Digital Life

Jack Dorsey trägt "Love"-Kappe, während er Tausende Mitarbeiter feuert

Ende Februar kündigte die Fintech-Firma Block an, mehr als 4.000 seiner etwa 10.000 Angestellten zu kündigen – und das obwohl sich der Gewinn zwischen erstem und viertem Quartal 2025 auf 2,87 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt hatte. In einem Brief an die Aktionäre erklärte Gründer Jack Dorsey, der 2006 auch Twitter mitbegründet hatte, die Kündigungswelle folgendermaßen: „Ein signifikant kleineres Team kann mit den Werkzeugen, die wir bauen, mehr machen und es besser machen.“

Tatsächlich schossen die Aktien des Unternehmens am Folgetag um mehr als 20 Prozent in die Höhe, wie der Guardian meldet. Und die 4.000 gekündigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Ihnen wurde die Hiobsbotschaft Berichten zufolge vom CEO mit „Love“-Kappe überbracht. Das kam nicht bei allen gut an.

„Situation mit Liebe angehen“

In einem ausführlichen Interview mit dem Techmagazin Wired meldet sich Dorsey nun zu Wort. Er rechtfertigt die Kündigungen damit, proaktiv auf die durch KI wesentlich veränderte Arbeitswelt zugehen zu müssen. Angesprochen auf die „Love“-Kappe, die er beim Kündigungs-Meeting trug, erklärt der Multimilliardär: „Ich wollte die ganze Situation mit Liebe angehen.

Betroffene Angestellte hätten die Chance gehabt, ihm alle Emotionen zu zeigen und Feedback zu geben. Außerdem seien die Abfindungspakete großzügig. Auf X schreibt Dorsey, dass gekündigte Angestellte ihr Gehalt für mindestens weitere 20 Wochen bekommen und ein halbes Jahr weiter krankenversichert blieben. Außerdem könnten sie Firmengeräte behalten und bekommen zusätzlich 5.000 US-Dollar.

Verpflichtender KI-Einsatz

Bereits in der Woche vor der großen Kündigungswelle erklärten mehrere Block-Mitarbeiter gegenüber Wired, dass die Leistungsangst grassiere, der Einsatz generativer KI verpflichtend sei und sich die allgemeine Arbeitsmoral rapide verschlechtere. „Wir wissen noch nicht, ob unsere Existenz davon betroffen sein wird, und das macht es unglaublich schwer, wichtige Lebensentscheidungen zu treffen, ohne zu wissen, ob wir nächste Woche noch einen Job haben“, wird ein Angestellter zitiert.

Demnach sind alle Block-Angestellten verpflichtet, einmal wöchentlich eine Update-E-Mail an Dorsey zu schicken. Der CEO nutze dann ein KI-Tool um diese tausenden Nachrichten zusammenzufassen.

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Kündigungen wegen KI

Block ist bei Weitem nicht das einzige Tech-Unternehmen, das „wegen KI“ große Teile seiner Belegschaft feuert. Amazon hatte vor den Ankündigungen der letzten beiden Quartalsergebnisse – im Oktober 2025 und Jänner 2026 – 14.000 bzw. 16.000 Angestellte gekündigt.

Doch es geht auch anders: Der schwedische Finanzdienstleister Klarna hatte 2024 einen Einstellungsstopp verkündigt, weil ein Chatbot die Arbeit von 700 Menschen im Kundenservice übernehmen sollte. Doch im Frühjahr 2025 musste das Unternehmen die Entscheidung revidieren, weil die KI die Qualitätsansprüche nicht erfüllen konnte. Die neu eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind allerdings in flexiblen – oder prekären, je nach Perspektive – Arbeitsverhältnissen beschäftigt.

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Skeptiker argumentieren, dass KI ohnehin häufig als Ausrede genutzt werde, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen völlig anderer Gründe zu kündigen. Denn wie viele Aufgaben die Künstliche Intelligenz in einem Betrieb tatsächlich automatisieren kann, ist höchst umstritten.

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