Ein vernetzter Edelstahltopf mit Elektronikbox steht auf einer Küchenarbeitsplatte.

Der Wired Cooker kostet stolze 590 Euro ohne Zubehör.

© Wired Cooking
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Wie mich ein smarter 590-Euro-Kochtopf zur Verzweiflung brachte

12 Küchengeräte soll der „Wired Cooker“ ersetzen. Das klappt eher schlecht als recht.

„Ein Kochtopf aus der Zukunft“ – so wird der „Wired Cooker“ beworben. Das Gerät wurde von einem Schweizer Startup für „ambitionierte Köchinnen und Köche“ entwickelt, denn man kann damit grad- und sekundengenau einstellen, wie das Gargut erhitzt werden soll.

So fungiert es unter anderem als Reiskocher, Sous-vide-Bad, Fritteuse und Fondue-Topf. Für den Betrieb ist lediglich eine gewöhnliche Steckdose nötig – und ein Smartphone, denn ohne App geht gar nichts. Mit 590 Euro exklusive Zubehör ist der Kochtopf jedoch alles andere als günstig. Da stellt sich schon die Frage: Lohnt sich das? Ich habe den Wired Cooker getestet, den die futurezone zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt bekommen hat.

Unboxing

Das unspektakuläre Aussehen des Wired Cookers auf Fotos und Renderings überzeugte mich zunächst nicht recht, es schien, als würde es dem Preis nicht gerecht. Als ich den Topf schließlich aus dem Karton nahm, wirkte er glücklicherweise viel wertiger, wenn auch fast comichaft in seiner Geradlinigkeit

Der Topf selbst ist aus Edelstahl, der Deckel aus Glas, die Griffe aus schwarzem Kunststoff. Silikonfüßchen sorgen für Rutschfestigkeit. Er fasst maximal 2,5 Liter und enthält im Boden sowie in der Innenwand Temperatursensoren. Praktisch: Topf und Deckel sind spülmaschinengeeignet.

eine Hand hebt den Deckel des Wired Cookers an

Der Wired Cooker fasst 2,5 Liter.

Inbetriebnahme

Um ihn in Betrieb zu nehmen, muss man zunächst die Elektronikbox, das Kabel und den Topf zusammenstecken. Bei Ersterem hatte ich leichte Schwierigkeiten, der Stecker ging nämlich sehr streng. Ist das geschafft, leuchtet die Elektronikbox auf.

Zeitgleich installierte ich mir die „Wired Cooking App“ (kostenlos für Android und iOS), wo ich als allererstes die Meereshöhe eingeben musste (das exakt herauszufinden war gar nicht so einfach). Im Menüpunkt „Tutorials“ könnte man sich anschließend Videos zur Funktionsweise anschauen. Darin ist allerdings eine robotisch klingende Stimme zu hören, die abermals die High-End-Aura des Geräts ins Wackeln bringt.

drei Screenshots: Meereshöhe, Tutorial, Verbindungsverlust

Screenshots aus der Wired Cooking App.

Erster Test: Karotten dämpfen

Über den Button „Cooker suchen“ verbinde ich die App mit dem Topf, also eher mit der Elektronikbox. Um mal ein Gefühl für das Gerät zu bekommen, starte ich mit einem Gericht, für das der Wired Cooker eher „over-engineered“ ist: Gedämpfte Karotten.

Dafür werfe ich gewürfelte Karottenstückchen in den Topf, wähle aus dem Menü die Option „Steamer“ und ergänze wie aufgefordert 100 Milliliter Wasser. Mit einem Tippen starte ich das vorgegebene Programm: 20 Minuten lang 94 Grad Celsius Solltemperatur des Dampfes, anschließend abkühlen. Deckel drauf und los geht’s.

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In der Zwischenzeit mache ich einem Paketboten die Türe auf und prompt reißt die Bluetooth-Verbindung zum Wired Cooker ab (die Musik auf meiner Bluetooth-Box läuft währenddessen unbeirrt weiter). Sie lässt sich erst wieder herstellen, als ich mein Smartphone direkt auf die Elektronikbox lege. Das sollte im Laufe meines Tests noch unzählige Male passieren und ist wirklich nervig.

Wired Cooker, daneben ein Smartphone mit der Wired Cooking App, in der 12 Geräte zur Auswahl stehen

Mindestens 12 Geräte will der Wired Cooker ersetzen, darunter Sous-Vide-Bad, Fritteuse, Eierkocher und Joghurt-Bereiter.

