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Magenta-Chef: „Finde diesen kurzfristigen Preis-Opportunismus bedenklich“

Seit knapp einem Jahr ist Thomas Kicker CEO bei Magenta Telekom. Das Unternehmen zählt rund 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und versorgt Kundinnen und Kunden in Österreich nicht nur mit Mobilfunk, sondern auch mit Festnetz-Internet.  

Die futurezone hat Kicker zum Interview getroffen und dabei unter anderem über die Fragmentierung am österreichischen Mobilfunkmarkt gesprochen und wie man sich mit dem neuen Kombi-Angebot Magenta Family von der Konkurrenz abheben möchte. 

futurezone: Mit dem neuen Family-Angebot will Magenta zum digitalen Haushaltsmanager werden. Was heißt das genau?
Thomas Kicker: Wir sehen aktuell einen starken Trend zur punktuellen Optimierung: Viele Leute kaufen sich irgendwo einen Router, besorgen sich die SIM-Karte quasi neben dem Obst- und Gemüsefach und versuchen, alles selbst zusammenzustöpseln. Das birgt enorme Risiken bei der Sicherheit und führt oft zu Überforderung. Der „digitale Haushaltsmanager“ bedeutet für uns: Ein Ansprechpartner, ein One-Stop-Shop, eine gemeinsame Rechnung und ein umfassender Service.

Kombiangebote sind ja an sich nichts Neues. Was ist das Besondere an Magenta Family?
Der österreichische Mobilfunkmarkt ist mit rund 40 Anbietern extrem fragmentiert, wobei 37 davon überhaupt kein eigenes Netz besitzen. Wir verstehen uns als Komplettanbieter und punkten vor allem mit unserer enorm starken, leitungsgebundenen Infrastruktur. Durch den HFC- und Glasfaser-Ausbau (FTTH) verfügen wir über das größte Netz im Bereich der Gigabit-Kapazitäten. Hinzu kommt unser runderneuertes Magenta TV-Angebot und ein massiver Fokus auf das Thema Security, wo wir Schutzfunktionen direkt im Netz integrieren.

Die Telekom-Branche leidet traditionell unter hoher Wechselbereitschaft. Sehen Sie das auch, und welche Rolle spielt die Abwanderungsquote bei solchen Angeboten?
Ich finde diesen kurzfristigen Preis-Opportunismus bedenklich. Die Leute lassen sich von Gratis-Monaten locken und stehen dann ohne echten Service da. Wir sehen aber ganz klar, dass viele dieser Kunden nach dem Auslaufen von Lockangeboten wieder zu einem verlässlichen Anbieter zurückkehren. Der Grund ist, dass man feststellt, man braucht einen Ansprechpartner, gutes Service und Shops. Der stationäre Handel spielt in Österreich nach wie vor eine tragende Rolle

Kann man das in Zahlen festmachen?
Weit über 2 Drittel der Verträge werden bei uns in den Shops abgeschlossen. Das sind dann die gesuchten Ansprechpartner, wenn es Herausforderungen gibt. Und ich zähle hier Supermärkte nicht zum stationären Handel.

Magenta Shop Traisenpark

Haushalte verändern sich durch WGs, Trennungen oder den Auszug der Kinder. Was bedeutet das für die „eine Kundennummer“? Wie flexibel ist Magenta Family, wenn sich Lebensrealitäten ändern?
Wir sind sowohl im Mobilfunk- als auch im Festnetzbereich extrem flexibel und wachsen mit den Kunden mit. Uns ist völlig klar, dass Lebensrealitäten nicht über Jahre hinweg starr bleiben. Wir arbeiten kontinuierlich daran, Einstiegshürden zu senken und administrative Prozesse zu vereinfachen. Wenn es zu Veränderungen im Haushalt kommt, bieten wir unkomplizierte Lösungen an, um die Verträge entsprechend anzupassen oder mitzunehmen.

Wenn es mir primär darum geht, das meiste Geld zu sparen, komme ich vermutlich aber dennoch bei der Konkurrenz günstiger. Warum sollte ein preissensibler Haushalt im Jahr 2026 trotzdem zu Magenta wechseln?
Dass man günstiger kommt, würde ich so nicht unterschreiben. Zum einen bieten wir mit Magenta Moments ein extrem starkes Vorteilsprogramm, mit dem man bares Geld im Alltag sparen kann. Dazu kommen Dinge wie Gratis-TV-Monate, wie zu Beginn der WM sowie die 15 Prozent pro Mobilfunkvertrag. Also auch wenn man es nur rein ökonomisch betrachtet, sind wir sehr attraktiv. Es gibt wahrscheinlich auch irgendwo ein Schnitzel um 2 Euro. Ob Sie das essen wollen, ist Ihnen überlassen. Ich glaube, wir müssen auch mit dem Thema Verlässlichkeit argumentieren. Was ist mir ein stabiles Homeoffice wert? Unsere digitale Lebensader ist zu wichtig, um einfach zu sagen, da nehme ich das Günstigste.

