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Google Shopping Express Google liefert Milch und Toiletten-Papier.

Google Shopping Express - in San Francisco und Umgebung bewirbt der Internet-Gigant ein neues Online-Bestell- und Zustell-Service
Google Shopping Express - in San Francisco und Umgebung bewirbt der Internet-Gigant ein neues Online-Bestell- und Zustell-Service - Foto: Gerald Reischl
In San Francisco und Umgebung hat Google sein Service „Google Shopping Express“ gestartet – die futurezone hat das Liefer-Service vor Ort getestet.

Die Kampagnen laufen derzeit online und in US-Radios - im vergangenen Jahr schon hat Google seinen Dienst Google Shopping Express (GSX) gestartet - ein Service bzw. einen Online-Shop, bei dem man von Lebensmitteln über Elekronik bis zu Spielwaren kaufen kann und noch am gleichen Tag geliefert bekommt. Den Testballon hat der Internet-Gigant in San Francisco gestartet und bewirbt das Service seit vergangener Woche intensiv.

Wer gegenwärtig in San Francisco und im Silicon Valley unterwegs ist, dem werden unweigerlich die weißen Ford-Lieferwägen mit dem Fallschirm-Logo (Googles Logo für GSX) auffallen. Bei GSX schlüpft der Internet-Gigant in die Lieferanten-Rolle, man will demonstrieren, wie im Online-Zeitalter bestellen & liefern funktionieren kann.

Die futurezone wollte testen, wie (zuverlässig) Google Shopping Express funktioniert und hat einen Einkauf im Online-Store  getätigt. Vorweg: Von nachhaltig, was das Service einmal sein soll, ist das System derzeit noch weit entfernt.

Der Adressen-Check

Bevor man einkaufen kann, wird man gefragt, ob man überhaupt in einem Gebiet  wohnt, das beliefert wird. Über einen Postleitzahl- bzw. Adress-Check erfährt man, ob sich die Lieferadresse im GSX-Zielgebiet befindet.

18 Geschäfte

Von Cosco über ToysRus bis hin zu Target und der Biomarkt-Kette Whole Foods – in bis zu 18 Geschäften (abhängig ob man in San Francisco oder in der Bay-Area wohnt) können Kunden derzeit einkaufen, aber – was die GSX-Lösung so spannend macht – nicht jeweils in einem, sondern in allen Shops gleichzeitig und quasi durcheinander. Im futurezone-Test wurde in sechs verschiedenen Geschäften eingekauft; unter anderem ein Kinderpuzzle bei Toys-R-Us, eine antibakterielle Flüssigseife bei Staples, eos-Lippenbalsam bei Walgreens und Target, Bio-Orangensaft bei Whole Foods und Strohhalme bei Nob Hill Foods.

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Foto: Gerald Reischl
Aufgelistet wird dies, wie man es von Online-Shops gewohnt ist; als Option kann man aktivieren, ob man eine Alternative zu einem Produkt möchte, sollte es aus unvorhergesehenen Umständen nicht vorrätig sein. Was aber wohl eine Sicherheitsmaßnahme ist, da das System ständig weiß, wie viele Produkte sich im Lager befinden und man bereits beim Shoppen über den aktuellen Produkte-Stand aufmerksam gemacht wird.

Keine Frischware

An sich ist das Stöbern im Produktkatalog  ein wenig knifflig, da die Suche nicht das ausspuckt, wonach man eigentlich gesucht hat bzw. zu viel angezeigt wird, weil der Begriff als Kombibegriff verwendet wird. Beispiel Milch – tippt man „milk“ in die Suchmaske, bekommt man mehr als 100 Treffer, von der Erdbeermilch über Ziegenmilchpulver bis Reismilch. Fügt man das Wort „fresh“ hinzu, bleiben noch immer 51 Treffer – darunter aber keine Frischmilch, wie wir sie definieren – weil diese nicht angeboten wird. Auch die Suche nach „straw“ für Strohhalm wird zu einem Stöbern, weil vom Strohhut bis zum Trinkbecher mit Strohhalm alles angezeigt wird.

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Wie das Service im Detail funktioniert, verrät Google nicht - den Lieferanten ist nicht erlaubt, Fragen zu beantowrten - Foto: Gerald Reischl

Google Wallet notwendig

Um einkaufen gehen zu können, wird ein Google Wallet-Account benötigt, der aber schnell erstellt ist. Das Problem dürfte aber sein, dass die Lieferadresse mit der zur Kreditkarte hinterlegten Adresse übereinstimmen muss. Versuche, die bei der Kreditkarte hinterlegte (österreichische) Heimatadresse zu belassen, die Waren aber zu einer US-Adresse liefern zu lassen, akzeptierte das System nicht. Dass das System durchdacht ist und Stammkunden nicht benachteiligt werden, zeigt, dass man die Kundenkarte eintragen kann, damit auch die Vergünstigungen und das Punktesammeln zum Tragen kommen.

