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Smartphone-Test LG Optimus G im Test: Das schönere Nexus 4.

Foto: Gregor Gruber
Tolles Display, starke Leistung und gelungenes Design: Das Optimus G macht vieles richtig, nur bei der Software schießt LG über das Ziel hinaus. Die futurezone hat die Luxus-Ausführung des Nexus 4 getestet.

Das Nexus 4 ist LGs erster Beitrag zur Gerätefamilie mit dem Google-Branding. Mit nahezu identischer Ausstattung, aber anderem Design, hat der koreanische Hersteller das Optimus G auf den Markt gebracht. Die futurezone hat das Smartphone getestet.

Design
Während das Nexus 4 auf große Rundungen setzt, ist das Optimus G geradliniger. Es sieht dadurch edler und erwachsener aus. Ein dünner Chromstreifen umrahmt die Front. Dieser schließt nahezu perfekt mit der durchgehenden Front des Gorilla Glass ab und steht nicht störend in die Höhe. Die einzige Unebenheit ist die Öffnung für den Lautsprecher an der Oberseite, die dementsprechend Staub und Schmutz anzieht.

Auch von den Seiten sieht das Optimus G gut aus. Hier ist ebenfalls ein chromfarbener Streifen vorhanden, der aber dünn genug ist, um nicht protzig zu wirken. Die Designlinie wird bei den Lautstärke- und Standby-Tasten fortgesetzt: Auch diese sind Schwarz mit einer Chrom-Umrandung.

Die Rückseite ist nicht ganz so stimmig. Das verglaste Gehäuse hat eine darunter liegende Textur, die dezenter als beim Nexus 4 ist. Allerdings ist diese Glas-Rückseite in den Plastik-Rand eingelegt, weshalb zwischen den beiden ein Spalt sichtbar ist. Auch die erhobene Kameralinse bricht mit dem eleganten, glatten Look.

Handling
Obwohl das Optimus G ein 4,7 Zoll Display hat und mit 145 Gramm um 12 Gramm schwerer als das Samsung Galaxy SIII ist (4,8 Zoll), fühlt es sich kompakt an. Das liegt daran, dass nichts, bis auf die Kamera an der Rückseite und den Tasten an der Seite, hervorsteht. Alle Ränder sind glatt, alle Komponenten des Gehäuses auf nahezu der gleichen Höhe und auch scharfe Kanten gibt es nicht. Das Smartphone liegt dadurch sehr gut in der Hand und vermittelt einen robusten und hochwertigen Eindruck.

Dass es dann doch nicht so kompakt ist, wie man vermutet, merkt man, wenn man das Gerät in der rechten Hand hält und mit dem Daumen die Zurück-Softtouch-Taste erreichen will. Das ist zwar möglich, aber nicht unbedingt angenehm.

Dennoch ist die Entscheidung zu Softtouch-Tasten zu begrüßen. Der untere Bereich des Gehäuses bleibt so nicht ungenutzt und gleichzeitig bleibt das Display frei von den Onscreen-Tasten, wie sie etwa beim Nexus 4 vorhanden sind. So kann jederzeit die ganze Display-Größe genutzt werden.

Hier war LG aber trotzdem ein wenig nachlässig. Zwar kann man die Beleuchtungsdauer der Softtouch-Tasten (1,5, 3, 5 Sekunden) regulieren, allerdings leuchten die Tasten nicht auf, wenn man den Touchscreen berührt, sondern nur wenn eine der Softtouch-Tasten berührt wird. Nur sieht man diese eben nicht, wenn sie nicht beleuchtet sind. Und wenn man die Tasten ohnehin schon blind findet, braucht man die Beleuchtung auch nicht mehr. Alternativ kann die Beleuchtung auf „Immer ein" geschaltet werden, was wiederum auf Kosten der Akkulaufzeit geht.

Display
Das Display des Optimus G gehört zu den besten, was die Smartphone-Welt zu bieten hat. Rein von den Spezifikationen gehört es nur zum gehobenen Standard: 4,7 Zoll mit einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel (312 ppi). Das, was es besonders macht sind IPS und Zerogap.

IPS ist bereits von Notebooks und Tablets bekannt und ermöglicht große Betrachtungswinkel, ohne, dass die Farben ausbleichen. Zerogap ist LGs hauseigene Bezeichnung dafür, dass die kapazitive Schicht nicht über dem Display liegt, sondern darin integriert ist. Das Display ist so näher am Gorilla Glass.

