Ilium-Geschäftsführung mit dem Prototyp
Ilium-Geschäftsführung mit dem Prototyp
© Lilium

Investoren

Lilium entwickelt Flugtaxi mit 76 Millionen Euro weiter

Lilium hat im April einen ersten zweisitzigen Prototypen seines eVTOL-Konzepts (Electric Vertical Takeoff and Landing) vorgestellt, das senkrecht startet aber wie ein Flugzeug fliegen soll. Ziel des Unternehmens ist es, ein fünfsitziges Flugtaxi (ein Pilot und vier Passagiere) zu konstruieren, das elektrisch betrieben wird, senkrecht starten und landen kann und eine Reichweite von 300 Kilometern ermöglicht. "Das Fluggerät verursacht weniger Lärm und keine Emissionen. Zudem ist keine teure Infrastruktur für Start und Landung erforderlich, was das System sehr flexibel macht", beschreibt der Lilium-CCO Remo Gerber die Vorteile im Gespräch mit der futurezone. Das weckt bei Investoren Interesse.

Am Dienstagmorgen hat das Unternehmen bekanntgegeben, dass 90 Millionen US-Dollar (rund 76 Millionen Euro) an frischem Kapital eingesammelt werden konnten. Zu den Investoren gehören namhafte Unternehmen wie Tencent aus China, die Liechtensteiner Privatbank LGT, der Venturekapitalfonds von Skype-Gründer Niklas Zennström "Atomico" sowie Obvious Ventures, gegründet unter anderem von Twitters Mitgründer Ev Williams. Insgesamt hat Lilium damit von Investoren bereits 100 Millionen US-Dollar erhalten (rund 84 Millionen Euro). "Damit werden wir das Produkt zur Serienreife bringen und den Zertifizierungsprozess abschließen", sagt Gerber.

300 km/h

Wann das passiert, ist derzeit noch nicht klar. "Es wird ein paar Jahre dauern", sagt Gerber. Mit dem zweisitzigen Prototypen konnte der wichtige Übergang zwischen dem Schwebeflug und der Vorwärtsbewegung bereits demonsitriert werden, bis zu einem fertigen Produkt ist aber noch viel Arbeit zu erledigen. "Wir hoffen, dass die Zertifizierung relativ rasch gehen wird, da es sich nicht um eine fundamental neue Kategorie von Fluggerät handelt. Im Kern ist es eine Mischung aus Flugzeug und Hubschrauber. Durch gutes Design müssen wir zudem weniger Teile zertifizieren lassen, auch weil die ganzen Leitungen und Triebwerksteile wegfallen", sagt Gerber, Das E-Flugtaxi soll durch 36 Elektromotoren angetrieben werden, die es auf 300 Kilometer pro Stunde beschleunigen können.

Der Strom dafür stammt von einem Akku, wie er auch in der Autoindustrie zum Einsatz kommt. "Drohnenähnliche Konzepte haben mit der gleichen Batterie drei- bis fünfmal weniger Reichweite. Unser Vorteil ist, dass wir nach dem Start vom Schwebe- in den Flügelflug übergehen", sagt Gerber. Wo das Flugtaxi als Erstes zum Einsatz kommen könnte, ist heute noch nicht klar. Potenzial sieht Gerber auf der ganzen Welt. "Wir sehen uns als Ergänzung zu bestehende Verkehrssystemen. So könnten etwa kleine und mittlere Städte, die oft keine Anbindung an Autobahnen oder die großen Bahnkorridore haben, profitieren. Aber auch innerstädtisch könnten sich Kunden viel Zeit ersparen. Unsere Start- und Landepods sind nicht teuer und können dezentral über ein Stadtgebiet verteilt werden", sagt Gerber.

Keine Sicherheitsbedenken

Dass bei einem höheren Flugverkehrsaufkommen über dichtbesiedelten urbanen Gebieten Sicherheitsbedenken aufkommen, glaubt der CCO nicht: "Unsere Systeme sind ultraredundant und können auch bei Ausfall mehrerer E-Motoren noch relativ kontrolliert landen. Zudem soll ein Fallschirmsystem eingebaut werden." Ob das den Verantwortlichen genügt, wird sich zeigen. Direkte Gespräche gibt es derzeit noch nicht. "Es wird von den einzelnen Städten abhängen, wie nahe am Zentrum wir fliegen werden. Vielleicht wird es auch Orte gehen, die unserem System skeptisch gegenüberstehen, aber ich denke, der Nutzwert ist so hoch, dass das selten der Fall sein wird", sagt Gerber.

Maßgeblich für den Erfolg wird wohl auch der Preis sein. "Wenn sich vier Passagiere einen Flug teilen, werden die Kosten pro Person vergleichbar mit einer Taxifahrt sein. Die Hauptzielgruppe werden anfangs oft Geschäftsreisende sein, wir glauben aber, dass wir längerfristig in anderen Marktsegmenten mit der Bahn konkurrieren können, das hängt aber vom Land ab und davon, wie stark die Bahn dort subventioniert ist", sagt Gerber. Im Gegensatz zu Zugverbindungen soll vor allem der On-Demand-Charakter und die kostengünstige, praktisch beliebige Destinationsanbindung als Trumpf fungieren. In der unmittelbaren Zukunft will sich Lilium darauf konzentrieren, das bestmögliche Fluggerät so schnell wie möglich zu entwickeln: "Ich halte es hier mit unserem Geschäftsführer. Wir müssen schauen, dass wir weltweit die besten Köpfe anwerben. Dann können wir ein System entwickeln, von dem alle profitieren werden", sagt Gerber.

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Markus Keßler

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