Panel "Blackout - Was kommt da auf uns zu?"
Blackout total? So gut ist Österreich vorbereitet
Dass Strom jederzeit aus der Steckdose kommt, ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Fällt das Netz jedoch großflächig aus, zeigt sich, wie abhängig moderne Gesellschaften von einer funktionierenden Energieversorgung sind.
Bestseller-Autor Marc Elsberg zeichnete in seiner Keynote „Von EDEN ins BLACKOUT“ auf dem KURIER SPEAK OUT Festival nach, wie schnell ein einzelnes Ereignis zu einem verhängnisvollen Blackout führen kann, der sich im schlimmsten Fall von Norddeutschland bis Südspanien zieht.
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Ampeln funktionieren nicht mehr und führen zu Verkehrschaos, Supermärkte müssen schließen, weil Kühlung und Kassensysteme versagen und Kommunikationssysteme brechen zusammen. Ohne Notstromaggregate in der industrialisierten Landwirtschaft ersticken tausende Tiere binnen Stunden in unbelüfteten Ställen, Krankenhäuser müssen auf Notbetrieb umstellen.
Was kommt da auf uns zu?
Wie Österreich auf einen Blackout vorbereitet ist und welche Herausforderungen die Energiewende mit sich bringt, diskutierten Klaus Kaschnitz, Division Director bei Austrian Power Grid, und Bernd Loacker, CTIO von Drei, beim Panel „Blackout – Was kommt da auf uns zu?“.
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Über großflächige Stromausfälle liegen in Österreich nur wenige Erfahrungswerte vor. „Gott sei Dank fehlen uns ausreichend Daten dazu für eine seriöse Auswertung“, sagt Kaschnitz. Der letzte totale Blackout in Österreich liegt mehr als 50 Jahre zurück. Umso genauer werde beobachtet, welche Erkenntnisse sich aus jüngeren Ereignissen im Ausland gewinnen lassen – etwa gab es 2025 in Spanien einen großflächigen Blackout.
Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien hätten sich die Anforderungen an die Stromnetze verändert. „Natürlich haben wir neue Herausforderungen durch die Erneuerbaren, die volatil Strom erzeugen“, erklärt Kaschnitz. Wind- und Solarenergie speisen je nach Wetterlage unterschiedlich viel Strom ins Netz ein.
Herausforderung der Erneuerbaren
„Die Volatilität hat zugenommen: Wir haben Windspitzen, bei denen binnen einer Stunde so viel Windenergie ins Netz gespeist wird wie das gesamte Donaukraftwerk erzeugt“, sagt Kaschnitz. Hinzu komme die geografische Verteilung der Erzeugung. Im Burgenland würden zeitweise Strommengen produziert, die ein Vielfaches des regionalen Verbrauchs ausmachen. Speicherlösungen könnten hier zur Entlastung beitragen und die Versorgungssicherheit erhöhen.
Klaus Kaschnitz, Division Director Austrian Power Grid
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Der Netzausbau halte jedoch nicht immer mit dem Wachstum der Erzeugungskapazitäten Schritt. „Die Erzeugungswege wachsen schneller, als der Netzausbau vorankommt“, so Kaschnitz. Überschüssige Windenergie aus dem Osten Österreichs könne nicht rasch genug zu den Pumpspeicherwerken in den Alpen transportiert werden. Erzeugung und Infrastruktur entwickelten sich derzeit mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten.
Ist SMS wirklich zuverlässig?
Neben der Stromversorgung spielt im Krisenfall auch die Telekommunikation eine zentrale Rolle. „Das größere Problem wird sein, dass jeder zum Handy greift“, sagt Loacker. Erfahrungen aus vergangenen Ausnahmesituationen hätten gezeigt, dass Mobilfunknetze rasch an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen können. „Wir kennen das von früher, dass wir an Silvester nicht sofort durchgekommen sind. Das wird im Blackout-Fall auch passieren. Die Netze sind nicht dafür ausgelegt.“
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Daher sollte im Ernstfall nicht sofort telefoniert werden, um die Netze möglichst wenig zu belasten. Besonders datenintensive Anwendungen wie Videotelefonie würden die vorhandenen Kapazitäten zusätzlich beanspruchen. Oft werde empfohlen, stattdessen SMS zu versenden, da diese deutlich weniger Netzressourcen benötigen. Allerdings gelte auch das nur eingeschränkt. „Wenn das Netz noch da ist, funktioniert das noch, sonst wird es auch schwierig mit SMS“, sagt Loacker.
Österreich ist für Ernstfall gerüstet
Grundsätzlich sehen beide Experten Österreich jedoch gut vorbereitet. Die Stromversorgung könne bei einem plötzlichen Ausfall für mehrere Stunden abgesichert werden, zudem gebe es Möglichkeiten, diese Zeitspanne weiter auszubauen. Besonders gut gerüstet seien Rechenzentren, deren Betrieb auch über mehrere Tage aufrechterhalten werden könne.
Für den Fall eines großflächigen Blackouts existieren klare Abläufe. „In diesem Fall brauchen wir zuerst einige Minuten, um ein Lagebild zu erstellen“, erklärt Kaschnitz. Die Vorgehensweise hänge unter anderem davon ab, ob nur Österreich oder auch benachbarte Länder betroffen seien. Entsprechend würden unterschiedliche Strategien für den Netzwiederaufbau zum Einsatz kommen.
Bis die Stromversorgung wieder vollständig hergestellt ist, könne es zwischen ein und 2 Stunden dauern, in Ausnahmefällen aber auch deutlich länger. Parallel dazu komme das Krisenmanagement zum Einsatz. Menschen müssten etwa aus steckengebliebenen Aufzügen befreit werden, während gleichzeitig sichergestellt werden müsse, dass die Bevölkerung über Rundfunk und andere Kanäle mit wichtigen Informationen versorgt wird. Behörden und Einsatzorganisationen würden dafür unmittelbar ihre Krisenstäbe aktivieren.
Passende Vorbereitungen für den Ernstfall
Nicht nur der Staat, sondern auch private Haushalte sollten Vorsorge treffen. Lebensmittel, Trinkwasser und notwendige Medikamente sollten für einen gewissen Zeitraum verfügbar sein. „Jede Privatperson sollte einen Notfallplan für den Blackout-Fall haben“, mahnt Kaschnitz.
Ähnliches gelte für Unternehmen, Schulen und öffentliche Einrichtungen. Sie müssten sich überlegen, welche Auswirkungen ein längerer Stromausfall auf ihren Betrieb hätte und welche Maßnahmen erforderlich wären. „Auch Schulen sollten sich vorbereiten: Was passiert mit den Kindern? Werden sie abgeholt? Es gilt, klare Regeln festzulegen“, sagt Loacker.
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Die Experten betonen dennoch, dass kein Grund zur Panik bestehe. Österreich verfüge über Notfallpläne, der Wiederaufbau der Netze werde regelmäßig trainiert und entsprechende Szenarien würden laufend geübt. Auch Kaschnitz und Loacker haben für ihre Familien Vorsorge getroffen und Notfallreserven angelegt.
Ihre Einschätzung fällt insgesamt beruhigend aus: Ein mehrtägiger, landesweiter Blackout bleibt in Österreich ein äußerst unwahrscheinliches Extremszenario.
Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Drei und futurezone.
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