Großer Militärlastwagen mit Tarnmuster und Rakete, flankiert von zwei Soldaten mit Gewehren auf einem Platz.

HQ-29 bei der Militärparade im September 2025

© REUTERS / Tingshu Wang
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Digital Life

Seltene Aufnahme: Chinas „Satelliten-Killer” HQ-29 auf Zugreise

Im September 2025 hat China offiziell HQ-29 enthüllt. Dabei handelt es sich um ein Luftabwehrsystem für große Distanzen. Es soll nicht nur Flugzeuge und ballistische Raketen abschießen können, sondern auch Satelliten im niedrigen Erdorbit.

Seit der Militärparade im Vorjahr war das HQ-29 nicht mehr zu sehen. Auch gibt es keine offiziellen Videos in der üblichen Propaganda-Manier. Jetzt ist aber ein seltener Schnappschuss gelungen, der nicht nur ein HQ-29, sondern gleich eine gesamte Batterie zeigt.

Zugfahrt

Wo genau in China das Video entstanden ist, ist nicht bekannt. Es zeigt einen Militärzug, auf dem 8 Startfahrzeuge des HQ-29 verladen sind und 16 Raketen, jeweils in ihren Start-Containern.

Jedes der 6-achsigen Startfahrzeuge kann 2 Raketen aufnehmen. Bei dieser Zugladung dürfte es sich also um eine gesamte Batterie von HQ-29 handeln, also mehrere Starter, die zu einer Luftabwehrgruppe zusammengefasst sind.

Andere Lackierung

Auffällig ist, dass die Fahrzeuge eine andere Tarnlackierung haben als bei der Militärparade im September 2025. Dort hatten sie ein dunkleres Pixelmuster, passend für Wald.

Zwei Soldaten stehen vor Militärfahrzeugen mit Raketen in Tarnfarben, im Hintergrund ein großes Gebäude mit roten Fahnen.

HQ-29 bei der Militärparade mit Woodland-Pixelcamo

Die Fahrzeuge auf dem Zug haben ein 2-färbiges, helleres Fleckenmuster, was eher zu trockenem Gebiet passen würde, wie etwa im Norden und Westen Chinas. Auch ein Gebiet in Küstennähe könnte in Frage kommen.

Militärischer Lkw auf einem Zug in heller Tarnfarbe

HQ-29 auf dem Zug

Die andere Lackierung wirft die Frage auf, ob es sich hier um dieselben Fahrzeuge wie bei der Parade handelt, die umlackiert wurden, oder eine neue Batterie. Die erste Batterie wurde angeblich Anfang des Jahres in Dienst gestellt. Es könnte also sein, dass hier die zweite Batterie auf dem Weg zu ihrem Einsatzort gefilmt wurde. Womöglich sind auch schon mehr HQ-29 im Einsatz und dies ist die dritte oder vierte Batterie.

Hohe Reichweite und Flughöhe vermutet

Technische Daten zum HQ-29 wurden bisher nicht veröffentlicht, sondern lediglich der Einsatzzweck: weitreichende Abwehr von Flugzeugen, ballistischen Raketen und Satelliten. Zusammen mit dem Durchmesser der Raketen, der anhand der spärlichen Fotos auf 1,3 bis 1,5 Meter geschätzt wird, deutet dies auf eine Leistung hin, die zwischen der amerikanischen SM-3 Block IIA liegt (wird von Schiffen gestartet) und Russlands S-500 Prometheus (5-achsiges Fahrzeug).

Da auch für diese beiden Waffensysteme wegen militärischer Geheimhaltung keine präzisen Spezifikationen vorliegen, lässt das einen weiten Spielraum offen. Die Reichweite könnte demnach zwischen 600 und 2.500 km liegen, die maximale Flughöhe zwischen 150 und 1.000 km.

Gegen Starlink und wichtige Luftziele

Denkbar ist, dass China bei der Flughöhe von HQ-29 bis zu 550 km anstrebt. Mehrfach wurde nämlich SpaceX Starlink als Ziel genannt und diese Satelliten umkreisen die Erde in etwa 480 bis 550 km Höhe.

Der Grund: Die Ukraine nutzt seit dem russischen Angriffskrieg Starlink, um zerstörte militärische Kommunikationsinfrastruktur zu ersetzen und auch zur Steuerung von Kamikaze-Booten. Wenn China die Drohung wahrmacht und Taiwan angreift, wäre das eine ähnliche Situation und Taiwan könnte sich, mit der Hilfe von Starlink, besser verteidigen.

➤ Mehr lesen: China hat jetzt eine Mikrowellen-Waffe, die Starlink zerstören kann

Selbst, wenn HQ-29 die Starlink-Satelliten nicht erreichen kann, wäre es ein wertvolles Abwehrsystem. Denn neben konventionellen ballistischen Raketen soll es auch Hyperschallwaffen abfangen können sowie Atomraketen.

Zudem könnte HQ-29 zum Bekämpfen von wichtigen Luftzielen eingesetzt werden, die sich außerhalb der Reichweite der bisherigen chinesischen Abwehrsysteme aufhalten. Dazu gehören etwa die Radarflugzeuge AWACS und Luftbetankungsflugzeuge.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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