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Digital Life
09/15/2019

Volocopter flog erstmals in europäischer Stadt

Am Samstag hob ein als Flugtaxi gedachter Ultraleicht-Hubschrauber des deutschen Start-ups Volocopter in Stuttgart ab.

„Natürlich wäre das auch für mich ein optimales Gerät“, sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit Blick auf seinen Termindruck. Der Ultraleicht-Hubschrauber, der mit seinen 18 Rotoren aussieht wie eine Mischung aus Hubschrauber und Drohne, wird mit Strom angetrieben, verursacht also in der Stadt keine Abgase und ist deutlich leiser als normale Helikopter.

Bei dem Test am Samstag drehte das Fluggerät gut vier Minuten lang vor dem Mercedes-Museum seine Runden. Der Volocopter flog dabei ohne Passagiere. Ein Pilot steuerte das Fluggerät vom Boden aus auf gut 30 Meter Höhe und blieb etwa 100 Meter vor den etwa 12.500 Zuschauern in der Luft stehen.

Volocopter in Stuttgart

Deutschlandweit wird an Flugtaxis gearbeitet: So hat das fünfsitzige elektrische Flugtaxi Lilium Jet im Mai in Oberpfaffenhofen seinen Jungfernflug erfolgreich absolviert. Der Flugzeugbauer Airbus hatte kurz davor in Donauwörth seinen viersitzigen elektrischen City-Airbus mit vier Rotoren erstmals in die Luft gebracht. Forscher der RWTH und der Fachhochschule Aachen wollen bis 2024 ihr elektrohybrides Kleinflugzeug Silent Air Taxi in Betrieb nehmen.

Lösung für urbane Verkehrsprobleme

Daimler-Chef Ola Källenius hält fliegende Taxis für eine Lösung der Verkehrsprobleme in den Städten. Er sei überzeugt, dass das Stauproblem auf bestimmten Strecken auf diese Art und Weise gelöst werden könne, sagte er am Samstag. Der Autobauer ist an dem Bruchsaler Start-up beteiligt. Auch Daimlers chinesischer Großaktionär Geely ist jüngst über eine Finanzierungsrunde bei Volocopter eingestiegen. Insgesamt hat das Start-Up bisher 85 Millionen Euro von Investoren eingesammelt.

GERMANY-TRANSPORT-MOBILITY-VOLOCOPTER

Wann allerdings tatsächlich Flugtaxis in Innenstädten unterwegs sein werden, ist noch völlig offen. Der Flughafen Frankfurt prüft gemeinsam mit Volocopter, wie das drohnenähnliche Verkehrsmittel in den Flughafenbetrieb integriert werden kann. Für einen kommerziellen Betrieb mit Passagieren - auch mit Pilot - fehlt Volocopter bisher noch die Genehmigung. Als nächstes sind Testflüge in Singapur geplant. Unter welchen Bedingungen - ob autonom oder mit Pilot - ist noch nicht bekannt.

Forschungsprojekt

Der Flug in Stuttgart war Teil eines Forschungsprojekts der Stuttgarter Hochschule für Technik. Ziel ist es unter anderem herauszufinden, was ein möglicher 15-minütiger Taxiflug von der Innenstadt an den Flughafen Stuttgart einmal kosten darf. Eine vergleichbare - bei freien Straßen etwa halbstündige - Taxifahrt liegt bei rund 35 Euro. Dabei gehen die Forscher auch der Frage nach, wer sich überhaupt einem Taxiflieger ohne Piloten anvertrauen würde. Erste Ergebnisse sollen schon im Oktober veröffentlicht werden.