2 U-Boote sind im Hafen angedockt.

2 Kilo-Klasse U-Boote im Hafen von Kronstadt

© Massimo Frantarelli / Bluesky
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Militärtechnik

Russlands Kilo-Klasse U-Boote haben jetzt Maschinengewehre und Dächer

Was können Drohnen gegen U-Boote ausrichten? Theoretisch nicht viel – solange das U-Boot getaucht ist. Angelegt im Hafen sind sie aber „Sitting Ducks“ und ein lukratives Ziel für Kamikaze-Drohnen und Drohnen-Boote.

Selbst wenn das U-Boot nicht versenkt, sondern nur beschädigt wird, könnte es dadurch für Monate oder gar Jahre ausfallen, weil die Reparatur aufwändig ist. Und ist es ein Totalverlust, geht das ziemlich ins Geld: Sogar nicht-nukleare U-Boote kosten mehrere Hundert Millionen US-Dollar.

Um diese Verluste zu vermeiden, rüstet Russland seine U-Boote nach. Wie diese Maßnahmen aussehen, verrät ein Foto aus dem Marinestützpunkt Kronstadt.

2 U-Boote sind im Hafen angedockt.

2 Kilo-Klasse U-Boote im Hafen von Kronstadt

Maschinengewehr am Heck

Auf dem Foto sind 2 U-Boote zu sehen. Die Dmitrov gehört zur Klasse Projekt 877, die Mozhaisk ist eine Projekt 636.3. Außerhalb Russlands sind sie besser unter dem Nato-Namen Kilo-Klasse bekannt. Projekt 636.3 ist die neueste Variante der U-Boot-Klasse, ihr Nato-Name lautet Improved Kilo II.

Hinter dem Turm wurde ein Maschinengewehr angebracht. Das Foto ist zu niedrig auflösend, um es genau zu bestimmen. Die Form der Mündungsbremse und die Gurtbox an der linken Seite deuten auf ein 6P59 hin. Diese Variante des Maschinengewehrs Kord wird auf Schiffen genutzt und hat den Hülsenauswurf auf der rechten Seite, statt wie beim normalen Kord auf der linken.

Suchscheinwerfer

Wie HI Sutton berichtet, scheint sich am Turm eine Aufhängung für ein weiteres Maschinengewehr zu befinden. Beim U-Boot im Vordergrund dürfte hier noch nichts montiert sein, beim U-Boot im Hintergrund könnte sich dort ein Maschinengewehr befinden.

Beide U-Boote haben am Turm einen weißen Suchscheinwerfer, in der Nähe der vermeintlichen Maschinengewehr-Aufhängung. Dieser soll in der Nacht helfen, angreifende Drohnen aufzuspüren.

Cope Cage

Beim hinteren U-Boot ist ein Dach über der Luke des Turms installiert. Diese Gitterkonstruktionen werden Cope Cage genannt. Seit dem Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine sind diese Käfige vor allem auf Panzern zu sehen. Sie sollen verhindern, dass Drohnen von oben Granaten direkt in die offenen Luken werfen.

Gegen FPV-Drohnen (First Person View) hilft ein Dach ohne Seitenwände wenig. Die ukrainischen Drohnenpiloten haben schon früh im Krieg gelernt, unter diese Dächer zu fliegen, um so in die Luken zu gelangen oder die Panzer an der Oberseite des Turms zu treffen, die üblicherweise eine der Stellen mit der dünnsten Panzerung ist.

Ein Cope Cage wurde schon zuvor bei russischen U-Booten gesichtet. 2024 war ein solcher Käfig auf der Klasse Projekt 667BDRM zu sehen. Das ist ein U-Boot mit Atomantrieb, das mit nuklearen Interkontinentalraketen bewaffnet ist.

➤ Mehr lesen: Russland schützt jetzt sogar Atom-U-Boote mit Käfigen gegen Drohnen

Aufbauten nur fürs Andocken?

Nur das U-Boot im Hintergrund hat einen Cope Cage und möglicherweise ein Maschinengewehr am Turm. Das könnte bedeuten, dass das U-Boot im Vordergrund erst entsprechend umgebaut wird.

Nicht klar ist, ob sich alle Aufbauten von der Besatzung wieder abnehmen lassen, wenn das U-Boot zu einem Einsatz ausläuft. Bei den Maschinengewehren und dem Suchscheinwerfer wird das möglich sein. Diese würden längere Zeit im Salzwasser nicht gut überstehen.

Ob der Cope Cage und die hintere Aufhängung fürs Maschinengewehr abgenommen werden können, ist fraglich. Sollten die U-Boote damit tauchen, besteht jedenfalls die Gefahr, dass sie, abhängig von Tauchtiefe und Geschwindigkeit, verbogen werden, abreißen und/oder die Lautstärke der Tauchfahrt erhöhen, wodurch die U-Boote leichter per Sonar aufzuspüren sind. Es könnte sein, dass die Aufbauten semi-permanent sind, also nur im Hafen mit den richtigen Werkzeugen auf- und abgebaut und dort gelagert werden, während die U-Boote im Einsatz sind.

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8.000 km Seeweg von der Ukraine entfernt

Wie gut diese Schutzmaßnahmen funktionieren, ist fragwürdig. U-Boot-Besatzungen werden üblicherweise nicht dafür ausgebildet, Drohnen mit Maschinengewehren zu bekämpfen. Gegen Kamikaze-Boote, die langsamer fahren und deshalb leichtere Ziele sind, könnten die Maschinengewehre besser eingesetzt werden – wenn die Wachposten die Boote kommen sehen (und sie auch treffen).

