NFC-Tags beschreiben ist gar nicht schwer.
7 praktische Ideen, wie euch NFC-Tags den Alltag erleichtern
Mittlerweile nutzen wohl die meisten Menschen NFC täglich – aber vermutlich unbewusst: Zum Beispiel bei der Zahlung mit Karte oder Smartphone oder beim Öffnen der Bürotür mit der Schlüsselkarte. Die Technologie ist allerdings nicht nur in solchen proprietären Systemen praktisch, sondern eignet sich auch bestens für selbstgemachte Alltagshelfer.
Nachdem ich mit 2 NFC-Tags kürzlich schon einen „Brick“ nachgebaut habe, der alle Social-Media-Apps auf meinem Handy sperrt und mich so ablenkungsfrei arbeiten lässt, bin ich gleich ein paar weitere Bastelprojekte angegangen. Es braucht dafür nicht viel – eine Packung NFC-Tags (z.B. 30 Stück für etwa 7 Euro bei Amazon), eine NFC-Schreib-App und pro Anwendungsfall ein paar Minuten Zeit. Ich habe 7 niedrigschwellige Ideen für NFC-Tags im Alltag ausprobiert.
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Setup
Dafür habe ich zunächst die kostenlosen Android-Apps „NFC Tools“ und „NFC Tasks“ installiert. In einem kurzen Onboarding erfährt man zunächst alles Wichtige zum Funktionsumfang und welche spezifischen NFC-Tags kompatibel sind.
Das Onboarding in der NFC Tools und NFC Tasks App.
© Screenshots
Die, die ich mir zuvor bestellt hatte, funktionierten tadellos. Wenn ich einen davon an den NFC-Reader auf der Rückseite meines Smartphones halte, liest die NFC Tools-App ihn aus. Angezeigt werden u. a. Tag-Typ, Seriennummer, Passwortschutz, Speicherinformation, und – für meine Zwecke am wichtigsten – ob der Tag auch beschreibbar ist.
1. Der WLAN-Router für Gäste-Zugang
Gästen WLAN-Zugriff zu geben ist mit diesem Mini-Router ganz einfach.
© Jana Wiese
Als ersten Alltagshelfer wollte ich einen NFC-Tag beschreiben, der meinen Gäste mit nur einer Handy-Bewegung Zugang zum WLAN ermöglicht. Die Idee dafür habe ich vom Keramik-Künstler Spencer Chang, der in seiner Serie „Computing-Infused Objects“ u.a. einen „WiFi temple“ getöpfert hat.
Ich habe zunächst im Menüpunkt „Schreiben“ der NFC Tools-App die Option „WLAN Netzwerk“ ausgewählt und die entsprechenden Informationen eingetragen. Anschließend braucht man nur auf die Schaltfläche „Schreiben“ zu tippen und einen beschreibbaren NFC-Tag ans Smartphone zu halten. Ist der Prozess abgeschlossen, vibriert das Handy und eine Erfolgsmeldung wird angezeigt.
Es ist gar nicht schwer, die WLAN-Informationen auf einen NFC-Chip zu schreiben.
© Screenshot
Weil ein simpler Plastik-Chip ziemlich fad ausschaut und außerdem leicht verloren geht, habe ich in Anlehnung an Spencer Changs WiFi temple einen Mini-Router aus Fimo geformt und den NFC-Tag nach dem Aushärten und Bemalen auf die Unterseite geklebt. Mittlerweile steht der Mini-Router in einem Regal im Eingangsbereich meiner Wohnung – und bringt meine Gäste nicht nur einfach ins WLAN, sondern auch zum Grinsen.
2. Das Yoga-Polster
Zugegeben, ich mache weder Yoga noch nutze ich Spotify, aber der Anwendungsfall ist einfach zu gut, um ihn nicht hier aufzuführen. Anstatt vor der Routine lange nach der passenden musikalischen Untermalung zu suchen, reicht es, wenn man sein Smartphone auf sein eigenes Yoga-Kissen legt.
Das Yoga-Kissen fürs Smartphone startet eine vorgegebene Playlist.
© Jana Wiese
Den darin versteckten NFC-Chip habe ich lediglich mit einer URL zu einer Spotify-Playlist beschrieben. Möglich wäre so auch jeder andere Streaming-Service. Und natürlich muss es nicht das Yoga-Training sein, das Hintergrundmusik braucht – denkbar wäre auch, einen Link zum Einschlaf-Podcast zu hinterlegen.
3. Die Visitenkarte
Auf Konferenzen und Networking-Veranstaltungen ist es immer praktisch, ein paar Visitenkarten dabeizuhaben. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass das Gegenüber diese jemals wieder anschaut? Besser ist es, gleich beim Kontakt-Austauschen Eindruck zu hinterlassen.
Auch dafür eignet sich ein NFC-Chip, am besten in einer möglichst eindrucksvollen Hülle. Der schon erwähnte Spencer Chang greift auch hier wieder auf Ton zurück. Geschnitztes Holz oder Fimo kann ich mir ebenfalls gut vorstellen.
In der NFC-Tools App ist für diesen Zweck die Option „Kontakt“ die Richtige. Hier kann man Name, Firma, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Webseite eintragen. Scannt man den Tag, öffnet sich auf Android automatisch der Kontakt-Dialog.
Meine NFC-Visitenkarte ist optisch unspektakulär.
© Jana Wiese
4. Die Webseite zum Herumtragen
Auch die eigene Webseite lässt sich dank eines NFC-Tags herumtragen. Ich habe einen NFC-Tag mit der URL meines Blogs beschrieben und eine Hülle gehäkelt, damit die physische Repräsentation ein bisschen mehr hermacht. Mit einem kurzen Band wird das Ganze zum Schlüsselanhänger.
