Digital Life 30.01.2018

"Flugtaxis sind nicht nur für Reiche"

Volocopter © Bild: Volocopter

Die deutsche Firma Volocopter testet in Dubai autonome Flugtaxis. Mitgründer Alexander Zosel über autonome Drohnen und die Zukunft des städtischen Nahverkehrs.

Bis 2030 sollen in Dubai 25 Prozent des öffentlichen Nahverkehrs mit autonomen Fahrzeugen und Fluggeräten abgewickelt werden. Die Behörden setzen dabei auch auf autonom fliegende Drohnen und arbeiten mit der deutschen Firma Volocopter an einem Flugtaxi-System. Die Fluggeräte sollen per App bestellt werden können und Passagiere etwa vom Flughafen in die Innenstadt transportieren. Die futurezone hat Volocopter-Mitgründer Alexander Zosel am Rande der Innovationskonferenz DLD in München zu autonomen Flugtaxis befragt.

futurezone: Sie führen in Dubai Tests mit autonomen Flugtaxis durch. Wie laufen die konkret ab? Alexander Zosel: Wir haben Ende September den ersten vollautonomen Flug in einer Innenstadt gemacht. Das ist der sichtbare Teil unseres Projekts. Wir sind Technologiepartner der Verkehrsbehörde in Dubai und arbeiten an der Schaffung eines vollautonomen Flugtaxisystems mit. Dabei geht es um die Regelbildung ebenso wie um die Infrastruktur und die Verkehrsregelung. Das Fluggerät selbst ist nur ein Teil davon.

Waren bei dem Testflug in der Innenstadt Passagiere an Bord? Nein. Im Moment ist es sehr schwierig überhaupt die Zulassung für autonome Flüge zu bekommen, weil man auch die Versicherungsklasse noch nicht kennt.

Wie weit können Ihre Geräte fliegen? Wir haben bereits eine Reichweite von rund 30 Kilometer, praktisch fliegen wir bis zu 15 Kilometer, dann werden die Batterien gewechselt. Die Batterien werden aber immer besser. Wir sind an anderen Technologien interessiert und wollen auch Brennstoffzellen integrieren.

Wie werden die ersten Anwendungsfälle aussehen? Wir gehen davon aus, dass wir zuerst zwei Stationen haben werden, etwa vom Flughafen in die Innenstadt. Wenn die funktionieren, dann wird sich das Netz schnell ausbreiten.

Volocopter 2X
Volocopter © Bild: Volocopter

Wer wird sich ein Flugtaxi leisten können? Ist das nur ein Service für Reiche?Es wird ein Service sein, der für jeden verfügbar sein soll, nicht nur für Reiche. Wenn wir in eine ordentliche Serienproduktion kommen, können wir das zu einem ähnlichen Preis anbieten wie ein Limousinen-Service. Ich spare aber viel Zeit. Wenn jemand wirklich schnell von A nach B muss, ist es nicht dramatisch, 30 Prozent mehr zu zahlen als für ein Taxi. Unser System hat das Potenzial dazu

Wie gehen Sie mit Sicherheitsbedenken um? Es gibt Piloten, die sagen, sie würden nie in ein autonomes Flugtaxi einsteigen. Weil ein Pilot weiß, welchen Scheiß er schon alles in seinem Leben gemacht hat. Einen Hubschrauber zu fliegen, ist extrem komplex. Man muss ein talentierter Schlagzeuger sein und muss beide Füße und beide Hände in wirklich unterschiedlichen Verhältnissen sensibelst einsetzen können. Die Piloten können sich nicht vorstellen, dass ein System das, was sie jahrelang trainiert haben, besser können soll als sie.

Und kann es das? Unser System erkennt über Sensoren kleinste Veränderungen innerhalb kürzester Zeit und kann in Millisekunden regieren. Im Vergleich dazu beträgt die Reaktionszeit von Menschen, selbst wenn sie Vollprofis sind, eine bis drei Sekunden.

Wie sieht die rechtliche Situation aus? Autonome Fluggeräte im urbanen Bereich brauchen viele Bewilligungen, wenn dann auch noch Personen transportiert werden sollen, wird es heikel. Wir haben seit Jahren Rückendeckung von den Behörden. In Deutschland ist unser Fluggerät bereits als bemannter Multicopter zugelassen. Die Behörden sehen das Sicherheitspotenzial der Technologie und fordern uns auf, schneller zu arbeiten. Natürlich dauert es eine Weile. Aber autonomes und elektrisches Fliegen und Fliegen mit Computersteuerung sind weltweit Themen bei den Behörden.

