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Nintendo Switch Lite im Test: Das neue Must-have für Switch-Besitzer

Chapeau, Nintendo. Mit der Switch Lite hast du ein Produkt geschaffen, das weniger kann als die normale Switch, aber auf ihre Art um so viel besser ist, dass man sie als Switch-Besitzer trotzdem haben will. Anstatt einer 2-in-1-Konsole habe ich jetzt zwei Konsolen, weil ich eine Funktion besonders mag.

Dahinter kann man entweder einen teuflischen Plan von Nintendo zur Gewinnmaximierung vermuten, oder Kundenfreundlichkeit. Denn schließlich haben viele Switch-User gesagt, die Konsole eigentlich nur unterwegs und nicht zuhause am TV zu verwenden. Und für genau die gibt es jetzt die Switch Lite (219 Euro). Ich habe die Konsole getestet.

Aus-gewechselt

Die Grundidee der originalen Switch ist, dass sie sowohl mobil als Handheldkonsole, als auch zuhause als klassische Konsole nutzbar ist. Daher auch der Name Switch: Weil man on-the-fly zwischen den zwei Modi wechseln (engl: switch) kann. Die Switch Lite streicht den klassischen Konsolenmodus komplett. Strenggenommen müsste sie „No-Switch“ oder „Switch-Less“ heißen.

Die Switch Lite kann nicht mit dem TV verbunden werden. Die Docking Station der normalen Switch ist nicht kompatibel. Die Joy-Cons der Switch Lite können nicht abgenommen werden. Dadurch ist sie nicht zu Games wie 1, 2, Switch, Nintendo Labo und Super Mario Party kompatibel – es sei denn, man kauft die Joy-Cons der normalen Switch separat dazu. Dann muss man sich aber auch überlegen, wie man diese separat auflädt. Will man das nicht machen, muss man darauf achten, dass das Wunsch-Game den Handheld-Modus unterstützt. Im Nintendo eShop ist das etwa anhand der Icons bei der Spielbeschreibung zu erkennen.

Die Switch Lite ist auch kompatibel mit anderem Switch-Zubehör, das drahtlos verbunden wird. So kann etwa der Pro Controller damit verwendet werden. Allerdings hat die Lite keinen eingebauten Standfuß, so wie es bei der Switch der Fall ist. Wer die Lite unterwegs aufstellen und mit Controller verwenden will, muss sich eine Lösung dafür einfallen lassen oder ein Produkt eines Drittanbieters kaufen, das die Konsole stehen lässt.

Weitere entfallende Features: Die Rumble-Funktion und der automatische Helligkeitssensor. Die Bewegungssteuerung, etwa das Lenken bei Mario Kart, indem die Konsole wie ein Lenkrad gedreht wird, wird von der Switch Lite weiterhin unterstützt.

Leichter, kleiner, besser

Der Fokus auf den Handheld-Modus macht die Switch Lite nicht zur schlechteren Konsole, sondern zu einer Expertin. Es ist so, als würde man ein Schweizer Taschenmesser gegen ein richtiges Klappmesser tauschen, das tatsächlich schneidet.

Die Switch Lite ist mit 277 Gramm spürbar leichter als die Switch (399 Gramm). Sie ist auch weniger hoch und flacher. Dadurch wird die Switch Lite nicht so stark in die Handballen gedrückt. Ergo: Man kann länger komfortabel spielen. Die Position der Tasten und Bedienelemente hat sich nicht geändert. Sie sind immer noch sehr gut zu erreichen, auch für User mit größeren Händen.

Zudem gibt es jetzt ein richtiges Steuerkreuz auf der linken Seite. Bei der normalen Switch sind das vier Einzeltasten, damit die Joy-Con im abgenommenen Zustand wie ein Mini-Controller verwendet werden kann. Da diese Option bei der Stwitch Lite entfällt, gibt es das echte Steuerkreuz. Das freut nicht nur Spieler von Retro-Games: Das Steuerkreuz fühlt sich in nahezu jedem Spiel besser an als die Einzeltasten.

