Fünf Personen diskutieren auf einer Bühne vor einer großen Leinwand mit der Frage „Können wir uns das Wetter nicht einfach schön machen?“.
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Science

Geoengineering: Können wir uns das Wetter einfach schön machen?

Der Klimawandel bringt immense Herausforderungen mit sich. Daher gibt es seit Jahren rege Diskussionen über technische Möglichkeiten, in das Klima und lokales Wetter einzugreifen. Beim KURIER SPEAKOUT Festival im Wiener MuseumsQuartier diskutierten am Dienstag die Wolkenforscherin Andrea Stöllner vom Institute of Science and Technology Austria (ISTA), der wissenschaftliche Generaldirektor der Geosphere Austria, Andreas Schaffhauser, der Physiker und Wissenschaftspublizist Florian Aigner sowie der Sozialwissenschaftler Florian Winkler vom Institut für Höhere Studien (IHS) über die Frage, ob wir uns das Wetter einfach schön machen können.

Wo beginnt das Klima?

„Als Allererstes muss man zwischen Wetter und Klima unterscheiden. Der Sturm, der gerade passiert, ist Wetter. Morgen ist es wieder ganz anders“, meint Stöllner. Bereits seit Jahrzehnten versuche man, Eingriffe vorzunehmen. Etwa mit sogenannten Hagelfliegern, die Hagelwolken zum Abregnen bringen sollen, bevor zu großer Schaden entsteht. Geoengineering betreffe hingegen das Klima. „Das ist etwas, das auf einer viel größeren und längerfristigeren Skala passiert und auch viel größere Risiken hat,“ so Stöllner.

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Die Wolkenforscherin Andrea Stöllner vom ISTA.

Die Wolkenforscherin Andrea Stöllner vom ISTA. 

Aber selbst Wettermanipulation sei trotz jahrzehntelanger Forschung nur sehr eingeschränkt möglich: „Wenn wir Wetter verändern könnten, dann wäre jetzt kein Weg mehr nass geworden,“ meint Schaffhauser. Sogar bei den Hagelfliegern sei die tatsächliche Wirksamkeit bis heute strittig: „Das ist auch ein bisschen eine Glaubensfrage, weil es keinen Nachweis dafür gibt.“

„Es ist einfach schön, als Mensch das Gefühl zu haben: Ja, das mit dem Wetter kriegen wir in den Griff“, meint Aigner. Die Vorstellung, Menschen könnten das Wetter kontrollieren, sei zwar verlockend, aber unrealistisch. Regen auf Knopfdruck werde es auch künftig nicht in Regionen geben, in denen Wasser wegen des Klimawandels knapp wird.

Solares Geoengineering mit Risiken

Außerdem wäre Geoengineering politisch heikel. Winkler beschäftigte sich etwa mit solarem Geoengineering – der Beeinflussung der Sonneneinstrahlung durch technische Maßnahmen. Ein Staat könne etwa ein solches Projekt starten, meint er – letztlich müssten aber alle Staaten die Konsequenzen tragen. 

Florian Winkler vom Institut für Höhere Studien.

Florian Winkler vom Institut für Höhere Studien.

Sonnenstrahlen zurück ins All schicken?

Solche Eingriffe in die Natur bergen außerdem das Risiko, dass man sie nicht mehr stoppen kann für Stöllner eines der Hauptrisiken: „Es gibt zum Beispiel die Idee, die Sonneneinstrahlung zu reduzieren, indem man Aerosole in die Stratosphäre einbringt“, sagt sie. Ähnliches passiere bei einem Vulkanausbruch, der für eine gewisse Zeit die Temperaturen senken könne. „Aber natürlich: Wenn wir das großflächig machen würden, kann man nicht genau sagen, was davon beeinflusst würde.“

Aigner sieht eine weitere Gefahr darin, dass technische Eingriffe in Wetter und Klima nur einen Teil der Probleme des Klimawandels lösen würden. „Wenn wir einen Teil der Sonneneinstrahlung in den Weltraum reflektieren, dann wird die Welt kühler – dann sinkt die Energiemenge, die von der Sonne auf die Erde gelangt“, sagt Aigner. 

„Aber das hat überhaupt keinen Einfluss auf die Übersäuerung der Meere. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre wird dadurch nicht geringer.“ Die Folgen seien Korallensterben und ähnliche Entwicklungen. Eine technische Symptombekämpfung löse das Problem nicht und dürfe kein Grund sein, auf die Bekämpfung der Ursachen zu verzichten.