Das Zusammenspiel aus IPS, Zerogap, einer echten 1280 x 720 Auflösung (kein PenTile), sowie einer sehr guten maximalen Helligkeit erzeugt ein tolles Ergebnis. Das Display ist scharf, hell und die Farben leuchtend und dabei weniger übersättigt als bei Samsungs AMOLED-Displays. Im direkten Vergleich mit dem Samsung Galaxy SIII und dem Sony Xperia Z ist ein dezenter Blaustich bemerkbar, der aber deutlich geringer ausfällt als beim SIII.

Wie auch schon bei früheren LG-Handys, ist die automatische Helligkeitseinstellung nicht optimal. Selbst wenn diese aktiviert ist, muss man einen Grundwert für die Helligkeit einstellen. So kann es sein, dass in geschlossenen Räumen eine automatische Helligkeit mit dem Ausgangswert 72 Prozent zu hell ist, während dieselbe Einstellung im Freien zu dunkel ist. LG dürfte sich dieser Schwäche bewusst sein, denn die Einstellung für die Helligkeit ist fix in der Status-Leiste integriert.

Software
Während das Nexus 4 das pure Android installiert hat, ist beim Optimus G LGs eigene Oberfläche über Android 4.1.2 gelegt. LG gibt dem User zahlreiche Einstell- und Anpassungsmöglichkeiten. Allerdings ist es schon so viel, das einige Menüs überfrachtet wirken und selbst erfahrene Android-User anfangs den Überblick verlieren können.

Die Vielfalt an Optionen beginnt beim Lockscreen. Wählt man das klassische „Ziehen" aus, um das Display zu entsperren, stehen vier Effekte dafür zu Auswahl. Hat man den Hintergrund gewählt, kann man noch eine von fünf Uhren auf den Lockscreen platzieren und die vier Shortcut-Icons frei belegen. Auch die Zeit, nachdem der Sperrbildschirm wieder in den Standby-Modus geht, kann eingestellt werden.

In der Task-Leiste gibt es gleich zwei horizontal scrollbare Leisten mit Shortcuts, die konfiguriert werden können. Oben sind System-Shortcuts, wie GPS und WLAN ein/aus. Darunter sind die Qslide Apps, die, wie man bereits von Samsung kennt, im Vordergrund aufpoppen. Diese kann man nicht nur verschieben und die Größe ändern, sondern per Schieberegler auch den Grad der Transparenz bestimmen. Nach der QSlide-Leiste kommt die Leiste für die Display-Helligkeit, dann das Datum und ein Shortcut zu den Einstellungen. Erst danach kommt der Platz für die Notifications.

Foto: Gregor Gruber

Jugendlich
Nicht ganz stimmig ist das Einstellungs-Menü. Der weiße Hintergrund mit den himmelblauen Ein-Aus-Schaltern wirkt zu verspielt und jugendlich für das elegante Äußere des Smartphones. Auch die vier Telefonschemen, wovon eines Cozywall und eines Marshmallow heißt, die dementsprechend aussehen, lassen das Optimus G leicht schizophren wirken.

Aber bis auf das Einstellungs-Menü kann man ohnehin alles ändern. Der Homescreen-Hintergrund gleich bleibend oder mitscrollend, für den Übergang zwischen den Homescreen stehen sieben Animationen zur Auswahl. Sogar für die Liste der Apps gibt es 16 Hintergründe und zwei Transparenz-Effekte für den Homescreen-Hintergrund. Bei SMS-Unterhaltung sind es sechs Hintergründe. Auf Wunsch können SMS-Nachrichten auch als Popups im Vordergrund angezeigt werden.

Komplett in die kindliche Spielerei rutscht man ab, wenn man die Icons der Apps ändert. Hier kann man nicht nur aus zahlreichen, vorgegeben Icons in zwei Größen wählen, sondern Fotos machen. So wird am Homescreen der Arbeitskollege zum Kamera-App-Icon oder die Katze zum Symbol für die Galerie. Auch die vier Shortcuts unten am Homescreen können ausgetauscht oder mit neuen Icons versehen werden.

Praktikabler als die Foto-Icons ist das Gitterraster, der eingeblendet wird, wenn man einen Shortcut oder ein Widget am Homescreen platziert. Auch nett ist es, dass LG beim Optimus G dem User die Möglichkeit gibt, den Homescreen auch im Querformat darzustellen. Ebenfalls nützlich und durchdacht ist der einstellbare Energiesparmodus und QuickMemo, dass einen Screenshots erstellt auf dem herumgekritzelt oder etwa Teile davon markiert werden können. Auch praktisch ist die Funktion, mit der der Display-Timeout deaktiviert wird, wenn man aufs Display schaut. Dieses Feature hat zuvor schon Samsung in seinen aktuellen Smartphones verbaut.

