Konsole oder Gaming-Handheld: Welches tragbare Videospielgerät passt zu mir?
Am Strand die Welt retten, im Zug Rekorde aufstellen oder auf der Couch lungernd die Fußball-WM gewinnen: Tragbare Spielekonsolen machen es möglich. Obwohl diese Gerätekategorie schon totgesagt wurde – weil Smartphones immer leistungsfähiger werden und man auf denen genauso zocken kann – gibt es jetzt für passionierte Gamer mehr Auswahl als je zuvor.
Zwar haben weder Sony (Playstation) noch Microsoft (Xbox) derzeit ein Konkurrenzprodukt zur Nintendo Switch 2 (450 Euro), dafür gibt es aber zahlreiche Gaming-Handhelds. Mit dieser Bezeichnung sind Geräte gemeint, die einen ähnlichen Formfaktor wie die Switch 2 haben, aber im Grunde das Innenleben eines Notebooks.
Der Vorreiter für diese Kategorie ist das Steam Deck (ab 779 Euro) von Valve. Es nutzt ein Linux-basiertes Betriebssystem. Das schont zwar Ressourcen, doch als Besitzer des Handhelds ist man fast ausschließlich an Valves eigene Gaming-Plattform Steam gebunden. Die meisten anderen Geräte setzen auf Windows 11, was zwar viel Flexibilität bietet, aber auch Nachteile hat. Eine Sonderform ist hier der Asus ROG Xbox Ally X (999 Euro). Als erstes Gerät hat er den sogenannten Xbox Mode, der Windows 11 in den Hintergrund rückt und eine Oberfläche bietet, die mehr einer Spielkonsole ähnelt.
Der Xbox Mode wird nach und nach für weitere Gaming-Handhelds ausgeliefert und damit zum Standard für solche Geräte werden – bis was Besseres nachkommt. Reicht das, um das ultimative, mobile Gaming zu ermöglichen? Die futurezone hat sich am Beispiel des Xbox Ally X und der Switch 2 angesehen, wo die Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme liegen.
Der Komfort
Die Switch 2 ist ein geschlossenes System. Das hat den Vorteil, dass man es einfach einschaltet, das Spiel startet und fertig. Manchmal wird man aber auch hier ausgebremst, weil Software- oder Systemupdates installiert werden wollen.
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Gegenüber dem, was beim Xbox Ally X alles im Weg stehen kann, ist das eine Lappalie. Nach dem ersten Einschalten wurde ein riesiges Update heruntergeladen, das nicht richtig installiert wurde, weil der Handheld automatisch nach 10 Minuten in den Standby-Modus geht. Das Prozedere streckte sich dadurch auf über 2 Tage, in denen das Gerät nicht benutzbar war. Ein weiterer Bug verhindert gelegentlich, dass der Code zum Entsperren eingegeben werden kann, weder per Touchscreen noch Controller-Eingabe. Ab und zu funktionieren die Analogsticks nicht mehr, wenn man den Handheld in den Standby-Modus versetzt hat, etwa wenn man mit den Öffis unterwegs ist und gerade umsteigt. Nach einem weiteren fehlgeschlagenen Update ließen sich Spiele im Game-Pass-Abo nicht mehr starten, obwohl der Handheld speziell für die Nutzung davon optimiert ist. Und das alles trat schon in der ersten Woche der Nutzung auf.
Dann erscheinen einfach leere Fenster, man kommt nicht in die Akku-Einstellungen von Windows 11 oder kann danach nicht wieder zurück in den Xbox-Modus wechseln. Passiert das, wenn man im Urlaub eigentlich entspannen will oder sich auf eine einstündige Zockerpause freut, bevor man sich nach der Arbeit an den Haushalt macht, ist das extrem frustrierend. Beim Steam Deck ist das übrigens nicht so: Zwar gibt es auch hier viele Updates, aber im Gegensatz zu einem Windows-11-Handheld, laufen die meist problemlos ab.
Asus ROG Xbox Ally X und Switch 2
© Gregor Gruber
Die Spiele
Das ist die große Stärke der Handhelds: Weil es eigentlich ein PC ist, nur eben im handlichen Format, läuft darauf alles, was auch auf Windows 11 läuft: Und das ist eine scheinbar endlose Menge an Spielen. Der Xbox Mode ist zwar für Spiele optimiert, die über den Microsoft Store gekauft werden, integriert aber auch Steam und andere Gaming-Plattformen. Und weil es ein PC ist, kann das bereits erwähnte Game-Pass-Abo genutzt werden. Für 12 Euro im Monat erhält man Zugriff auf gut 600 Spiele. Achtung: Vor dem Urlaub sollte man den Offlinemodus in den Einstellungen des Microsoft Stores aktivieren, da man sonst immer eine aktive Onlineverbindung braucht, um die heruntergeladenen Games spielen zu können.
