Hacker kauft für 30.000 US-Dollar ein Social Network, belebt es wieder
Anfang des Jahrtausends war das Angebot an sozialen Netzwerken weit zersplitterter als heute: Es konkurrierten etwa StudiVZ, MySpace und Uboot aus Österreich. Auch Friendster, das 2002 gegründet wurde, zählte zu den frühen Social-Plattformen.
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2009 brach die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer auf Friendster allerdings drastisch ein, 2015 wurde die Plattform geschlossen und 3 Jahre später stellte das dahinterstehende Unternehmen seinen Betrieb endgültig ein.
Der US-amerikanische Programmierer Mike Carson will das Netzwerk nun ohne Werbung oder Algorithmen als iOS-App wiederbeleben. Sein Budget: Rund 30.000 US-Dollar.
Domain zufällig entdeckt
Carson, der sich selbst als Hacker identifiziert, betreibt hauptberuflich park.io. Über diese Seite kann man Domains, die bald ablaufen, ersteigern. Carson hat daher im Auge, wenn sich bei bekannten Domains etwas tut.
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In einem Blogpost schreibt er, dass er 2023 bemerkte, dass friendster.com nach einer 8-jährigen Pause plötzlich wieder auflöste – zu einer Seite, die hauptsächlich Pop-Up-Werbungen anzeigt. Er fand heraus, dass der Besitzer der Domain einer seiner Kunden war und fragte einfach, ob er ihm friendster.com abkaufen könnte. „Ich fand die Idee, sie zu besitzen, sehr witzig und interessant. Ein soziales Netzwerk auf Friendster zu bauen, schien sehr viel Spaß zu machen“, schreibt Carson.
Knapp 30.000 US-Dollar Kaufpreis
Der Domainbesitzer hatte Friendster.com 2023 für 7.456 US-Dollar (ca. 6.400 Euro) erworben – „ein verrückter Deal“, meint Carson zum erstaunlich günstigen Preis. Er konnte ihm die Domain schließlich für den Gegenwert von 20.000 US-Dollar (ca. 17.000 Euro) in Bitcoin und einer weiteren Domain, die jährlich 9.000 US-Dollar (ca. 7.700 Euro) an Werbeeinnahmen generiert, abkaufen.
Im Mai 2025 liefen schließlich auch noch die Markenrechte für Friendster ab. Mithilfe seiner Anwälte sicherte sich Carson auch diese.
iPhones physisch zusammenhalten
Doch was anfangen mit einer Domain und den Markenrechten für ein totes soziales Netzwerk? Carson wusste es auch nicht, also holte er sich Inspiration im Tech-Forum Hacker News. Die User dort schlugen vor, gegenseitige Verbindungen zu priorisieren – d. h. keine einseitigen Follower und keine Möglichkeit, sich ein größeres Publikum aufzubauen. Außerdem sprachen sie sich gegen einen algorithmischen Newsfeed aus.
Womit sich das neue Friendster aber von anderen Plattformen unterscheiden will, ist die Voraussetzung, dass man jemanden „in echt“ treffen muss, um sie oder ihn in der App zu „Freund“ oder „Freundin“ zu machen. Um bei Friendster eine Freundschaft einzugehen, muss man das eigene iPhone physisch in Kontakt mit dem der anderen Person bringen.
Friendster im App Store.
© Screenshot Friendster
Diese Funktionsweise verhindert nebenbei, dass man mit Bots in Kontakt kommt. Das reduziert laut Carson Spam erheblich. Die Daten der Nutzerinnen und Nutzer will er nicht verkaufen.
„Echte“ Verbindungen anregen
In Zukunft will Carson auch Freunde von Freunden in der App sichtbar machen – ihnen soll man eine Direktnachricht schicken können, um sich „in echt“ verabreden zu können. Außerdem soll die digitale Verbindung zweier User nachlassen, wenn sie sich nicht binnen eines Jahres physisch treffen und dabei ihre Handys aneinanderhalten.
„Das alles ist um die Idee herum gebaut, dass echte Freundschaften passieren, wenn man sich tatsächlich persönlich trifft“, meint Carson. Er habe seine Ehefrau auf OkCupid kennengelernt. Es sei unglaublich, dass Webseiten das Leben der Menschen wirklich verändern könnten. Genau das wolle er mit dem neuen Friendster auch erreichen.
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Ob ein so nieschiges soziales Netzwerk, das noch dazu so hohe Hürden hat, tatsächlich genug Nutzerinnen und Nutzer findet, dass es auch nützlich ist, bleibt offen. Vorherige Versuche, Alternativen zu den Marktführern zu schaffen, z. B. Ello, Monnett oder Vero, hatten kaum Erfolg.