Blick auf eine tropische Bucht mit türkisfarbenem Wasser, einem Sandstrand und mehreren Booten.

Für die Karibikinsel bedeutet die .ai-Domain einen Geldregen

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Netzpolitik

.ai und .tv: Wenn Domains den unverhofften Geldregen bringen

Kürzlich wurde der Rekord für die teuerste jemals verkaufte Webadresse bekannt: Im Vorjahr wurde nämlich die Domain AI.com für 70 Millionen US-Dollar (rund 59 Millionen Euro) verkauft. Es ist aber nicht das erste Mal, dass jemand bereit ist, für ein solches Online-Aushängeschild so viel Geld hinzublättern. Denn wie bei Immobilien, Autos oder Kunstwerken gibt es auch bei Domains Modetrends und Adressen, die besonders begehrlich wirken.

"Eine Domain ist nicht mehr nur eine Adresse, wo man besucht werden kann", erklärt Fabian Ledl vom Hosting-Dienst Domaintechnik der futurezone. "Der größte Erfolg liegt darin, dass man sich wirklich einen guten Namen einfallen lässt und sich den registriert und diesen Namen dann hinausträgt." Es ist der erste Eindruck: nike.com klingt etwa viel überzeugender als jkld18873xxx.tk. In der Liste der teuersten jemals verkauften Webadressen finden sich etwa Chat.com (15,5 Mio. Dollar, 2023), Tesla.com (11 Mio. Dollar, 2014) oder Hotels.com (11 Mio. Dollar, 2001). 

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Nerd sicherte sich seine Initialen "AI"

AI.com wurde nun aber um mehr als doppelt so viel verkauft wie der bisherige Rekordhalter Voice.com (30 Mio. Dollar, 2019), berichtete die Financial Times. Angemeldet wurde sie lange bevor Künstliche Intelligenz, auf Englisch kurz AI (Artificial Intelligence), in aller Munde kam. Der Malaysier Arsyan Ismail hatte sie einst registriert, weil es die Initialen seines Namens waren. Später erkannte der selbsterklärte „Nerd“ Ismail dann, dass in der Tech-Welt etwas Neues im Anmarsch war, das seine Domain wertvoll machen könnte. Und er behielt sie als strategisches Investment

Nicht nur für Arsyan hat sich die simple Buchstabenkombination ausgezahlt. Auch der Karibikstaat Anguilla, den man sonst für weiße Sandstrände und Palmen kennt, macht damit gute Geschäfte. Die Karibik-Insel wurde im 17. Jahrhundert von Großbritannien kolonialisiert. 2016 durften sie beim Brexit nicht mitstimmen. Der EU-Austritt erschwerte für sie schließlich den Handel mit der Nachbarinsel Saint Martin, da diese zu Frankreich und den Niederlanden gehört. 

In den vergangenen Jahren spült nun plötzlich die Landesdomain .ai viel frisches Geld in die Staatskassen. Denn seit bekannte KI-Dienste wie Claude oder Perplexity die Domain nutzen, ist ein Hype um Webseiten entstanden, die auf .ai enden. Anguilla hat sie 1995 zugeteilt bekommen.

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Österreicher wollen Anguilla-Adressen

Der Geldregen ist ungebrochen: Laut dem Kommunikationsminister machte das Einkommen aus den Domain-Verkäufen 2025 rund 47 Prozent der Staatseinnahmen aus. Schätzungen zufolge könnten es 132 Millionen Dollar werden. 

Die .ai-Domain ist nicht nur teurer als andere, sondern auch immer stärker nachgefragt. Auch im deutschsprachigen Raum steige die Nachfrage, meint Daniel Djurdjević, Chef des Webhosting-Dienstleisters Dihost, gegenüber der futurezone. „Während solche Anfragen früher kaum vorhanden waren, konnten wir erste spürbare Aktivitäten Anfang 2023 beobachten. Seitdem steigen die Registrierungsanfragen kontinuierlich.“ Besonders groß sei das Interesse aus Deutschland.

Domains

Domains sind nach einem bestimmten hierarchischen Schema aufgebaut. Am Anfang stand früher oft www (Third-Level-Domain). Dann kommt ein frei wählbarer Name (Second-Level-Domain). Am Ende ist die Top-Level-Domain. Diese kann entweder länderspezifisch (.at) oder organisationsspezifisch sein (etwa .com für „Company“)

Einnahmen

Wer eine Domain startet, muss den Namen registrieren lassen und dafür regelmäßig eine Gebühr bezahlen. Ein Teil dieses Geldes müssen die Provider dann an die Organisation zahlen, die die Domain verwaltet. Bei .com ist das etwa die Firma Verisign. Bei Länder-Domains sind es oft Staaten, die die Lizenzgebühren einnehmen. Teils wird das aber auch an private Unternehmen übertragen.

Die Preise liegen mit 150 bis 200 Dollar für 2 Jahre weit über dem Durchschnitt. Bei der Verwaltung hat sich Anguilla deshalb Hilfe aus dem Ausland geholt: Die Adressen werden seit dem Vorjahr nicht mehr auf Anguilla gehostet, sondern auf einem weltweit verteilten Servernetzwerk von Identity Digital. 

90 Prozent der Einnahmen sollen an Anguilla gehen. "Ich folgte dem Minister bei Instagram, damit ich am Laufenden bleibe. Das aktuellste Thema war, dass die jetzt den ersten Staatsfonds starten und mit internationaler Beratung das Geld ordentlich investieren wollen", sagt Ledl.

