Ein graues Propeller-Flugzeug setzt zur Landung an

OA-1K Skyraider II

© US Air Force
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„Fliegender Traktor” bekommt Rakete mit 370 km Reichweite

Wenn man die OA-1K Skyraider II sieht, würde man nicht glauben, dass es das neueste Kampfflugzeug der US Air Force ist. Die 2025 in Dienst gestellte Propellermaschine sieht aus, als wäre sie den 1970er-Jahren entsprungen.

Das ist kein Zufall, denn sie basiert auf dem Sprühflieger AT-802 (Erstflug 1990) der wiederum auf die AT-300 aus dem Jahr 1973 zurückgeht. Gebaut werden sie von Air Tractor, weshalb die Agrarflugzeuge des US-Unternehmens den Spitznamen „fliegender Traktor“ haben.

Gelbes Sprühflugzeug beim Starten auf einer Landebahn mit grünem Feld im Hintergrund.

Air Tractor AT-301

Für die Umwandlung zur Militärmaschine ist L3Harris zuständig. Und das hat eine neue Bewaffnung für die OA-1K vorgestellt, die eigentlich nicht zum bisherigen Aufgabenprofil des Flugzeugs passt.

Mini-Marschflugkörper

L3Harris zeigt die OA-1K mit Red Wolf. Red Wolf lässt sich am ehesten als ein Mini-Marschflugkörper beschreiben, der zusätzlich Eigenschaften einer Loitering Munition aufweist. Die Reichweite beträgt über 370 km, die Loitering Time in niedriger Flughöhe, also die Zeit, die Red Wolf kreisen kann, bis ein Ziel auftaucht, über 60 Minuten.

Flugzeug OA-1K steht am Rollfeld mit einer Rakete Red Wolf unter dem Flügel

OA-1K mit Red Wolf

Red Wolf ist ausgelegt, um von möglichst vielen Plattformen starten zu können. Dazu gehören Schiffe, Fahrzeuge und langsam fliegende Fluggeräte, wie Hubschrauber, Drohnen und eben die OA-1K. Der Einsatz auf Kampfjets ist bisher noch nicht vorgesehen.

Die Rakete kann gegen Bodenziele und Schiffe eingesetzt werden. Sie kann autonom Ziele identifizieren und angreifen. Per Datenverbindung kann sie Ziele attackieren, die etwa in Echtzeit von einer Drohne aufgeklärt werden, während der Hubschrauber, der sie gestartet hat, in sicherer Entfernung bleiben kann.

Zudem kann Red Wolf im Schwarm eingesetzt werden oder mit anderen Raketen der Wolf-Familie. Dazu gehört Green Wolf, die zur Aufklärung genutzt werden kann oder mit einer anderen Bestückung zum Jammer wird, um das Radar der Luftabwehr zu blockieren.

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Stand-Off-Weapon

Die hohe Reichweite bedeutet, dass die OA-1K eine weitere Rolle zu ihrem Repertoire hinzufügen kann. Bisher sind das laut der Air Force: Bewaffnete Aufklärung, Überwachung, Sammeln von Informationen, Präzisionsschläge, Luftunterstützung im Nahbereich und die Aufstandsbekämpfung (Counter-insurgency).

All das setzt bei der OA-1K voraus, dass Lufthoheit herrscht und die Luftabwehr des Feindes ausgeschaltet wurde. Denn mit einer Reisegeschwindigkeit von 330 km/h ist sie für ein Flugzeug eher gemütlich unterwegs und damit ein leichtes Ziel für FLAK und Luftabwehrraketen.

Red Wolf verleiht ihr jetzt auch die Fähigkeit, aus der Stand-off-Distanz zu agieren, also Waffen abfeuern zu können, ohne in die Reichweite der Luftabwehr zu geraten. Üblicherweise sind solche Stand-off-Weapons mit hoher Reichweite Kampfjets, Schiffen oder Raketenartillerie vorbehalten.

