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Katastrophen Koordinierte Hilfe über Social Media für Japan.

Foto: reuters
Weltweit unterstützen Freiwillige die Katastrophenkommunikation in Japan. Neben Social-Media-Diensten wie Twitter und YouTube spielt der kenianische Mapping-Dienst Ushahidi eine wichtige Rolle.

Die Japaner müssen mit einer Reihe extremer Ereignisse fertig kommen. Erst ein Erdbeben in der Stärke von 9.0, dann ein Tsunami mit meterhohen Wellen, die kilometerweit in das Land hineinziehen. Dort die nahezu restlose Zerstörung der Infrastruktur. Die Zahl der mutmaßlich Toten geht in die Zehntausende. Hilfe ist über die zerstörten Straßen nur schwer zu organisieren. Sauberes Trinkwasser und Essen werden knapp. Und nun auch noch eine Atomkatastrophe, deren Ausmaß sich stündlich ändern kann.

Trotz all dieser schweren Ereignisse funktioniert die Informationsbeschaffung über Radio, Fernsehen, Internet und Telefon noch immer. Während die Regierung die Bevölkerung mahnte, mit Telefonanrufen nicht das Netz zu überlasten, ist das Internet offenbar nach wie vor uneingeschränkt verfügbar. E-Mail, Twitter, Facebook sind nun die Kommunikationsmittel der Wahl, um vor allem über Mobiltelefone die neuesten Informationen zu erhalten. Der öffentlich-rechtliche Sender NHK streamt inzwischen sein Programm in englischer Sprache kostenlos über eine iPhone-App

Online-Geiger-Zähler und -Personensuche
Über 140.000 Menschen wurden bereits aus den gefährdeten Gebieten evakuiert. Am wichtigsten für die Menschen ist derzeit wohl die Auskunft über die Radioaktivität in ihrer Umgebung – und was die Werte konkret für ihre Gesundheit, für ihre Ernährung bedeuten. Online werden etwa für Tokio die aktuellen Messwerte gezeigt, genauso wie Erdbebendaten live übertragen werden.

Bei der Suche nach vermissten Angehören und Freunden hilft Internetkonzern Google mit dem Person Finder. Rund 190.000 Einträge finden sich bereits in der Datenbank. Dabei vertraut Google darauf, dass die Nutzer korrekte Angaben machen. Überprüft werden kann nichts.

Überblick über Datenströme
Zahllose Twitter-Meldungen und YouTube-Videos wurden in den letzten Tagen veröffentlicht – eine Einordnung und Bewertung der Nachrichten fällt schwer. Etliche Dienste verwenden daher ihre Energie darauf, Orientierung zu schaffen, um konkret Hilfe vor Ort zu ermöglichen.

Crisis Commons, ein weltweiter Zusammenschloss von Freiwilligen, die offene Technologien für Krisensituationen nutzen, sammelt in seinem Wiki alle öffentlich verfügbaren Daten, mit denen die Katastrophe besser aufgeklärt werden kann. Unter anderem werden auch Twitter-Nutzer und Twitter-Hashtags empfohlen. Auf diese Weise soll die Katastrophenhilfe der Vereinten Nationen ihre Arbeit besser koordinieren können.

Livekarte für die Krisenkommunikation
Was wo in Japan geschieht, dokumentiert auch die Geodatenfirma Esri auf einer Japan-Karte. Die Initiative für die Karte ergriffen Studenten in Boston, die zuvor sich durch tausende Internetnachrichten gewühlt hatten. Die „Krisenkarte“ soll Leuten vor Ort die Möglichkeit geben, auf Notlagen schneller reagieren zu können. Inzwischen helfen Freiwillige rund um den Globus, relevante Informationen in die Karte einzutragen. Dazu gehören auch Informationen über den Zustand von Straßen und anderen Transportwegen.

Der Krisenkarte können nicht nur YouTube-Filme, Flickr-Bilder und Twitter-Meldungen, sondern auch Ushahidi-Daten entnommen werden. Die Open-Street-Map-Foundation in Japan nutzt nämlich den in Kenia gegründeten Dienst Ushahidi, um die Koordination vor Ort besser bewältigen zu können. Ushahidi wurde 2008 während der Unruhen in Kenia nach den Wahlen intensiv zur Koordinierung von Hilfsaktionen genutzt, 2010 in Haiti nach dem Erdbeben und eben auch in Libyen. Freiwillige können Berichte über ein Formular oder über einen Tweet mit dem Hashtag #osmjp eintragen. Das Rote Kreuz wiederum sammelt über die Website Causes.com Spenden.

Wege durch den Social-Media-Dschungel
Auf der Plattform Global Voices berichten viele Blogger über die Situation vor Ort, Beiträge werden auch vom Japanischen ins Deutsche übertragen.

Der arabische Fernsehsender AlJazeera wertet Social-Media-Informationen im Rahmen seines neuen Formats The Stream aus. Darin werden ausgesuchte Twitter-Meldungen, YouTube-Videos und Blog-Beiträge zu einer Fragestellung präsentiert. Betanutzer können die Streams im Internet einsehen. Insgesamt vier Streams befassten sich bereits mit der Katastrophe, darunter einer mit digitalen Katastrophentools und ein anderer mit dem nimmermüden japanischen Regierungssprecher Yukio Edano, der von Nutzern aufgefordert wird, sich doch einmal auszuruhen. Der Hashtag zu Edano lautet übrigens #edano_nero.

Klassische Medien ziehen Social-Media-Nachrichten heran
Auch Online-Nachrichtenportale weisen auf Twitter-Nutzer hin, die über die Katastrophe vor Ort informieren. So kuratiert etwa ZEIT online eine eigene Twitter-Liste namens Japan Erdbeben, die während der Vorbereitungen zu einem Bericht über das „Leben im Ausnahmezustand“ aufgesetzt wurde.

Live-Ticker sowie kontinuierliche Nachrichten-Updates haben sich inzwischen durchgesetzt. Die Süddeutsche beispielsweise betreibt gleich mehrere parallel – versehen mit dem kleinen „live“-Logo. Aktuell läuft einer über die Ereignisse in Fukushima-1. Anders Heise online, das sich für einen Update-Modus entschieden hat. Die erste Meldung über die Erdbebenkatastrophe erhielt ganze elf Updates, die Folgemeldung mittlerweise neun Updates, die jeweils aktuell in den RSS-Feed eingespielt werden.

 

Online werden etwa für Tokyo die aktuellen Messwerte (http://park18.wakwak.com/~weather/geiger_index.html) gezeigt, genauso wie Erdbebendaten live übertragen werden (ftp://hazards.cr.usgs.gov/cnss/quake).

(futurezone/Christiane Schulzki-Haddouti) Erstellt am 16.03.2011, 07:00

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