Massenentlassungen und Studio-Verkäufe: Das ändert sich bei Xbox
Es dürfte für niemanden eine wirkliche Überraschung gewesen sein: Xbox hat angekündigt, im Laufe des nächsten Jahres etwa 20 Prozent seiner Belegschaft zu entlassen. Insgesamt sind das 3.200 Menschen, von denen 1.600 bereits am Montag ihren Arbeitsplatz räumen mussten. „Unserem Geschäft geht es nicht gut“, erklärte die neue Xbox-CEO Asha Sharma gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Man müsse den symbolischen „Reset“ drücken, schreibt sie und meint damit rigorose Umstrukturierungen.
Dazu gehört auch, einige der aufgekauften Xbox-Studios wieder abzuwerfen. 4 davon fallen den Kürzungen zuerst zum Opfer: Compulsion Games (South of Midnight), Double Fine Productions (Psychonauts 2, Keeper), Ninja Theory (Hellblade) und Undead Labs. Ob das französische Studio Arkane (Deathloop, Redfall) ebenfalls ausgemustert wird, ist noch unklar. Während Compulsion und Double Fine wieder unabhängig werden, will man Ninja Theory und Undead Labs verkaufen. Alle Studios arbeiten derzeit an neuen Spielen – Ninja Theorys Hellblade 2 wird seit 6 Jahren erwartet, verzögerte sich aber ständig. Undead Games hat seit dem Wechsel zu Xbox noch kein einziges Game released, arbeitet aber an State of Decay 3.
Xbox kaufte Activision Blizzard im Jahr 2022 für 68,7 Milliarden Dollar
© Microsoft
Xbox im Shopping-Wahn
In den späten 2010er Jahren und frühen 2020ern hatte sich Xbox, damals unter Führung von Phil Spencer, in einen regelrechten Shopping-Wahn begeben und Milliarden für die Übernahme anderer Studios ausgegeben. Besonders hohe Summen zahlte man für Activision Blizzard (Call of Duty, Diablo), Bethesda Softworks (Fallout-Franchise), King (Candy Crush) und Mojang Studios (Minecraft), sowie Playground Games (Forza), Obsidian Entertainment (The Outer Worlds) und ZeniMax Media, dem Mutterkonzern von Doom-Entwickler idSoftware und Wolfenstein-Entwickler MachineGames. Xbox besitzt seither über 30 große und kleine Studios. Diese Investitionen machen sich jetzt bemerkbar, denn Xbox verliere jährlich 64 Prozent jedes investierten Dollars, sagt Sharma.
Ein wichtiges Ziel dieser Einkaufsstrategie war es, einen großen Katalog an Exklusivtiteln für die eigene Plattform auf den Markt zu bringen. Mit dem Xbox Game Pass bot die Microsoft-Tochter lange Jahre eines der besten Spiele-Abos für Konsole und PC an. Riesige Titel wie Starfield, Halo, Forza und Call of Duty konnten ab dem ersten Erscheinungstag ohne Zusatzkosten gespielt werden. Dass diese Strategie langfristig nicht rentabel ist, macht sich jetzt mit einem Knall bemerkbar.
Nur 30 Millionen Game-Pass-Nutzer
Der Game Pass ist nicht in der Geschwindigkeit gewachsen, die man sich gewünscht hätte, schreibt Sharma. Laut Wall Street Journal gibt es derzeit nur 30 Millionen Abonnenten und Abonnentinnen. Diese Zahl ist weit von den 77 Millionen entfernt, die Xbox für Juni 2026 angepeilt hatte. Dass die großen Spielefirmen Xbox, PlayStation und Nintendo nicht durch den Verkauf von Konsolen, sondern über solche Abos ihr Geld verdienen, ist längst Realität. Laut Xbox sind die Quartalseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent gesunken, die Gewinnspanne im aktuellen Geschäftsjahr um 3 Prozent.
CoD: Black Ops 7 kommt nicht sofort für den Game Pass
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Game-Pass-Abonnentinnen und -Abonnenten werden sich jetzt möglicherweise wundern: Der Preis ist doch unlängst erst gesunken. So kostet etwa die höchste Kategorie „Ultimate“ nur noch 20,99 Euro statt 26,99 Euro. Allerdings wurden die Preise erst im November 2025 auf dieses Niveau gehoben, was viele Nutzer abschreckte. Ganz zurückgerudert wird aber nicht, denn Ultimate kostete ursprünglich 17,99 Euro und bleibt damit 3 Euro teurer. „Essential“ kostete 2025 noch 6,99 Euro und bleibt jetzt bei 8,99 Euro, der PC Game Pass wird von 14,99 Euro auf 12,99 Euro reduziert und bleibt damit um einen Euro teurer. Lediglich „Premium“ bleibt bei 12,99 Euro.