OA-1K wird als günstige Alternative beworben

OA-1K hat in dieser Rolle Vorteile: Günstiger als ein Jet, braucht kein Wasser und schneller am Einsatzort als Raketenartillerie. Außerdem ist der Flieger, im Gegensatz zu modernen Kampfjets, in der Lage, von ungepflasterten Pisten aus zu starten und dort zu landen. Dadurch ist die OA-1K nicht nur gut für abgelegene Gegenden und vorgeschobene Basen geeignet, sondern auch für Länder, deren militärische Infrastruktur nicht so stark ausgebaut ist.

Die OA-1K Skyraider II hebt mit ausgerüsteten Waffen von einer unbefestigten Piste ab, umgeben von Bäumen und unter bewölktem Himmel.

Die OA-1K Skyraider II ist ausgelegt, um auch auf ungepflasterten Pisten starten und landen zu können

Das ist auch der Grund, warum L3Harris bei seiner aktuellen Aussendung zu OA-1K und Red Wolf Begriffe wie „niedrige Kosten“ und „leistbare Masse“ verwendet. Während die USA die OA-1K für Spezialeinsätze im Ausland gekauft haben, zielt L3Harris mit ihr eher auf internationale Kunden ab, denen Kampfjets zu teuer in der Anschaffung und Erhaltung sind.

Und genau die könnten mit Red Wolf einen weiteren Anreiz für die OA-1K bekommen, weil sie damit die potenziell weitreichendste Waffe in ihren Arsenalen bekommen würden, mit einer vergleichsweise günstigen Plattform. Das trifft auch auf einige westliche Länder zu, die nicht als „arm“ gelten. Red Wolf wäre etwa für Österreich ebenso die Waffe mit der bei weitem höchsten Reichweite.

Ein echtes Schnäppchen ist die OA-1K aber nicht. Inklusive Servicevertrag haben die USA 40 Millionen US-Dollar pro Maschine gezahlt, bei 75 bestellten Stück. Für den Stückpreis könnte man auch eine neue JF-17 Thunder (Pakistan/China) kaufen oder gebrauchte russische Kampfjets. Will man Jets aus US-Produktion, muss man aber gut das Doppelte bezahlen.

Bewaffnung

Insgesamt hat die OA-1K 10 Hardpoints: Je 4 Stück unter dem linken und rechten Flügel und 2 in der Mitte unter dem Rumpf. Die unter den Flügeln haben eine Traglast von je bis zu 227 kg, die unter dem Rumpf von 454 kg. L3Harris gibt die gesamte, mögliche Waffenlast mit „über 2.700 kg“ an.

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Da im Foto von L3Harris Red Wolf auf einem Flügel-Hardpoint montiert ist, wird die Rakete unter 227 kg wiegen. Das heißt, die OA-1K könnte locker 8 Stück davon transportieren und damit alleine einen Schwarm starten, aus sicherer Entfernung.

Eine Rakete wird an einem Flugzeug unter dem Flügel angebracht

Red Wolf vor der Montage an einem Hardpoint

Da sie sehr genügsam ist, was den Landeort angeht, könnte sie danach etwa auf einem Feld aufsetzen, wo schon das Personal wartet, um die nächsten 8 Red Wolf anzubringen. So könnte sie in relativ kurzer Zeit immer wieder starten, die Raketen abfeuern und landen und damit als eine Art fliegende Abschussvorrichtung agieren. Macht man das mit 5 OA-1K gleichzeitig, könnten Wellen mit je 40 Raketen auf einmal gestartet werden, um Ziele in über 300 km Entfernung anzugreifen.

In ihren klassischen Rollen nutzt die OA-1K als Bewaffnung Hellfire-Luft-Boden-Raketen, APKWS-II-Raketen und GBU-12-Bomben. Eine Bordkanone gibt es nicht, bei Bedarf können aber Gun Pods montiert werden, etwa im Kaliber .50 BMG. 

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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