Foto: Gregor Gruber

Leistung
Das Optimus G reagiert schnell und ist selbst von leistungshungrigen Apps und Spielen nicht zu bremsen. Slowdowns gibt es so gut wie keine, Pinch-to-Zoom ist bei Fotos als auch Websites flott. Alles ist flüssig und so, wie man es sich von einem aktuellen Smartphone erwartet – da kann das Samsung Galaxy SIII im direkten Vergleich nicht ganz mithalten.

Der positive Eindruck wird durch Benchmarks belegt. Bei Antutu 3.1.1 gibt es 18873 Punkte, bei Quadrant Standard 6149 Punkte und bei Nenamark2 59,3 fps. Der fix verbaute 2.100 mAh Akku hält bei der üblichen Smartphone-Nutzung 1,5 bis zwei Tage durch, wenn man mit der Display-Helligkeit bei 75 Prozent oder darunter bleibt.

Die Sprachqualität ist gut, der Gesprächspartner hört einen laut und deutlich. Der Lautsprecher am Optimus G gibt den Ton von Sprache ziemlich flach wieder, wenn man in den niedrigeren Lautstärken ist. Es klingt so, als wäre der Gesprächspartner zu weit vom Mikrofon weg. Bei den höheren Lautstärken wird der Klang voller. Das ist angenehmer zu telefonieren, befindet man sich allerdings in einer ruhigen Umgebung, ist man im Zwiespalt zwischen angemessener Lautstärke und schlechtem Ton oder zu lautem Gesprächspartner mit gutem Ton.

Foto: Gregor Gruber

Kamera
Die Kamera-App bietet einen Modus für Schnappschüsse, HDR-, Panorama- und Serienaufnahmen. Der ISO-Wert, Weißabgleich und die Belichtungskorrektur können manuell bestimmt werden. Die vier Schnell-Symbole an der linken Bildschirm-Seite der Apps können nach Belieben ausgetauscht werden, etwa um schneller auf die Belichtungskorrektur zugreifen zu können. Neben dem Timer gibt es auch einen Sprachauslöser. Hier wird das Foto gemacht, Wenn Cheese, Smile, Whisky, Kimchi oder LG gesagt wird. Alternativ kann auch mit der Lautstärken-Taste ausgelöst werden. Das ersetzt zwar keine „echte" Kamera-Auslöse-Taste, ist aber dennoch ein nettes Feature.

Die Fotos der 13-Megapixel-Kamera sehen gut, aus die Detailzeichnung und Farbechtheit sind in Ordnung. Der HDR-Modus hilft deutlich bei Außenaufnahmen bei Sonnenschein. Bei Kunstlicht- bzw. Innenaufnahmen tendiert das Optimus G dazu, zu lange zu belichten, weshalb Fotos ohne den LED-Blitz häufig unscharf sind. Hier wäre ein eingebauter Bildstabilisator hilfreich.

Ein wenig lästig kann der Autofokus sein. Dieser fokussiert automatisch in die Mitte. Manchmal drei mal hintereinander, obwohl laut der Anzeige bereits die zwei mal zuvor das Motiv erkannt wurde. Tippt man auf einer anderen Stelle am Display, wird zwar dort hin fokussiert, aber nach ein paar Sekunden wird wieder automatisch auf das Objekt in der Mitte scharf gestellt. Der kontinuierliche Autofokus kann nicht deaktiviert werden.

Fazit
Das Design und die Verarbeitung des Optimus G sind sehr gut, das Display ist eine wahre Freude und auch die inneren Werte können überzeugen. Trotz der Menü- und Individualisierungsvielfalt ist man mit dem Smartphone immer flott unterwegs. Aber auch genau diese Vielfalt kann dazu führen, dass manche User überfordert sind. Abgesehen davon könnte man dem Optimus G noch den fehlenden MicroSD-Slot negativ anrechnen. Die 32 GB internen Speicher dürften aber für die meisten Smartphone-User ausreichen.

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Modell:
LG Optimus G
Display:
4,7 Zoll True HD IPS PLUS, 1280 x 768 Pixel (318 ppi)
Prozessor:
Qualcomm Snapdragon S4 Pro APQ8064 Quad-Core mit 1,5 GHz
RAM:
2 GB
Speicher:
32 GB intern
Betriebssystem:
Android 4.1.2
Anschlüsse/Extras:
Micro-USB, 3,5 mm Klinke, WLAN, Bluetooth 4.0, Micro-SIM, GPS, NFC, LTE, MHL
Akku:
2.100 mAh
Kamera:
13 Megapixel mit LED-Blitz (Hauptkamera), 1,3 Megapixel Frontkamera
Videos:
Aufnahme in 1080p
Maße:
131,9 x 68,9 x 8,45 mm, 145 Gramm
Preis:
599 Euro UVP

(futurezone) Erstellt am 24.02.2013, 06:00

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