand.“ 

Die Trent XWB des A350 verfügen auch über eine spezielle Innenverkleidung mit der Bezeichnung Zero-splice. Das steht in diesem Zusammenhang für "nahtlos". Dadurch, dass die gesamte Innenverkleidung ohne harte Nähte auskommt, wird der Schall im Inneren besser absorbiert. 

Durch die Weiterentwicklung des Triebwerks-Innenlebens sind die Chevrons also mittlerweile wieder obsolet geworden. 

Klicken Sie hier für die Newsletteranmeldung

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Thomas Prenner

ThPrenner

KURIER-futurezone Chefredakteur. Beschäftigt sich viel mit Dingen, die man täglich nutzt und schreibt darüber. Sitzt außerdem gerne am Fahrrad.

mehr lesen