Bleibt man online und hat die Cloud-Synchronisation aktiviert, kann man etwa am Handheld Games weiterspielen, die man am PC angefangen hat und sogar auf der Xbox-Series-Konsole (wenn das Kombo-Abo beim Game Pass genommen wurde). Auch die Plattform Steam bietet eine ähnliche Funktion, sowohl beim Steam Deck als auch Xbox Ally X. Bei der Switch 2 ist das weniger relevant, da die tragbare Konsole ohnehin gleichzeitig die Konsole für den Fernseher im Wohnzimmer ist, wenn sie ins mitgelieferte Dock gesteckt wird.
Switch 2 mit Dock
© Nintendo
In Sachen Spielen ist die Switch 2 am wenigsten flexibel: Hier ist man auf Switch- und Switch-2-Spiele beschränkt, sowie eine Handvoll Klassiker älterer Nintendo-Konsolen, die heruntergeladen werden können. Dafür gibt es die Switch-2-Games aber auch physisch als Cartridge, also kleine Steckkarten, für Nutzer, die ihre Spiele nicht nur herunterladen wollen. Vorsicht im Urlaub: Manche vermeintlich physischen Spiele enthalten nur eine sogenannte Softwareschlüssel-Karte. Die sieht aus wie eine Cartridge, man muss das Game aber trotzdem herunterladen.
Ein Nachteil der Switch 2: Die Spiele sind üblicherweise teurer als die PC-Games. Zudem gibt es bei den konkurrierenden PC-Spieleplattformen häufiger Sonderangebote und günstige Klassiker, die sich gut für unterwegs eignen. Um 20 Euro bekommt man etwa 4 bis 5 Triple-A-Titel bei Steam im Summer Sale, während man für die Switch 2 nur ein Spiel um diese Summe bekommt.
ROG Xbox Ally X und Switch 2
© Gregor Gruber
Die Leistung
Die Switch 2 und das Steam Deck bilden einen Kompromiss aus Leistung und Laufzeit. Handheld-PCs gibt es von Mittelmaß bis zu extrem, mit Preisen, die die 2.500-Euro-Marke knacken können. Der Xbox Ally X ist hier mit 999 Euro also noch lange nicht der Preisgipfel, obwohl er ein Premium-Gerät ist.
Dafür bekommt man mit solch leistungsstarken Geräten eine deutlich bessere Grafik bei den Spielen und auch die Hardware selbst, wie etwa der Bildschirm, ist meistens besser. Dabei muss man aber bedenken: Viel Leistung verbraucht viel Akku. Hat man am Strand das Netzteil nicht dabei, sollte man also die Grafikqualität in den Spiele-Einstellungen, bzw. die Leistung in den Windows-11-Einstellungen, reduzieren, damit der Akku nicht schon nach ein bis 2 Stunden leer ist.
Switch 2 und Xbox Ally X
© Gregor Gruber
Fazit
Wie beim stationären Gaming, wenn man sich zwischen Konsole und PC entscheiden muss, ist das auch beim Spielen unterwegs: Bevorzugt man Bequemlichkeit oder Freiheit? Bei der Switch 2 muss man nicht viel mitdenken, einfach einschalten und loslegen. Bei einem Gaming-Handheld mit Windows 11 hat man nicht nur die üblichen PC-Probleme, sondern muss sich großteils mit einem System herumschlagen, das nicht für eine tragbare Spielekonsole gedacht ist. Und obwohl man theoretisch jedes der unzähligen PC-Spiele darauf nutzen kann, muss man oft mit den Einstellungen tüfteln, um das beste Ergebnis zu erzielen. Dafür sieht dann wiederum dieses Ergebnis sehr beeindruckend aus – wenn man in einen entsprechend teuren Gaming-Handheld investiert.
Wer also im Urlaub relaxen und zwischendurch ein bisschen zocken will, greift zur Switch 2. Wem das Tüfteln an den Einstellungen Spaß macht und die maximale Spieleauswahl mit der bestmöglichen Grafik will, wird mit einem Gaming-Handheld mehr Freude haben. Das Steam Deck ordnet sich dazwischen ein: Mehr und günstigere Spiele als die Switch 2, bequemer als ein Handheld-PC, aber mit weniger Leistung und Freiheit bei der Wahl der Spieleplattformen.