Volocopter-Mitgründer Alexander Zosel
Alexander Zosel, Volocopter © Bild: Nikolay Kazakov

Wann werden wir in Europa die ersten autonom fliegenden Flugtaxis sehen?Für uns sind sie schon fast Realität. Es geht aber um den ersten kommerziellen Anwendungsfall. Es wird wahrscheinlich dort sein, wo die Verkehrsbelastung am höchsten ist. Es kann aber auch sein, dass wir zuerst nur über den Rhein fliegen, weil da gerade eine Brücke fehlt. Wir versuchen auf der ganzen Welt unsere Claims abzustecken.

Wie wird sich die urbane Mobilität in Zukunft verändern? Sie wird sich komplett verändern. Es wird viele verschiedene Mobilitätssysteme geben, von Flugtaxis über Hochgeschwindigkeitstransportsysteme, wie dem Hyperloop, bis hin zu autonom fahrenden Autos. Wir haben massive Vorteile, weil bei unserem System nur geringe Kosten für die Infrastruktur anfallen.

Wo sehen Sie sich in diesem neuen Verkehrsökosystem? Der Volocopter ist für Kurzstrecken in die Innenstadt konzipiert. Das ist unser Anspruch. Wir müssen sehr leise sein, damit die Akzeptanz da ist. Es muss auch angenehm sein, ihn zu nutzen. Wenn wir keine kulturelle Akzeptanz für diese Systeme haben, wird es nicht funktionieren.

Wie sich der Nahverkehr verändert

„Wir sind mitten in einem Transformationsprozess“, sagte Airbus-Manager Dirk Hoke vergangene Woche bei der Innovationskonferenz DLD in München. 2017 hätten zum ersten Mal mehr Menschen in Städten als am Land gelebt. 2030 sollen es zwei Drittel sein. Hoke rechnet damit, dass der Luftverkehr künftig in der Stadt eine wichtige Rolle spielen wird. Nicht zuletzt weil die Kosten für die Infrastruktur vergleichsweise gering sind. Der europäische Flugzeughersteller bereitet sich bereits auf Veränderungen in der urbanen Mobilität vor und arbeitet ebenso zahlreiche Start-ups und auch der Fahrdienstvermittler Uber an autonom fliegenden Taxis.

Viele Mobilitätssysteme

Künftig werde es viele verschiedene Mobilitätssysteme in der Stadt geben, so Volocopter-Manager Alexander Zosel. Flugtaxis würden ebenso dazu zählen wie autonom fahrende Autos und Hochgeschwindigkeitstransportsysteme, wie der Hyperloop, die urbane Zentren miteinander verbinden. Die große Herausforderung werde sein, wie diese Transportmittel verknüpft werden können, meinte Mariana Avezum von der Technischen Universität München.

Senkrecht startendes Flugtaxi der Münchner Firma Lilium
lilium flugtaxi © Bild: Lilium

Städte werden grüner, prognostizierte Daniel Wiegand, der mit seinem Start-up Liliumein elektrisches Flugtaxi-System entwickelt. Der Wechsel zum Luftverkehr werde auch die Infrastruktur am Boden verändern: „Wir werden 50 Prozent der Straßen nicht mehr brauchen.“ Wiegand rechnet damit, dass in 20 Jahren 30 Prozent aller Wege in der Stadt in der Luft zurückgelegt werden.

"Früher als wir denken"

Und wann werden die ersten Dienste angeboten? „Wo immer wir die Möglichkeit haben, werden wir starten“, sagte Florian Reuter von Volocopter. Städte wie Dubai oder Singapur dürften die Nase vorne haben. „Wenn wir in einer Stadt gezeigt haben, dass es funktioniert, werden auch andere folgen“, sagte Reuter. Optimistisch gab sich auch Uber-Chef Dara Khosrowshahi. Er rechne damit, dass Flugtaxis innerhalb der nächsten zehn Jahre zum Einsatz kommen, sagte er auf der DLD: „Es wird früher passieren als wir denken.“

( futurezone ) Erstellt am 30.01.2018