Interessant ist, dass diese U-Boote bei Kronstadt den Schutz bekommen. Die Stadt befindet sich auf der Ostseeinsel Kotin, die durch einen Damm mit St. Petersburg verbunden ist. Die direkte Luftlinie von Kiew nach Kronstadt ist gut 1.000 km lang, also viel zu weit für übliche FPV-Drohnen und solche die Granaten abwerfen. Allerdings hat die Ukraine schon mal solche Drohnen aus Lkw heraus gestartet, die im russischen Territorium in der Nähe der Ziele abgestellt wurden.

Auf dem Foto ist links im Hintergrund auch eine schwimmende Barriere zu sehen, mit einem Gitter an der Oberseite. Solche Barrieren nutzt Russland, um zu verhindern, dass Kamikaze-Boote in Häfen fahren. Damit ein Kamikaze-Boot von der Ukraine in die Ostsee kommt, müsste es durch den Bosporus ins Mittelmeer, von dort durch die Straße von Gibraltar, dann den Atlantik hinauf in die Nordsee und dort durch Dänemark zur Ostsee. Das sind gut 8.000 km, was schon sehr viel für die begrenzte Reichweite von Kamikaze-Booten ist. Außerdem besteht die Gefahr, auf dem Weg entdeckt zu werden oder gar mit zivilen Schiffen zu kollidieren.

Die Ukraine verwendet hauptsächlich Drohnen-Boote des Typs Sea Baby. Diese können nicht nur Kamikazeangriffe ausführen, sondern auch mit verschiedenen Waffen ausgestattet werden oder kleinere Drohnen starten, die dann die Ziele angreifen. Allerdings wird die Reichweite von Sea Baby oft nur mit „über 1.000 km“ angegeben.

Das damit 8.000+ km gemeint sind, ist unwahrscheinlich. Theoretisch könnte die Ukraine auf dem Landweg ein Sea Baby zur Ostsee bringen. Um es sich dabei nicht mit freundlich gesinnten Nationen zu verscherzen, müsste der Transport bewilligt sein. Und hier ist die Frage, ob Polen oder die Slowakei, Tschechien und Deutschland wissentlich diesen Transport zulassen und damit den Zorn von Russland auf sich ziehen.

Transfer ins Schwarze Meer?

Eine andere Möglichkeit ist, dass die U-Boote in Kronstadt vorbereitet werden, weil sie ins Schwarze Meer verlegt werden sollen. Im Dezember 2025 wurde dort ein Kilo-Klasse U-Boot im Hafen von Noworossijsk angegriffen, mit einer ukrainischen Unterwasser-Kamikaze-Drohne.

Der britische Geheimdienst geht davon aus, dass das U-Boot schwer beschädigt und ohne Reparaturen nicht mehr einsatzfähig ist. Laut Russland wurde bei dem Angriff kein Schiff beschädigt. Es ist jedenfalls nicht auszuschließen, dass eines oder beide U-Boote das angegriffene U-Boot ablösen sollen.

Kilo-Klasse im Kampf gegen die Ukraine

Die Kilo-Klasse ist ein Jagd-U-Boot, das Anfang der 1980er-Jahre in Dienst gestellt wurde. Es nutzt einen dieselelektrischen Antrieb und war ursprünglich zur Bekämpfung von Schiffen und feindlichen U-Booten in flachen Gewässern gedacht.

Mitte der 1990er-Jahre wurde daraus Projekt 636 (Improved Kilo) und Mitte der 2010er-Jahre 636.3 (Improved Kilo II). Beide können aus ihren Torpedorohren Kalibr-Marschflugkörper starten. Die haben, je nach Version, eine Reichweite bis zu 2.500 km und Gefechtsköpfe mit bis 500 kg. Russland hat damit Ziele in der Ukraine beschossen.

Aktuell werden zumindest 3 Stück 636.3 gebaut, Gerüchten zufolge soll es Pläne für 2 weitere geben. Die genauen Kosten sind nicht bekannt. Anhand des Preises für die 636er, die China gekauft hat, wird der Preis für ein 636.3 auf 300 bis 400 Millionen US-Dollar geschätzt.

Nachfolger mit Startschwierigkeiten

Dass Russland immer noch auf diese U-Boote setzt, deren Design bis in die 1970er-Jahre zurückgeht, liegt an Verzögerungen mit dem Nachfolgemodell: Projekt 677, Lada-Klasse. Der Bau am ersten U-Boot begann 1997. 2010 wurde die St. Petersburg an die russische Marine übergeben.

Ein U-Boot fährt aufgetaucht in einem Fluss vor Häusern

U-Boot St. Petersburg

Im November 2011 urteilte die Marine, dass diese U-Boot-Klasse wegen Mängel so nicht für den Einsatz geeignet sei. Die Bauarbeiten an U-Booten, die bereits begonnen hatten, wurden pausiert und erst nach einer Überarbeitung des Designs wieder aufgenommen.

Im Jänner 2024 wurde die Kronstadt in Dienst gestellt. Die St. Petersburg, die als Prototyp galt und in der Zwischenzeit nur als Testbett gedient hatte, wurde im Februar 2024 außer Dienst gestellt. Neben der Kronstadt gibt es seit Ende 2025 nur ein weiteres, aktives Lada-U-Boot, die Welikije Luki. 2 weitere befinden sich in Bau.

Die Lada ist mit 2.700 Tonnen Verdrängung (getaucht) deutlich kleiner als die 636.3 (3.950 Tonnen). Durch eine schallabsorbierende Schicht und verbesserte, vibrationsarme Lagerung der Maschinen, soll die Lada merkbar leiser sein als die Kilo-Klasse, die bereits als leises U-Boot gilt. Wie Projekt 636 und 636.3, kann die Lada ebenfalls Kalibr-Raketen aus ihren Torpedorohren starten.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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