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Weniger Gaming fürs Geld
Gleichzeitig wird aber mit Call of Duty ein Zugpferd aus dem Game Pass genommen. Wer das zum Erscheinungstermin spielen will, muss es regulär kaufen. Alle anderen warten mindestens ein Jahr, bis es auch im Game Pass verfügbar sein wird. Die Preissenkungen sind also mehr Schein als Sein, dafür werden aber Inhalte gestrichen. Auch der angekündigte Verkauf der 5 Studios stellt in Frage, ob Highlights wie Hellblade 2 von Beginn an ihren Weg zum Game Pass finden. Zumindest Hellblade 2 war aber noch vor 4 Wochen Teil des Xbox-Showcase.
Laut Sharma seien die Umstrukturierungen nötig, um sich wieder auf große Projekte zu konzentrieren und die vielen einzelnen Studios stärker zusammenzubringen. Man würde mehr in Xbox investieren als je zuvor, um die Marke wieder groß zu machen. Hardware ist aufgrund der Speicherkrise teuer, weshalb es das Kerngeschäft bleiben wird, Spiele zu verkaufen und idealerweise Menschen über ein Abo an die eigene Plattform zu binden. Ob das gelingt, indem man das Produkt schlechter macht, ohne den Preis wirklich zu senken und gleichzeitig kaum Blockbuster-Titel auf den Markt bringt, die Massen anziehen und begeistern, ist mindestens fraglich.
Klar ist aber auch, dass die Gaming-Branche seit Jahren in einer tiefen Krise steckt. Die Xbox-Entlassungen sind keine Überraschung. In den letzten Jahren wurden immer wieder Studios geschlossen, weil ihre – oft unter hohem Druck entwickelten – Spiele nicht die finanziellen Erwartungen der Manager erfüllten. Während die Entwicklungen von Blockbuster-Games inzwischen Hunderte Millionen bis Milliarden Dollar kosten, konnten die wenigsten Firmen Wege finden, sie lukrativ genug zu machen. Kein Wunder also, dass Games häufig mit Online-Modus und damit zusätzlichen Kaufoptionen kommen. Besonders gut gelingt das Rockstar mit GTA Online. Viel stärker aber profitieren im Kern eher simple, aber süchtig machende Games wie Roblox, Fortnite und PUBG. Sie sind deswegen so rentabel, weil Nutzer über Jahre immer wieder Geld investieren.
Spiele-Branche in der Krise
Wie groß die Verzweiflung in der Branche ist, zeigte sich unlängst an der Preisgestaltung für GTA 6. Viele Firmen hofften, das Game knacke erstmals die 100-Dollar-Marke und etabliere diesen Preis als neue Normalität für große Spiele. Das hat sich nicht bewahrheitet, der Preis bleibt bei den inzwischen regulären 80 Dollar bzw. 80 Euro. Millionen Spieler wären wohl bereit gewesen, 100 Dollar zu bezahlen und damit wäre auch für andere Studios die Tür offen, diesen Preis zu verlangen. Damit könnten die immer weiter steigenden Entwicklungskosten für solche Spiele besser abgefangen werden, so die Hoffnung. Man munkelt, Rockstar wird für GTA 6 über 3 Milliarden Dollar investiert haben.
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Die Hoffnung platzte, die Studios werden auch in Zukunft finanzielle Schwierigkeiten haben. Auch in Zukunft werden ganze Firmen geschlossen und Tausende Entwicklerinnen und Entwickler entlassen, solange die Branche keine Antwort findet. Xbox macht den Anfang, doch weitere werden folgen. PlayStation kämpft mit ähnlichen Problemen und hat erst im Juni 900 Mitarbeiter aus großen Studios wie Insomniac (Spider-Man), Naughty Dog (The Last of Us) und Guerilla (Horizon Forbidden West) entlassen. Nach dem absehbaren Ende von Destiny 2 wurde außerdem mindestens 300 Bungie-Mitarbeiter gekündigt.