Germknödel mit Vanillesauce

Weiter mit einem Gericht, für das ich den Wired Cooker gleich doppelt gebrauchen kann: Germknödel mit Vanillesauce. Letztere ist auf dem Herd ein kleines bisschen heikel, weil man darauf achten muss, dass sie nicht durch zu viel Hitze stockt. Doch welche Temperatur braucht es tatsächlich? 

Gradgenaue Einstellmöglichkeiten nützen überhaupt nichts, wenn man diese Frage nicht beantworten kann. Rezepte, die grad- und sekundengenaue Werte mitliefern, sind rar. Mit „SIFT“ von Nicola Lamb und „The Food Lab“ von J. Kenji López-Alt habe ich immerhin 2 Bücher im Regal, die diesbezüglich zumindest Orientierung geben können – Milch und Eigelb dicken demnach bei etwa 72 Grad Celsius ein, Obers und Eigelb erst bei etwa 82 Grad Celsius. Und trotzdem muss ich mühsam am Einstellrad der App herumdrehen, bis die Temperatur tatsächlich passt, und meine Vanillesauce wie gewünscht eindickt.

links: Germknödel im Wired Cooker; mitte: Vanillesauce im Wired Cooker; rechts: fertiger Germknödel mit Vanillesauce, Mohn und Staubzucker

Schnappschüsse aus dem Germknödel-Test.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man, wenn man die genauen Werte einmal kennt, im Vergleich zur Zubereitung am Herd etwas Mühe sparen und wohl auch etwas exakter arbeiten kann. Aber bis dahin ist es ein langwieriger Prozess, der mir persönlich überhaupt keine Freude bereitet, weil er durch die App-Steuerung so losgelöst vom Handwerk wirkt.

Meine Germknödel dämpfe ich üblicherweise in großen Kochtöpfen mit McGyver-mäßigen Einsätzen, d.h. Nudelsieben oder Gitter-Spritzschutz. Beim Wired Cooker nehme ich dafür den Frittierkorb (30 Euro im offiziellen Shop) und wieder die Dämpffunktion. Doch mit dem Korb darin schließt der Deckel nicht ab, und weil das Gerät am Boden immer stark nachheizt, verdampfen mir schließlich die 100 Milliliter Wasser, die ich eingefüllt hatte. Glücklicherweise bemerke ich es gerade rechtzeitig, und lasse den Wired Cooker dadurch nicht leer laufen – das hätte mir am Ende noch den Topf ruiniert. Die Germknödel sind nach 15 Minuten im Dampf tadellos, jedoch passen auch bloß 2 kleine Exemplare in den Topf mit seinen 19 Zentimetern Innendurchmesser.

Erster Fail: Risotto

Der Wired Cooker hat auch ein Community-Feature, wo Profi-Köche und Hobby-Nutzerinnen und -Nutzer ihre Rezepte teilen können. Diese sind häufig gleich mit einem Programmablauf verknüpft, sodass man das Gerät theoretisch mit einem Knopfdruck starten kann.

Ich versuche mich an einem Risotto. Dabei orientiere ich mich an diesem Wired-Cooker-Rezept mit Spinat, allerdings in einer Version mit allem, was ich zuhause habe – Zwiebel, Karotte, Brokkoli, frische Champignons und getrocknete Pilze. Ich nehme an, dass es ja die gleichen Schritte sein sollten, nämlich Zwiebeln und Knoblauch dünsten und Reis anbraten, dann mit immer mehr Brühe und dem übrigen Gemüse köcheln lassen und zum Schluss mit Butter, Käse und Gewürzen fertigstellen. 

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Der Programmablauf sieht zunächst 10 Minuten mit 105 Grad Bodentemperatur, dann 15 Minuten mit 120 Grad und dann 5 Minuten mit 97 Grad vor. Ersteres stellte sich als zu kalt heraus, ich erhöhte also die Temperatur in der App, um meine Zwiebeln zu dünsten und den Reis anzurösten. Beim Umschalten zur nächsten Einstellung gieße ich mein Risotto mit Brühe auf. Doch nach kurzer Zeit beginnt alles, extrem zu blubbern. 

eine Hand hält ein Smartphone mit der Wired Cooker App neben den Topf

Der Wired Cooker kann allein über die App gesteuert werden.

