Digital Life
07.05.2018

Musk nennt Tesla-Zulieferer "Seepocken" und droht mit Kündigung

Wer keinen Tesla-Mitarbeiter als Fürsprecher findet, muss gehen. Hunderte Vertragsbedienstete könnten so ihren Job verlieren.

Tesla-Chef Elon Musk droht allen Zulieferern mit einer Kündigung ihrer Verträge. Die Qualität der Unternehmen variiere stark, viele würden lediglich die Vertragsbedingungen ausreizen, um an möglichst viel Geld zu kommen. „Die Leistung der Zulieferer deckt eine große Bandbreite ab, von hervorragend bis hin zu schlimmer als ein betrunkenes Faultier“, schreibt Musk in einer internen E-Mail, die nun an die Öffentlichkeit geraten ist. Die kommende Woche sei nun „die letzte Gelegenheit, hervorragende Leistung zu demonstrieren“. Jeder, der diesen Standard nicht erfüllen kann, verliert am Montag seinen Vertrag. 

Deadline verlängert

Diese Deadline wurde nun offenbar verlängert, wie aus einer weiteren geleakten E-Mail hervorgeht. Musk warnt darin jedoch die Zulieferer, dass sie einen Tesla-Mitarbeiter als Fürsprecher benötigen, wenn ihr Vertrag verlängert werden soll. „Jeder, der nicht einen Tesla-Mitarbeiter vorweisen kann, der seinen Ruf für sie aufs Spiel setzt, bekommt keinen Zugang zu unseren Fabriken mehr. Das gilt weltweit“, droht Musk. „Es ist an der Zeit, die Seepocken los zu werden“, schreibt er zum Abschluss. Damit spielt er auf die Krebsart an, die sich mit Saugnäpfen an anderen Tieren oder in der Nähe des Wassers festsetzt.

Es ist unklar, wie viele Mitarbeiter Tesla über externe Dienstleister beschäftigt. Allein im Werk im kalifornischen Fremont arbeiten 10.000 Personen, darunter, je nach Auslastung, mehrere hundert Personen von Drittunternehmen. Musk sprach bereits im Rahmen einer Telefonkonferenz anlässlich der Quartalszahlen über die Situation mit den Zulieferern. Die Zahl der Unternehmen, die an der Produktion beteiligt sind, sei „außer Kontrolle geraten“. Auch damals verglich er viele davon mit Seepocken – „wir haben Seepocken auf Seepocken.“

Musk übernahm kürzlich die Leitung der Produktion, um die anhaltenden Probleme beim Model 3 in den Griff zu bekommen. Er gestand dabei ein, die „übermäßige Automatisierung“ sei ein Fehler gewesen, Menschen wären in vielen Bereichen nach wie vor wichtig und besser geeignet als Maschinen. Im Zuge dessen sollen kurzzeitig mehr als 400 Arbeiter pro Woche neu angestellt werden. Tesla sorgte im Vorjahr allerdings auch mit rigorosen Kündigungswellen für Schlagzeilen. Der US-Konzern gab an, schlechte Bewertungen der Mitarbeiter seien dafür verantwortlich gewesen, andere vermuteten jedoch eine Reaktion auf die Bemühungen der Arbeiter, eine Gewerkschaft zu gründen.