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USB-Macher: "Wir haben die EU vor dem USB-C-Gesetz gewarnt"

Wenn die großen Tech-Konzerne auf dem Mobile World Congress in Barcelona versuchen, sich mit ihren neuesten Innovationen gegenseitig zu übertrumpfen, eint sie eine zentrale Sache: USB-C. Nahezu alle modernen Elektrogeräte - von der Zahnbürste und dem Smartphone bis zum Auto und dem Flugzeug - setzen auf USB-Schnittstellen. 

Während die marktbestimmenden Hersteller auf ihren überproportionalen Messeständen eine große Show abziehen, müssen sich die Macher der USB-Schnittstelle mit einem deutlich bescheideneren Rahmen zufriedengeben. Abseits des Messegeländes, im Untergeschoss eines nahen Hotels, habe ich Jeff Ravencraft zum Interview getroffen. 

Ravencraft ist Präsident und COO des USB Implementers Forum (USB-IF). Das ist jene Non-Profit-Organisation, die die Vereinheitlichung des Standards sowie die Verwaltung der Spezifikationen vorantreibt. 

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Die detaillierten Spezifikationen der Version 1.0 von USB aus dem Jänner 1996

Der USB-Chef hat mir gleich zu Beginn unseres Treffens ein dickes Handbuch gereicht. Es handelt sich um die detaillierten Spezifikationen der Version 1.0 von USB - quasi das Gründungsdokument des allgegenwärtigen Anschlusses. Das Dokument datiert auf den 19. Jänner 1996. USB feiert dieses Jahr also sein 30-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, um mit dem Chef des USB-Konsortiums zu plaudern. 

futurezone: USB hat einen weiten Weg hinter sich, von USB-A zu USB-C, das in der EU sogar zum Gesetz geworden ist. Hat das USB Implementers Forum seine Mission damit erfüllt?
Jeff Ravencraft: Es ist ein fortlaufender und andauernder Prozess. Aber USB ist tatsächlich überall zu finden: Flugzeuge, Autos, Werkzeuge, Zahnbürsten. Wir entwickeln die Datenleistung und Energieversorgung (Power Delivery PD) ständig weiter. Selbst wenn man Bluetooth, Wi-Fi und HDMI zusammenzählt, erreichen sie nicht die Absatzzahlen von USB. Auf dem Markt hat sich USB gegenüber FireWire (1394) längst durchgesetzt; das nutzt heute niemand mehr.

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Überblick über verschiedene USB-Stecker und USB-Anschlüsse

Wie war es hinter den Kulissen, als die EU den USB-C-Anschluss zur Pflicht machte?
Ich erzähle Ihnen die Kurzfassung: Vor 10 Jahren war ich mit Apple und Intel in Brüssel. Wir haben die EU gewarnt und zu den Gesetzgebern gesagt: "Reguliert das nicht." Der Markt hatte USB-C bereits angenommen. Wenn Regierungen Technologie regulieren, geraten sie in die Falle alter Technik, weil Gesetze sich nicht so schnell ändern wie Innovationen.

Wie hat Apple darauf reagiert?
Der Fokus der EU lag auf der Minimierung von Elektroschrott, aber sie hassten es auch, dass Apple nicht umstieg. Apple sitzt in unserem Vorstand; sie sind große USB-Unterstützer. Aber sie hatten mit Lightning einen vertikalen Markt. Jetzt ist Apple weltweit auf USB-C umgestiegen, weil es billiger ist, als eine Spezialversion nur für Europa zu bauen.

Jeff Ravencraft, Präsident und COO des USB Implementers Forum (USB-IF)

USB ist nicht gleich USB. Unter der Haube gibt es USB 3.1 Gen 1, 3.2 Gen 2x2 und so weiter. Für Konsumenten ist es extrem kompliziert, das richtige Kabel zu finden.
Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Es ist kompliziert. Selbst wir, die Leute, die es entwickeln, kennen manchmal kaum den Unterschied zwischen den Spezifikationsversionen. Deshalb haben wir unsere Logos überarbeitet, um sie zu präzisieren und für die Verbraucher klarer zu machen. Kunden verstehen keine "Generationen", aber sie verstehen "80 Gbit/s" und "240W". Wir können unzertifizierte Kabel rechtlich nicht kontrollieren, aber bei zertifizierten Produkten muss das Logo die Geschwindigkeit und die Wattzahl zeigen. 

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Wie lange wird USB-C in der aktuellen Form ausreichen?
Wir glauben, dass der aktuelle Stecker noch mindestens 10 Jahre "Spielraum" hat, sowohl bei der Geschwindigkeit mit bis zu 120 Gbit/s als auch bei der Energieversorgung mit bis zu 240 Watt. Denken wir an Durchschnittsnutzer: Denen sind solche Spezifikationen egal. Es muss einfach funktionieren. Die haben keine 5 Monitore, 4 Hubs und ein schnelles Speichergerät und sie brauchen kein 10 Meter langes Kabel. 

Ist das Kupferkabel das Ende der Fahnenstange? Was ist mit optischen Kabeln?
Wir haben offizielle Spezifikationen für optische Kabel, aber noch kein Zertifizierungsprogramm, weil bisher noch kein Hersteller ernsthaftes Interesse gezeigt hat. Es ist schlicht zu teuer. Ich erinnere mich, wie Pat Gelsinger (Intel-CEO) vor Jahren auf der CES einen optischen USB-Anschluss zeigte. Das war damals alles nur Schall und Rauch. Kupfer ist einfach viel billiger und erfüllt die meisten Bedürfnisse der Kunden.

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Die USB-Logos zeigen die Leistungsfähigkeit des Kabels bzw. des Anschlusses.

Was ist mit kabellosen Verbindungen? Es gab ja sogar einmal Bemühungen für Wireless USB.
Das war ein massiver Fehlschlag, weil wir es nicht komplett allein im USB-IF gemacht haben. Wir haben mit einer anderen Gruppe namens WiMedia für den Funkteil zusammengearbeitet. Die hatten 20 Vorstandsmitglieder. Eine allgemeine Regel lautet: Niemals mehr als 9 Vorstandsmitglieder, sonst wird nichts fertig. Es wurde ein politisches Chaos. Als es endlich fertig war, war der Markt schon weiter.

Stichwort USB-D: Was darf man sich vom nächsten Stecker erwarten? 
Wir blicken natürlich immer nach vorne. Aber einen physischen Stecker zu ändern, ist die schwierigste Umstellung in der Technikwelt. Erinnern Sie sich, als Apple von 30-Pin auf Lightning umstellte – das hat jedes Zubehör, jedes Dock unbrauchbar gemacht. Wir werden den USB-C-Stecker nicht ändern, es sei denn, es gibt eine massive technische oder kundenorientierte Anforderung, die wir mit dem aktuellen Standard nicht erfüllen können.

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Florian Christof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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