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Diskussion vernachlässigt Treibhauseffekt

Ein wichtiges Thema werde in der Diskussion über das Absenken der Erdtemperaturen außerdem außer Acht gelassen: der Treibhauseffekt. „Wir machen seit 1850 ein Riesenexperiment, das dürft ihr nicht ganz vergessen. Wir haben alle gemeinsam den CO2-Gehalt in der Atmosphäre um ein Drittel erhöht“, erinnert Schaffhauser.

Andreas Schaffhauser, Wissenschaftlicher Direktor der Geosphere Austria.

Andreas Schaffhauser, Wissenschaftlicher Direktor der Geosphere Austria.

Geoengineering und Wetterbeeinflussung seien aber auch abseits politischer Debatten ein interessantes Thema, denn sie befeuerten oft Verschwörungserzählungen: „Wenn es zum Beispiel heißt, die chinesische Regierung hätte bei den Olympischen Spielen in Peking damals mit technischen Mitteln für schönes Wetter gesorgt, dann ist das wissenschaftlich einfach nicht haltbar“, mahnt Aigner. 

Solche Diskussionen würden auch im Zusammenhang mit anderen Extremwetterereignissen wie Überschwemmungen immer wieder hochkochen. „Diese Behauptung, da gebe es Leute, mächtige Kreise und Eliten, die unser Wetter kontrollieren – wenn man das liest, dann kann man es getrost weglegen. Das sind Verschwörungstheorien“, sagt Aigner.

Macht wie Mr. Burns

Mächtige Einzelpersonen könnten solche Projekte ebenfalls nicht einfach durchziehen. „Natürlich sind Akteure wie Elon Musk supermächtig, aber eine solche solargeotechnische Infrastruktur aufzubauen, bedeutet nicht, dass man einfach ein paar Partikel versprüht“, sagt Winkler. „Da braucht es eine riesige Infrastruktur, die aufgebaut werden muss. Ich glaube, so schnell wird das nicht aus dem Boden gestampft.“ 

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Stöllner widerspricht jedoch und meint, dass Aerosole, die Sonnenlicht reflektieren, vergleichsweise günstig in die Atmosphäre eingebracht werden könnten. Aigner hofft, dass es in diesem Fall Widerstand aus der Bevölkerung geben würde. „Es ist eine skurrile Vorstellung, dass es Einzelpersonen geben könnte, deren finanzielle Macht tatsächlich ausreichen würde, um die Sonne zu blockieren.“ Ihn erinnere das an Mr. Burns aus den Simpsons.

Florian Aigner ist Quantenphysiker und Wissenschaftsautor.

Florian Aigner ist Quantenphysiker und Wissenschaftsautor.

CCS als vielversprechender Ansatz

Eine Lösung, die wir laut Aigner tatsächlich brauchen, sei Carbon Capture and Storage (CCS). Sie sei in den Berechnungen des IPCC zur Klimazukunft bereits berücksichtigt. Dabei wird mit technischen Verfahren CO2 aus der Atmosphäre entfernt und etwa in unterirdischen Lagerstätten oder in Gestein gespeichert. 

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Das sei allerdings teuer, sagt Aigner. „Es führt tatsächlich kein Weg daran vorbei, die CO2-Emissionen auf null zu reduzieren.“ Schaffhauser bestätigt das und meint, man könne CO2 direkt bei Industrieanlagen abscheiden – trotzdem dürfe dies keine Ausrede sein.

Mehr Demut

Am Ende stellt sich jedoch die Frage: Sollten wir insgesamt demütiger sein? „Demut hätten wir schon vor 2 oder 3 Jahren gebraucht. Es ist ein großes System, und wir wissen nicht genau, was wir machen können“, sagt Stöllner. Schaffhauser erinnert sich noch an die verschneiten Winter seiner Kindheit. „Alle, die in den 1990er- und 2000er-Jahren aufgewachsen sind, kennen nur das jetzige Klima. Wir haben fast eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Hitzetage“, sagt er. Demut sei sinnvoll, und er plädiert für mehr Langsamkeit bei bestimmten Themen. 

Aigner meint jedoch: „Wir Menschen haben bereits eingegriffen.“ Daher könnten wir uns nicht zurücklehnen und nichts mehr tun. Ihm gehe es um unsere Verantwortung: „Wir haben die Welt und all ihre Spezies mit in diesen Mist hineingeritten, und wir haben die moralische Verantwortung, den Planeten da wieder herauszuholen.“ 

Für Winkler sollten wir beim Geoengineering dennoch demütig sein. „Wir wissen nicht, was genau passieren würde. Es gibt ein großes Risiko. Aber wir wissen, was funktioniert – und das ist die Reduktion von Treibhausgasen“, so Winkler.

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Jana Unterrainer

Interessiert sich nicht nur dafür, was Technologie kann, sondern auch was sie mit uns macht. Sie schreibt am liebsten über KI, Digitale Trends und Wissenschaft.

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