Im mittleren Anhänger versteckt sich ein NFC-Chip.
© Jana Wiese
Selbstverständlich braucht man keinen eigenen Blog, um Webseiten herumzutragen. Auch ein Link zum Instagram- oder LinkedIn-Profil böte sich an. Musikerinnen können auf ihr neuestes Album verlinken, DJs auf ihr coolstes Live-Set – die Möglichkeiten sind endlos.
Der Hersteller Chipped Social überträgt diese Idee auf ein Beauty-Produkt: Ab umgerechnet 15 Euro kann man Press-On-Nails mit eingebautem NFC-Chip kaufen. Zum Teilen des eigenen Social-Media-Accounts braucht es dann nicht mehr als einen Fingerzeig.
5. Das Einkaufssackerl
Wer die klassische Papier-Einkaufsliste, die in der Küche hängt, im Supermarkt nie dabei hat, könnte überlegen, auf eine digitale Variante umzusteigen. Ich habe dafür schlicht eine Notiz in Google Keep angelegt.
Auch der Link dazu lässt sich auf einen NFC-Tag schreiben. Diesen habe ich mithilfe eines kleinen Stoffrests in ein Stoffsackerl eingenäht. Wenn ich nun mein Handy an dessen Oberkante halte, scheint sofort meine Einkaufsliste auf dem Display auf – ohne langes Suchen in der Notiz-App.
Handy ans Einkaufssackerl halten und schon ist die Einkaufsliste da.
© Jana Wiese
Den Link für die entsprechende Einkaufszettel-Notiz aus der App herauszubekommen, hat sich als nicht ganz einfach herausgestellt. Ich musste dafür den Umweg über den Desktop-Browser (also keep.google.com) gehen. Außerdem funktioniert es nur mit meinen Geräten, weil die Notiz mit meinem Google-Konto verknüpft ist – jemand anderen mit dem Sackerl zum Supermarkt schicken geht so leider nicht.
6. Das Krimskrams-Kisten-Verzeichnis
Ich habe sehr viel Krimskrams: Garnknäuel, Stoffreste, saisonale Backformen, Adapterkabel für alle Fälle und so weiter und so fort. Damit das alles nicht unordentlich aussieht und Staub fängt, habe ich es in bunten Kartons verstaut. Das Problem: Sie stehen weit oben gestapelt im Regal, und wenn ich etwas suche, muss ich oft kramen.
Ein NFC-Tag Pro Kiste schafft digitalen Überblick.
© Jana Wiese
NFC-Tags sind auch hier die Lösung. Einen davon an jede Kiste gepickt, hat man mit einer Handy-Geste eine Liste aller Inhalte zur Hand. Diese kann man z.B. auch in Google Notes anlegen, oder mit unterschiedlichen Services verknüpfen. Ich habe etwa meine Garn-Sammlung ohnehin vollständig in Ravelry katalogisiert, hier reicht also ein einfacher Link.
➤ Mehr lesen: Wieso Ravelry der perfekte Begleiter zum Stricken und Häkeln ist
7. Der schnelle Wecker
Egal, ob wachsweiches Ei, perfekter Schwarztee oder Powernap: Manchmal braucht man einfach nur möglichst schnell einen passenden Wecker.
Statt durch die Einstellungen der Uhr-App am Smartphone zu tippen, könnte man es auch einmal an einen entsprechenden NFC-Tag halten. In der NFC Tools-App kann man diesen unter dem Reiter „Aufgabe hinzufügen“, „Konfiguration“, „Den nächsten Alarm setzen“ mit der gewünschten Dauer beschreiben. Auch eine Stoppuhr ließe sich so starten.
Zeitstempel, Musikwiedergabe, Lesezeichen
Nachdem ich diese 7 NFC-Alltagshelfer gebastelt hatte, fielen mir noch einige weitere Einsatzmöglichkeiten für die Technologie ein: Mit einer Handy-Geste Datum und Zeit zu vermerken ist beim Sauerteig-Auffrischen genauso hilfreich wie bei der Medikamenten-Einnahme. Leider ist dafür in NFC Tasks die Pro-Version (3,49 Euro) nötig.
Außerdem könnte man physische Buttons zur Musikwiedergabe basteln, also „abspielen“, pausieren“, „skip“ und so weiter und so eine haptische Steuerung wie bei einem altmodischen CD-Player emulieren. Das könnte etwa digital unerfahrenen älteren Menschen helfen.
Wer seinen Lesefortschritt mit einer entsprechenden App, z. B. Goodreads oder Storygraph, trackt, könnte sich ein NFC-Lesezeichen basteln, das direkt zum eigenen Lektüre-Journal führt.
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Komplexe Abläufe und Smart Home
Abgesehen davon ließen sich mit den beiden Apps weit komplexere Abläufe bauen, die durch einen NFC-Tag ausgelöst werden. Sie können mit Bedingungen verknüpft werden, etwa ob ein kabelgebundenes Headset angeschlossen, oder ob WLAN verbunden ist.
Im Smart Home lassen sich alle möglichen Geräte per NFC steuern, z.B. könnte man eine bestimmte Lichtstimmung fürs Arbeiten am Schreibtisch einstellen, und eine andere zum Entspannen auf der Couch daneben. „Dumme“ Haushaltsgeräte lassen sich mit einem NFC-Tag ein bisschen smarter machen – z.B. könnte man einen Timer einstellen, der die Dauer eines Waschprogramms widerspiegelt und einen daran erinnert, wenn es Zeit ist, die Wäsche aufzuhängen.
Und sollte ein bestimmter NFC-Alltagshelfer doch einmal überflüssig geworden sein, ist nichts verloren. Denn NFC-Tags lassen sich immer wieder neu beschreiben.
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