B2B
22.01.2018

Uber-Chef gelobt Besserung

Der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi will das skandalgeschüttelte US-Start-up von Grund auf verändern, auch wenn es auf die Kosten des Wachstums geht.

In den vergangenen Jahren hatte der US-Fahrdienstvermittler Uber wenig zu lachen. Sexismus-Vorwürfe und ein Rechtsstreit mit der Google-Tochter Waymo wegen Industriespionage setzten dem Start-up zu. Auch Software, die vor Behörden warnt und ein Datenleck sorgten für Negativschlagzeilen. Gründer Travis Kalanick musste auf Druck der Investoren zurücktreten. Ende August folgte ihm der frühere Chef des Online-Reiseunternehmens Expedia, Dara Khosrowshahi, nach. "Ich musste niemanden überzeugen, dass wir uns ändern müssen", sagte der neue Uber-CEO am Montag bei seinem Auftritt bei der Münchner Innovationskonferenz DLD.

In der Start-up-Welt müsse man an Grenzen rütteln, sagte er. Uber habe aber die Grenzen in vielen Fällen überschritten. Man habe sich unangemessen und falsch verhalten. Das soll nun anders werden. Khosrowshahi will die Unternehmenskultur ändern, verantwortungsvoller agieren und enger mit Behörden und Städten zusammenarbeiten. Das werde zwar zu langsameren Wachstum führen, sagte Khosrowshahi: "Aber es ist es wert."

Partnerschaften

In London, das Uber wegen seiner Geschäftspraktiken aus der Stadt verbannen hat, will sich das US-Start-up etwa dazu verpflichten ausschließlich hybride oder elektrische Fahrzeuge einzusetzen. Auch mit Taxi-Unternehmen strebe man Partnerschaften an, sagte der Uber-Chef.

Die Probleme Ubers in Europa dürften für das Start-up aber noch nicht vorbei sein. Das Geschäftsmodell des Start-ups geriet nach einem EuGH-Urteil vom Dezember zunehmend unter Druck. Auch in Österreich drohen weitere rechtliche Auseinandersetzungen. Khosrowshahi spielte die rechtlichen Wickel herunter. Viele Regeln würden in zehn Jahren keinen Sinn mehr machen. Man müsse sich eben gedulden und bescheiden sein.

Fliegende Taxis in zehn Jahren

Das Wachstum des Start-ups sei immer noch außergewöhnlich, meinte Khosrowshahi. Uber Eats verzeichne kräftige Zuwächse und sei wahrscheinlich der mittlerweile größte Essenslieferdienst der Welt. Auch in das Frachtgeschäft und in fliegende Taxis will man weiter investieren. Er rechne damit, dass Flugtaxis innerhalb der nächsten zehn Jahre zum Einsatz kommen werden. "Es wird früher passieren als Sie denken."

Bei selbstfahrenden Fahrzeugen gebe es noch einiges zu tun. Bis Uber-Autos vollständig autonom unterwegs sein würden, werde es noch zehn bis 15 Jahre dauern. Uber müsse von jeder Stadt, in der es operiere, 3D-Karten erstellen, auch die Sensortechnologie sei für einen rentablen Betrieb noch zu teuer, sagte Khosrowshahi. Auch in diesem Bereich setzt Uber auf Partnerschaften, unter anderem mit Daimler, Volvo und Toyota.

Effizienter werden

Uber sei bislang auf schnelles Wachstum ausgelegt gewesen. Darunter habe die Profitabilität gelitten. Nun wolle man effizienter werden, kündigte Khosrowshahi an: "Das können wir schaffen." Dass man als Uber-Fahrer nicht genug verdiene, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, stellte Khosrowshahi in Abrede. Die Nachfrage nach Fahrdiensten steige, wenn die Preise fallen. Das gleiche die Verluste aus, meinte Khosrowshahi. Uber wolle künftig aber mehr Verantwortung gegenüber seinen Fahrern wahrnehmen.