Donald Trump sitzt in einem blauen Anzug mit blauer Krawatte an einem Tisch und spricht.

US-Präsident Donald Trump im Oval Office.

© EPA / Aaron Schwartz / POOL
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Digital Life

Trump streicht Sicherheitsvorschriften bei Atomkraftwerken

Small Modular Reactors (SMRs) werden seit einigen Jahren als klimaschonende Option gehandelt, dem wachsenden Energiebedarf auf der Welt zu begegnen. Vor allem im Silicon Valley hat die Technologie viele Fans, verspricht sie doch, den Stromhunger von KI-Rechenzentren zu stillen.

Die internationale Atomenergiebehörde IAEA klassifiziert jene Anlagen als SMRs, die weniger als 300 MW erzeugen – klassische Atomkraftwerke haben üblicherweise Kapazitäten von mehr als 700 MW. Noch sind die meisten dieser Mini-AKWs jedoch nicht über die Konzept- bzw. Bauphase hinaus, nur in China und Russland sind laut IAEA schon Einzelne in Betrieb.

Mehr lesen: Großbritannien baut erstes Mini-Atomkraftwerk

Donald Trump will den Nuklear-Sektor in den USA ankurbeln und hat daher schon im Mai 2025 einige Dekrete dazu unterzeichnet. Insgesamt 11 Anlagen mit neuen, modularen Reaktordesigns sind laut NPR momentan in Planung – in Idaho, Kansas, Tennessee, Texas und Utah. Wie das Rundfunknetzwerk nun herausgefunden hat, hat die US-Regierung eine ganze Reihe an Sicherheitsvorschriften für den Nuklear-Bereich gestrichen.

Dokumente nicht öffentlich

Die regulatorischen Änderungen betreffen das Energieministerium, das bis zum nächsten Nationalfeiertag am 4. Juli mindestens 3 experimentelle kommerzielle Reaktoren ermöglichen soll. NPR hat die entsprechenden Dokumente gesichtet, die demnach zwar mit den betroffenen Nuklear-Unternehmen geteilt wurden, nicht aber mit der Öffentlichkeit.

Laut NPR wurden hunderte Seiten an Sicherheitsvorschriften für Reaktoren ersatzlos gestrichen. Übrig seien nur noch etwa ein Drittel des ursprünglichen Umfangs. Das Energieministerium verteidigt die Änderungen: „Die Reduktion unnötiger Regulierungen wird die Innovation in der Branche erhöhen, ohne die Sicherheit zu gefährden.“ Die neuen Vorschriften sollen im Laufe des Jahres öffentlich gemacht werden.

Mehr lesen: Amazon zeigt erstmals sein Mini-Atomkraftwerk

Grundwasserschutz kein Muss mehr

Grundwasserschutz ist gemäß der neuen Vorschriften kein Muss mehr. Radioaktive Kontamination solle lediglich minimiert oder verhindert werden. Es soll nurmehr „vermieden“ werden, radioaktive Abfälle ins Abwassersystem einzubringen – zuvor war dies verboten.

Der Ausgangszustand der Grundwassermenge und -qualität müsse nicht länger dokumentiert werden. Strategien zur Begrenzung von Strahlenbelastung müssen nicht länger implementiert werden, es reicht, wenn sie „gegebenenfalls entwickelt werden“, ebenso soll eine Überwachung nur „wenn nötig“ durchgeführt werden. Das grundlegende ALARA-Prinzip („as low as reasonably achievable”), das Strahlungsdosen „so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar“ halten sollte, wurde damit nach Jahrzehnten einfach fallen gelassen.

Arbeitssicherheit

Auch im Bereich der Arbeitssicherheit gibt es einschneidende Änderungen. Bisher musste eine offizielle Unfalluntersuchung eingeleitet werden, sobald die Strahlenbelastung für Angestellte den zulässigen Wert um den Faktor 2 überstieg. Nun ist das erst ab dem Faktor 4 nötig.

Zudem sind für Beschäftigte in AKWs nun längere Schichten zulässig. Persönliche Schutzkleidung ist nicht mehr grundsätzlich vorgeschrieben. Das könnte zu höherer Strahlenbelastung führen.

Weniger strenge Bewachung

Vorschriften zur Bewachung von nuklearen Anlagen wurden ebenfalls gestrichen: Schusswaffen-Training, Notfall-Übungen und dergleichen sind jetzt nicht mehr zwingend. Richtlinien für physische Barrieren in und um AKWs wurden drastisch gekürzt.

„Security ist ein Kostenpunkt, über den die Nuklearbranche schon lange jammert“, erklärt Edwin Lyman von der Atomwaffen-kritischen Union of Concerned Scientists gegenüber NPR. Der Physiker und Nuklear-Sicherheitsexperte ist besonders beunruhigt, weil viele neue Reaktor-Entwürfe einen höheren Anteil an angereichertem Uran vorsehen. Das macht sie zu interessanten Zielen für Diebstahl.

Viel Kritik

„Sie richten eine Abrissbirne auf das System nuklearer Sicherheits-Richtlinien, die die USA vor einem weiteren Three-Mile-Island-Unfall bewahrt haben“, erklärt Edwin. Three Mile Island ist ein AKW im Bundesstaat Pennsylvania, bei dem es im Jahr 1979 zu einer gravierenden partiellen Kernschmelze gekommen war.

➤ Mehr lesen: So funktioniert das erste Atomkraftwerk der 4. Generation

Fachleute, mit denen NPR gesprochen hat, bezweifeln außerdem, dass das Streichen der Sicherheitsvorschriften dabei hilft, dass die 3 von Trump unterstützten SMRs tatsächlich bis zum Sommer fertig werden. Außerdem werde das Vertrauen in Nukleartechnologien durch dieses Vorgehen beschädigt.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Kommentare