Die Bedrohung durch Cybercrime hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Merken Sie das auch als Provider? 
Absolut. Durch generative KI hat Cybercrime eine völlig neue Qualität erreicht. Angreifer können heute mit minimalem Aufwand täuschend echte Phishing-Kampagnen und Fake-Landingpages erstellen. Hier muss man Technologie gegen Technologie einsetzen. Im Telekom-Konzern beschäftigen sich 4.000 Mitarbeiter ausschließlich mit Cyber Security. Unsere weltweiten „Honeypots“ verzeichnen täglich rund 40 Millionen Angriffsversuche. Auch im Privatkundenbereich sehen wir, dass statistisch gesehen jeder User mindestens einmal pro Tag mit irgendeiner Form von Phishing konfrontiert ist. Erschreckend dabei ist, dass bis zu 30 Prozent dieser Angriffe insofern erfolgreich sind, als dass die Nutzer tatsächlich damit interagieren.

Magenta wirbt damit, Bedrohungen direkt im Netz zu blockieren, bevor sie das Endgerät erreichen. Wie tief greift Magenta hier technisch in den Datenstrom ein, wie garantiert man Datenschutz?
Wir betreiben keine Deep Packet Inspection. Es handelt sich um eine rein netzwerkbasierte Lösung, die komplett anonymisiert arbeitet. Das System gleicht lediglich die aufgerufene URL mit einer dynamischen Datenbank ab, in der schädliche Websites erfasst sind. Erkennen die Algorithmen, beispielsweise anhand von gefälschten Logos oder verdächtigem Sourcecode, eine Phishing-Seite, wird der Zugriff blockiert und der Kunde erhält eine Warnmeldung. 

Wie verhindert man, dass legitime Websites fälschlicherweise gesperrt werden?
Solche sogenannten „False Positives“ kommen extrem selten vor. Wir bewegen uns hier im einstelligen Bereich pro Monat. Sollte eine legitime Website fälschlicherweise blockiert werden, haben wir einen sehr schnellen Whitelisting-Prozess, den unsere Servicemitarbeiter innerhalb einer Minute anstoßen können. Zudem analysieren wir anonymisiert, wie oft Kunden eine Warnung bewusst überschreiben, was uns wiederum als Indikator zur Verfeinerung der KI-gestützten Filterlisten dient.

Wie sieht es mit Kinder- und Jugendschutz aus?
Als Provider bieten wir technische Kinderschutzlösungen an, mit denen Eltern Kategorien wie Glücksspiel oder Gewalt sperren und Nutzungszeiten limitieren können. Was wir als Netzbetreiber jedoch weder übernehmen wollen noch können, ist eine inhaltliche Überwachung, um beispielsweise Cybermobbing direkt im Datenstrom zu erkennen und zu blockieren. Hier setzen wir stark auf unsere Initiative Connected Kids zur Förderung der Medienkompetenz an Schulen. In diesem Zusammenhang werden etwa Tablets und Workshops kostenlos zur Verfügung gestellt, die bereits mehr als 43.000 Kinder erreicht haben. Zudem kooperieren wir mit dem Verein ZARA gegen Hass im Netz, um Betroffenen professionelle Hilfe zu bieten.

Es wird erwähnt, dass Wachstum „über reine Connectivity hinausgehen soll“. Sehen wir Magenta in Zukunft auch als Anbieter völlig neuer Bereiche? 
Im Geschäftskundenbereich sind wir ohnehin längst über die reine Konnektivität hinaus und bieten komplexe Security- und All-in-Communication-Lösungen an. Für den Privatkundenbereich bauen wir unser Entertainment- und Security-Portfolio massiv aus. Auch das Thema Connected Home und IoT wird immer relevanter. Unser Fokus liegt darauf, unsere Netze „KI-ready“ zu machen. Auch langfristig gesehen, wenn die „physische KI“ kommt, etwa in Form von Robotik. Aber auch am Weg dorthin gibt es einige Chancen für uns, neue Wertschöpfung aufzubauen.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Magenta entstanden.

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Thomas Prenner

ThPrenner

KURIER-futurezone Chefredakteur. Beschäftigt sich viel mit Dingen, die man täglich nutzt und schreibt darüber. Sitzt außerdem gerne am Fahrrad.

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