Gewünschte Lieferzeit

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Der Kunde kann ein Zeitfenster fixieren, wann die Ware geliefert werden soll - sie wird auch abgestellt, wenn der Kunde nicht daheim sein sollte - Foto: Gerald Reischl
Man kann unter verschiedenen Lieferzeiten wählen, sollten die Lieferanten zu einem bestimmten Zeitpunkt schon ausgebucht sein, steht ein „sold out“ im Menü. Die flexibelste Option ist zwischen 9 Uhr früh und 21 Uhr abends – empfehlenswert freilich nur für Dinge, die nicht verderblich sind. Im Menü kann man für den Boten auch eine Nachricht hinterlassen – wo er den Kunden genau findet, Zutrittscodes zu Toren und Türen oder auch, wo er die Ware deponieren soll. Geliefert wird – ein eigenes Kästchen zum Anhaken – ohne Empfangsbestätigung.

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Die Nachfrage nach dem Service soll angeblich groß sein - vermutlich auch deshalb, weil derzeit keine Liefergebühren anfallen - Foto: Gerald Reischl

Die Lieferung

Bestellt um 21 Uhr am Vortag, wurden die Waren gegen 15 Uhr am nächsten Tag geliefert – als gewünschte Lieferzeit wurde zwischen 13 und 17 Uhr eingegeben. Zufällig anwesend, konnte man Lieferant Kevin ein paar Fragen stellen. Zwar laufe das Service gut an und er habe viel zu tun. Wie Google das im Hintergrund abwickelt (angeblich kauft Google die Waren alle selbst an), durfte er allerdings nicht verraten. Jedenfalls ist jedes bestellte Produkt einzeln verpackt – große Gegenstände in Papier-, kleinere in Plastiktaschen. Jedes einzelne Produkt wird mit einem Mini-Scanner, das die Lieferanten um den Hals haben, eingescannt. Zehn Minuten nach Lieferant Kevin tauchte ein zweiter GSX-Lieferwagen auf – er hatte die Seife und das WC-Papier an Bord – Wert der Waren: 14,98 Dollar (11,90 Euro). Der Wert der ersten Lieferung belief sich auf 54,16 Dollar (39,30 Euro).

10-Dollar-Promotion & Apps

Um das Online-Shopping anzukurbeln, lässt Google derzeit beim ersten Einkauf 10 Dollar nach. Für die Lieferung muss man auch nichts bezahlen – was aber bei sechs Shops – so wird es zumindest in der Rechnung als nicht berechneter Betrag ausgewiesen – fast 30 Dollar ausmacht (vermutlich 5 Dollar Liefergebühr pro Shop). Sechs Monate liefert Google frei Haus, wie viel danach verrechnet wird, wurde bei einer Nachfrage bei Google nicht verraten. Für Google Shopping Express gibt es auch Apps für Android und iOS, wobei das Einkaufen am Smartphone – so es kein Phablet ist – eher mühsam ist.

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Nachhaltig ist das Service noch nicht - jedes Produkt wird einzeln verpackt und mitunter werden die Bestellungen auf zwei Lieferungen aufgeteilt - Foto: Gerald Reischl

Fazit:

Im Web Lebensmittel bestellen und die Ware nach Hause geliefert bekommen. Dieses Konzept wird bereits in vielen Ländern seit vielen Jahren versucht, ist aber bislang in den Ballungszentren stecken geblieben. Mehr als über Stadtgrenzen hinaus werden Waren im Normalfall nicht geliefert. Dabei gäbe es gerade im Lebensmittelhandel eine große Kundenschar, die ein solches Service wirklich begrüßen würden. Wenn ein Pizzaservice funktioniert, bei dem die Pizza auch warm zum Zielort kommt, sollte es auch kein Problem sein, Milchwaren und andere verderbliche Ware – ohne die Kühlkette zu unterbrechen – zu liefern.

Google Shopping Express zeigt, dass ein Anbieter Waren verschiedenster Handelsunternehmen liefern kann. Auf Österreich gemünzt – vielleicht entstehen Lieferservices, die Produkte von Billa & Co. zustellen und die Rolle des Einkäufers übernehmen.

Was Google Shopping Express allerdings auch beweist – das Ordern und Liefern von Frischware ist ein noch ungelöstes Problem. Denn selbst wenn man die Waren in Kühlwägen ausliefern würde, müssten die Lebensmittel am Zielort an einem kühlen Platz – am besten Kühlschrank – verstaut werden können – so der Besteller nicht daheim ist.

(futurezone) Erstellt am 26.03.2014, 06:00

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