Stünde ich am Herd, würde ich in so einer Situation den Topf rasch von der Hitze ziehen und den Regler herunterdrehen. Mit dem Wired Cooker muss ich umständlich in der App herumtippen, doch hier scheint sie einfach nicht zu reagieren. Als nach mehreren Minuten die Ist-Temperatur immer noch nicht unter 115 Grad gefallen ist und mir alles anzubrennen droht, ziehe ich den Stecker. Bis ich die App wieder mit der Steuereinheit verbunden und die Kontrolle über den Kochtopf zurückgewonnen hatte, vergeht eine gefühlte Ewigkeit – jedenfalls zu viel, um ein „perfektes“ Risotto hinzubekommen. 

Dass das so schief ging, liegt wohl vorrangig am offenbar nicht ganz ausgeklügelten Rezept-Ablauf, den ich mir aus der Wired-Cooking-Datenbank heruntergeladen hatte. Dennoch fühlt sich der komplette Kontrollverlust über den Kochtopf alles andere als „Premium“ an.

Ein perfektes Ei?

Ich probiere ein weiteres Rezept aus, nämlich für das „perfekte Ei“. Hier gibt es nur 2 pure Komponenten und keine weiteren Zutaten, weshalb exakte Gartemperaturen bekannt sind. Details dazu verrät Wired Cooking gestützt auf eine wissenschaftliche Studie in seinem Magazin.

Im Programm sind 45 Minuten bei 64 Grad vorgesehen, sodass das Eigelb wachsweich wird. 30 Sekunden bei 85 Grad sollen anschließend für festes Eiweiß sorgen. Direkt danach muss das Ei abgeschreckt und geschält werden.

Ich fülle zunächst, wie aufgefordert, einen Liter Wasser in den Topf, lege 4 zimmerwarme Eier (Größe M) hinein und starte das Programm. Bei jedem Programmschritt piepst der Wired Cooker zwar, aber so leise, dass es beim Rauschen meiner nebenher laufenden Dunstabzugshaube kaum auszumachen ist. 

Vier Eier im Kochtopf und ein halb geöffnetes, weich gekochtes Ei in der Hand.

Schnappschüsse aus dem Test fürs "Perfekte Ei".

Ich hätte mir daher auch eine Notification in der App bzw. einen Vibrationsalarm am Smartphone dazu gewünscht. Denn wenn ein Rezept vermeintlich so heikel ist, dass man nach einer halben Minute dringend sofort handeln muss, ist ein einmaliges leises Piepen vielleicht nicht die richtige Art der Benachrichtigung bei einem Gerät, das unbeaufsichtigt und automatisch gesteuert arbeitet.

Glücklicherweise habe ich das Durchlaufen des Programms dennoch gleich gemerkt, ein Ei herausgefischt, abgeschreckt und geschält. Dabei lief mir allerdings ein beträchtlicher Teil nicht gestockten Eiweiß entgegen. Bei einem „perfekten“ Ei, erwarte ich mir Besseres, dabei war von Anfang an klar, dass so ein Rezept nicht für alle Situationen passen kann. Immerhin sind Eier unterschiedlich groß und vielleicht spielt auch ihre Anzahl im Topf eine Rolle.

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Als Fritteuse untauglich

Bei meinen Pommes musste ich mich dann so richtig ärgern. Eigentlich frittiere ich nicht so gerne, denn einerseits ist es auf dem Herd schwierig, die Öltemperatur stabil zu halten. Andererseits riecht die ganze Wohnung anschließend nach Fritteuse. Das sind 2 Probleme, die sich mit dem Wired Cooker super lösen lassen sollten: Er reguliert die Temperatur von selbst, und ich stelle ihn dabei einfach in den Hinterhof, sodass der Geruch erst gar nicht ins Haus kommt.

Smartphone das Hinweise zur Frittierfunktion anzeigt, neben dem Wired Cooker mit Korb-Einsatz

Die Frittierfunktion wollte ich draußen im Hof testen.