Kleineres Display

Durch die kompakteren Maße lässt sich die Switch Lite leichter in Taschen mit engen Fächern unterbringen. Für einen bequemen Transport in der Hosentasche ist sie aber immer noch eine Spur zu dick und lang. Da der Abnehm-Mechanismus der Joy-Cons nicht mehr da ist, wirkt die Switch Lite stabiler und massiver. Ob sie tatsächlich härter im Nehmen als die reguläre Switch ist, wird sich erst im Langzeit-Test zeigen.

Ein kleiner Nachteil der Verkleinerung: Das Display ist mitgeschrumpft. Statt 6,2 sind es jetzt 5,5 Zoll. Legt man die zwei Konsolen nebeneinander, wirkt der Unterschied erschreckend groß. Sobald man aber mit der Switch Lite spielt, merkt man nichts mehr vom kleineren Bildschirm. Auch Bildschirmtexte sind in den meisten Games noch zu gut zu lesen. Sind sie das nicht, waren sie auch schon auf der normalen Switch zu klein. Hier hilft die optional aktivierbare Bildschirmlupe (zwei Mal schnell die Home-Taste drücken).

Die Gerüchte, wonach das Display der Switch Lite heller ist als das der normalen Switch, kann ich nicht bestätigen. Im Vergleich wird allerdings deutlich, dass die Switch Lite einen leichten Gelbstich hat, bzw. die Farben wärmer sind. Beim Spielen merkt man das nicht. Im direkten Vergleich ist Weiß auf der normalen Switch aber sauberer, während es bei der Switch Lite besagten Gelbstich aufweist.

Akku

Laut Nintendo hält der Akku der Switch Lite zwischen 3 bis 7 Stunden. Das ist zwar besser als bei der ursprünglichen Switch (2,5 bis 6,5 Stunden), aber schlechter als bei der aktuellen Version der Switch, die seit Mitte August verkauft wird (4,5 bis 9 Stunden).

Wer sehr viel Wert auf lange Laufzeit legt, wird also eher die aktuelle Switch nehmen – oder sich ein Akkupack zulegen. Es ist dennoch beeindruckend, dass die Switch Lite, trotz Größen- und Gewichtsersparnis, bei der Laufzeit mit der ursprünglichen Version mithalten kann, bzw. diese sogar leicht überbietet. Im Test kam ich bei voller Displayhelligkeit und aktiver WLAN-Verbindung auf 4 bis 5,5 Stunden Spielzeit, je nachdem welches Game ich gespielt habe.

Der interne Speicher ist nach wie vor 32 GB groß, wovon etwa 25 GB nutzbar sind. Wer die Switch Lite viel nutzt, sollte sich gleich eine schnelle MicroSD-Karte mit 128 GB oder mehr dazukaufen. Wer Spiele lieber physisch besitzt anstatt sie herunterzuladen, kann das natürlich weiterhin machen. Der Game-Card-Slot der Switch Lite wurde nicht wegreduziert.

Fazit

Die Entscheidung für mich ist nicht, ob man die Switch Lite kaufen sollte, sondern in welcher Farbe. Die normale Switch habe ich primär im Handheld-Modus genutzt und die Switch Lite macht hier nahezu alles besser. Allerdings tue ich mir schwer, die alte Switch aufzugeben. Sie wird wohl permanent in der Docking Station für die seltenen Fälle landen, in denen Smash Brothers oder Marvel Ultimate Alliance am TV gespielt wird.

Wer noch keine Switch hat, sollte sich aber gut überlegen, die Switch Lite zu kaufen. Denn auch wenn man den Konsolen-Modus nicht sooft verwendet, ist es doch nett die Option bei der regulären Switch zu haben - genauso wie unterwegs die Joy-Cons abnehmen zu können, um mit einem Mitspieler gemeinsam FIFA oder Mario Kart zu zocken.

Sollte die Entscheidung auf die normale Switch fallen, achtet darauf, die neue Edition zu kaufen. Diese hat die Modellnummer HAC-001-01. Sie sieht aus wie die alte Edition der Switch, bietet aber eine merkbar längere Akkulaufzeit.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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