Netzpolitik
30.05.2014

Iran betrieb Cyperspionage mit falscher Nachrichtenseite

Iranische Spione gaben sich auf einer eigenen Nachrichten-Website als seriöse Journalisten aus. Die Webseite wurde mit echten Nachrichten von BBC und Agenturen gefüttert.

Iranische Spione haben offenbar seit drei Jahren mit einer gefälschten Nachrichten-Website Militärexperten in Israel und den USA ausgeforscht. Nach einem Bericht des auf Internetsicherheit spezialisierten Unternehmens iSight Partners wurden rund 2000 Militärvertreter, Abgeordnete und deren Mitarbeiter, Journalisten, Diplomaten sowie Dienstleister der US-Streitkräfte Opfer der Spionage.

Von BBC, Reuters und Fox News geklaut

Demnach gab die Website NewsOnAir.org vor, mit Hilfe von Dutzenden angeblichen Journalisten seriöse Nachrichten zu verbreiten. Diese traten im Rahmen ihrer "Recherchen" über Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke in Kontakt mit ihren Opfern, um - auch mit Hilfe gestohlener Passwörter - an sensible Informationen zu kommen.

Ihre Website fütterten sie laut dem iSight-Bericht mit echten Nachrichten unter anderem von BBC, Reuters und AP, in einigen Fällen übernahmen sie sogar die Namen von Nachrichtenjournalisten, die etwa für den Fernsehkanal Fox News arbeiten.

Erfolgreich

Dem Bericht zufolge führen alle Spuren in den Iran. Unklar sei allerdings noch, wer genau dahinter stehe. Die Spionagemethode ist nach Einschätzung von iSight technisch nicht besonders hochentwickelt. Dieser Mangel werde jedoch durch "Dreistigkeit, Kreativität und Geduld" wettgemacht. Für die Cyberspione von Interesse waren demnach vor allem Experten, die mit der Nichtverbreitung von Atomwaffen und möglichen Sanktionen gegen den Iran befasst waren. Dass die Drahtzieher das komplexe Netzwerk so lange nutzten, spräche zumindest dafür, dass es einigen Erfolg gehabt habe.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, sagte dazu, die Methode, mit Hilfe falscher Identitäten Informationen zu erschleichen, sei altbekannt. "Wir wissen, dass Cyperpiraten im Iran und anderswo oftmals die sozialen Netzwerke nutzen, um an sensible Informationen heranzukommen oder in Kontakt mit für sie wichtige Vertreter aus Regierung und Unternehmen zu treten", sagte Psaki der AFP.