Für meine Pommes-Aktion schneide ich zunächst einige Kartoffeln in Stifte, wässere sie kurz und trockne sie ab. Anschließend fülle ich einen Liter Öl in den Wired Cooker und starte das Frittier-Programm, das mich sogleich darauf hinweist, dass ich „einige Minuten“ warten müsse, bis das Fett heiß sei. Tatsächlich erreicht die Temperatur des Bads – d. h. des Öls – nach 18 Minuten erst knappe 160 Grad

Und es dauert mindestens halb so lang, bis ich verstehe, dass weder das Piepsen der Elektronikbox noch die App mich auf Frittierbereitschaft hinweisen würde. Das Piepsen hatte ich nämlich zum Anlass genommen, meine Kartoffeln samt Korb in den Wired Cooker zu hängen – wie sich herausstellt, hatte das Öl da erst knappe 80 Grad Celsius.

ein Korb mit Kartoffelstiften über dem Wired Cooker

Pommes zu frittieren hat im futurezone-Test sehr schlecht funktioniert.

In der 2. Frittierrunde warte ich also nochmal fast 20 Minuten, bis das Öl auf Temperatur ist, und werfe wieder 2 Handvoll Kartoffeln hinein. Die Temperatur fällt sofort um mehr als 20 Grad und erholt sich auch nicht so schnell wieder. Das Ergebnis: labbrige, mit Fett vollgesogene Pommes. Ich probiere es noch 2 weitere Male, aber das Fett bleibt einfach nicht heiß genug – ich will mir gar nicht vorstellen, wie es mit TK-Ware aussehen würde.

eine Schüssel mit Pommes

Die Pommes wurden nie knusprig, das Öl war einfach nicht heiß genug.

Fazit

Alles in allem kann mich der Wired Cooker nicht überzeugen. Die Idee, Gargut grad- und sekundengenau kontrollieren zu können ist zwar gut. In der Praxis hapert es jedoch an allen Ecken und Enden: Die Steuerung ist behäbig und durch die wackelige Bluetooth-Verbindung fehleranfällig. Hohe Temperaturen erreicht der Topf nur sehr langsam, was vor allem beim Frittieren fatal ist. Das Rundherum, z. B. Rezeptdatenbank und Tutorials, wirken etwas vernachlässigt und teilweise lieblos. Das ist besonders bitter, wenn man dies den vollmundigen Werbeslogans („Weil wir mehr von unserer Kulinarik erwarten“) gegenüberstellt.

Es gibt selbst in der nerdigsten Fachliteratur kaum Rezepte, die grad- und sekundengenaue Angaben mitliefern, die Rezepte der Wired-Cooking-Community sind eher spärlich. Das bedeutet, dass man zum Kochen mit dem Wired Cooker sehr viel ausprobieren muss. Mit der App-Steuerung fand ich das allerdings alles andere als intuitiv, noch dazu, weil mir die automatische Bildschirmsperre oft in die Quere kam.

Screenshot

Links: Voreinstellungen für den Steamer. Rechts: Voreinstellungen für die Fritteuse.

Ohne dem Hersteller etwas unterstellen zu wollen, gilt es auch zu bedenken, dass man sich bei App-basierten Produkten nie sicher sein kann, dass es nicht irgendwann eine Bezahlschranke gibt oder bestimmte Funktionen nur mehr im Abo nutzbar sind. 

Es gibt durchaus ein paar Situationen, wo mir der Wired Cooker hilfreich erscheint: Als Fondue-Topf oder Hotpot könnte man ihn gut in die Mitte des Esstisches stellen. Auch für Sous-Vide-Zubereitungen oder um heikle Saucen – z. B. die Hollandaise für die kommende Spargelsaison –auf Temperatur zu halten, könnte er nützlich sein. Mit dem Temperieren von Schokolade kenne ich mich persönlich zu wenig aus, um zu beurteilen, wie praktisch der Topf für diesen Anwendungsfall ist – exakt 27 Grad zu erreichen, schaffen allerdings nur wenige Geräte. In diesem Niedrigtemperaturbereich spielen sich auch viele Fermentationsprozesse ab – hier könnte aber das begrenzte Fassungsvermögen des Wired Cookers zum Problem werden. 

Ausprobiert habe ich das alles allerdings nicht mehr. Die „Revolution in der Küche“, die Wired Cooking so selbstbewusst verkündet, habe ich trotz viel guten Willens im mehrwöchigen Test nicht erlebt. Statt 590 Euro für einen All-in-One-Topf auszugeben, der manche Aufgaben nur mittelmäßig schafft, scheint es mir sinnvoller, je nach Bedarf spezifische Geräte anzuschaffen.

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Jana Wiese

interessiert sich besonders für die gesellschaftlichen Auswirkungen von Technologie und Wissenschaft. Mag das offene Web, Podcasts und Kuchen, (food-)bloggt seit 2009.

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Jana Wiese

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