Ein Mann läuft am Strand entlang, im Vordergrund ein großer, verwitterter Baumstamm.

Der Inselgruppe Tuvalu gehört die .tv-Länderdomain. 

Ähnliches erlebte der Inselstaat Tuvalu schon vor rund 25 Jahren: Lange bevor Netflix oder Amazon weltweit für die Massen streamten, entstand ein Hype für Seiten, die auf .tv endeten - die Länderdomain von Tuvalu. Die 9.500-Einwohner-Insel schloss damals einen 50-Millionen-Dollar-schweren Verwertungsdeal mit einer Firma namens DotTV ab. Zahlreiche Fernsehsender wollten sich um die Jahrtausendwende so eine Domain sichern.

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Tuvalu: Internet zu schwach für Twitch

Mit dem Geld finanzierte Tuvalu damals unter anderem seine UN-Mitgliedschaft. „Das Abkommen mit DotTV hat unserem Land ein Gefühl wirtschaftlicher Unabhängigkeit gegeben. Unsere Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen signalisiert der Welt, dass Tuvalu sich der internationalen Gemeinschaft angeschlossen hat“, sagte Premierminister Ionatana Ionatana damals. DotTV dürfte ein gutes Geschäft gemacht haben: In den 2010er-Jahren machten Live-Streaming-Plattformen wie Twitch.tv die Domain wieder populär.

Bis heute betragen die Einkünfte mit 60 Mio. Dollar etwa ein Zwölftel des gesamten BIP. Tuvalu wollte die UN-Mitgliedschaft aber auch nutzen, um auf sein drohendes Ende aufmerksam zu machen. Gebracht hat das wenig: 2026 mussten die ersten Klimaflüchtlinge von der Insel nach Australien umsiedeln. 2050 könnte die Hauptinsel teils überflutet sein. Die Einwohner können sich nicht einmal mit Twitch-Streaming von der düsteren Zukunft ablenken: Das Internet ist dort zu schlecht für Live-Streaming.

Eine Frau und zwei Mädchen stehen im überfluteten Garten, umgeben von tropischer Vegetation.

Die Einwohner der Tuvalu-Inseln haben trotz .tv-Domain viele Sorgen. 

Montenegro profitiert von Eitelkeit

In kleinerem Rahmen kamen auch andere Länder bei zweckentfremdeten Länder-Domains zum Zug: "Ein anderer Trend ist die .io-Domain. Das steht für Input Output. Die Domain des Britischen Territoriums im Indischen Ozean war in den letzten 10 Jahren in der Start-up-Szene beliebt", sagt Ledl. Um die Domain gibt es jedoch Streitigkeiten: Eine von dort vertriebene Gruppe fordert von Großbritannien zum einen Geld aus Domain-Verkäufen zurück, andererseits soll das Gebiet an Mauritius gehen, wodurch die Länderdomain verschwinden könnte.  

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Montenegro profitiert mit der Länder-Domain .me wiederum von der Eitelkeit der Menschen: Die Abkürzung wird gerne für persönliche Webseiten genutzt, auf denen sich Menschen selbst darstellen. Das englische Wort "me" bedeutet hier "ich".

Ein Mann mit Gewehr steht vor einem zerstörten, mit Graffiti bedeckten Gebäude, auf dem eine Flagge weht.

Während dem Bürgerkrieg in Libyen drohte die Serverabschaltung. Bit.ly musste auf eine andere Adresse umziehen.

Die Kennzeichnung von Libyen wurde dank ihrer Eignung zum Wortspiel weltweit beliebt und teuer: Sie wurde etwa für bit.ly und für musical.ly verwendet, das später zu TikTok wurde. Ersteres musste während des Bürgerkriegs in Libyen wegen drohender Beschlagnahmung westlicher Domains kurzfristig auf eine andere Adresse ausweichen. 

Besonders häufig von Betrügern für Phishing-Attacken und ähnliches genutzt wird die Domain .tk, die der Inselgruppe Tokelau gehört. "Das war zum Beispiel eine Domain, die man kostenlos registrieren konnte. Dementsprechend gab es sehr hohe Registrierungszahlen", erklärt Ledl. Fast alle Tokelau-Adressen wurden mittlerweile wieder gelöscht.

KI.at: Domain-Glücksritter auch in Österreich

Es gibt übrigens auch die Endung -.ki. Sie gehört der Inselgruppe Kiribati, die nordöstlich von Australien liegt. "Die hat aber bis jetzt nur 1.000 Registrierungen und kostet auch 1.000 Euro", sagt Ledl. 

Ki.at steht derzeit übrigens für 56.000 Euro zum Verkauf - im Vergleich zu ai.com also ein echtes Schnäppchen. Auch hierzulande gibt es Glücksritter, die manchmal Tausende Webadressen registrieren lassen. "Domainers nennt man die, die sich neue Domains registrieren oder bereits registrierte kaufen, ein paar Jahre halten und dann weiterverkaufen, wie im Fall von AI.com. Der hat wirklich den Jackpot gelandet", meint Ledl.

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Jana Unterrainer

Interessiert sich nicht nur dafür, was Technologie kann, sondern auch was sie mit uns macht. Sie schreibt am liebsten über KI, Digitale Trends und Wissenschaft.

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