Monnett im Test: Europas Antwort auf TikTok und Instagram
TikTok, Facebook, Instagram und Co. haben vor allem eine Sache gemeinsam. Neben der Eigenschaft als Soziale Netzwerke eint sie, dass sie allesamt nicht aus Europa stammen. Die US-Lastigkeit der Plattformen wird einzig vom chinesischen TikTok durchbrochen.
Neben einer Datenschutz-Debatte, die fast so alt ist wie die Netzwerke selbst, gesellt sich mittlerweile auch der Punkt der Abhängigkeit von ausländischen Tech-Unternehmen dazu. Während dezentrale Alternativen wie Mastodon, Pixelfeed oder Loops in den letzten Jahren und Monaten hinzugekommen sind, sieht es darüber hinaus bisher eher mau aus.
Mit Monnett versucht jetzt ein luxemburgisches Start-up, zur europäischen Alternative zu werden. Ich habe mir die App angesehen.
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Die Reise von Monnett begann laut eigenen Angaben 2024, als sich eine kleine Gruppe aus europäischen Aktivisten, Designern und Technologen das Ziel setzte, einen neuen digitalen Raum zu schaffen.
Hauptkritikpunkt der Gründer ist die überbordende Überwachung in den gängigen Sozialen Netzwerken, sowie Algorithmen, die virale Inhalte und Empörung bevorzugen. Der Name Monnett setzt sich dabei aus dem französischen Mon Network (mein Netzwerk) sowie einem T für „Transparent“ am Ende zusammen.
Wer mit Monnett durchstarten möchte, braucht dafür zunächst die App. So sehr sie europäisch ist, ist derzeit der amerikanische App Store oder Play Store nötig, um Zugriff zu bekommen.
Eine Web-Version oder Sideloading-Varianten gibt es nicht. Die Inhalte werden aber zumindest in Deutschland gehostet. Der Einstieg ist verhältnismäßig simpel. Neben Mail-Adresse und Passwort brauchen wir noch einen Nutzernamen, den wir frei wählen können. Für die selbstverordnete Altersbeschränkung von 16 Jahren müssen wir außerdem unser Geburtsdatum angeben.
Nach Zustimmung zu den Datenschutzbestimmungen gibt es dann noch eine kurze Übersicht über den Werten bei Monnett. Zu guter Letzt können wir ein Account-Abo auswählen. Derzeit gibt es nur die kostenlose Variante, in Zukunft soll es hier aber auch kostenpflichtige Upgrades geben.
Gähnende Leere
Ist das Onboarding durch, landen wir auch schon in der Timeline von Monnett. Und die ist zu Beginn vor allem eines: leer. Auch das Tippen auf den zweiten Reiter, Discover, zeigt mir nichts außer meiner eigenen Story und leeren Content-Empfehlungen.
Was ich im ersten Moment für einen Bug halte, ist tatsächlich aber nur eine ungeschickte Standardeinstellung seitens der App. Über einen kleinen Knopf am oberen rechten Bildschirmrand können wir nämlich unseren Algorithmus kontrollieren.
Hier definieren wir, wie oft Inhalte von Freunden sichtbar sein sollen, wie sehr Inhalte auf unseren Interessen basieren sollen und wie sehr wir einzelne Themen in der Timeline haben möchten. Zur Auswahl gibt es hier unter anderem Sport, Entertainment und News. Politik gibt es aber beispielsweise nicht.
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Kurze Timeline
Nach dem Herumspielen an den Reglern kommen dann auch die Inhalte in unsere Timeline. Angelehnt ist der Feed an TikTok, wobei hier Fotos und Videos gleichermaßen zu finden sind. Bei jedem Post kann geliket, kommentiert und geteilt werden.
Am oberen Rand ist außerdem zu sehen, aus welcher Kategorie der jeweilige Inhalt stammt. Im TikTok-Stil wechseln wir mit Wischen nach oben und unten durch die Timeline. Auffällig ist, dass Videoinhalte etwas langsam laden, darüber hinaus ist das App-Erlebnis für ein solches Frühstadium aber überraschend flüssig. Unendlich ist die Timeline aber nicht.
18-mal kann ich im Test wischen, dann geht es nicht mehr weiter. Zwar lässt sich die Timeline aktualisieren, auch die neuen Inhalte sind aber begrenzt. Neben der Timeline gibt es zudem einen Discover-Feed, in dem wir zusätzliche Inhalte entdecken können. Hier finden sich aber meistens dieselben Inhalte aus der Timeline.
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Kategorisierung Pflicht
Hauptursache wird hier vor allem die Nutzerbasis sein, die derzeit im niedrigen fünfstelligen Bereich liegen soll. Möchten wir selbst das Netzwerk mit Inhalten füllen, lässt sich das schnell über das mittig platzierte Plus-Symbol bewerkstelligen.
Fotos oder Videos lassen sich hier direkt aufnehmen, danach können wir unter anderem Text, Links, Erwähnungen und Standort hinzufügen. Wo der Inhalt landet, in der Story oder als allgemeiner Post, entscheiden wir direkt beim Erstellen. Setzen wir einen Post ab, muss zwingend die Kategorie deklariert werden.
Recht ungewöhnlich für eine solch junge App ist das bereits integrierte Messaging-Feature. Über Monnett können schon jetzt Nachrichten an andere verschickt werden. Laut eigenen Angaben ist sämtliche Kommunikation verschlüsselt.
Was das genau heißen soll, wird aber nicht im Detail genannt. Als letzter Reiter existiert noch unser Profil, in dem wir nicht nur unseren Content sehen, sondern auch einige Einstellungen treffen können. Unter anderem können wir einschränken, wer Nachrichten senden kann. Außerdem gibt es eine Ü18-Deklaration für die eigenen Inhalte.
Den Zugriff auf unser Profil einschränken können wir derzeit aber wohl nicht. Lediglich Storys sind auf Freundinnen und Freunde begrenzt. Spannend ist das Report-Feature, mit dem wir problematische Inhalte melden können.
Die drei Hauptpunkte für einen Report sind nämlich „toxische Inhalte“, eine fehlende Deklarierung von Ü18-Inhalten und AI-Slop, der auf Monnett keinen Platz haben soll.
Viele Fragen
So gut der Eindruck von Monnett für eine solche Frühphase ist, wirft das neue Soziale Netzwerk doch einige Fragen auf. Gibt es genügend Menschen, die überhaupt eine Alternative zu TikTok und Co. wollen?
Und ist der europäische Ansatz ein Punkt, der Menschen überzeugen kann? Auch die Monetarisierung ist ein großes Thema. Beim Onboarding kann derzeit zwar nur die Free-Variante gewählt werden, die Abos namens „Freedom“ und „Pro“ sind aber schon mit Preisen von 2,95 Euro und 5,95 Euro sichtbar.
Welche Features hier zum Bezahlen einladen sollen und ob es genug Menschen gibt, die für ein soziales Netzwerk zahlen wollen, auch das steht ebenso in den Sternen.
Fazit
Mit Monnett gibt es einen frischen Ansatz für ein vollständig europäisches Soziales Netzwerk. Trotz des Open Early Access fühlt sich die App schon relativ stabil an.
Aufgrund des jungen Alters und der Macht der Konkurrenz fehlen aber derzeit noch die Nutzerinnen und Nutzer. Monnett hat das Potenzial, eine Alternative zu sein, auch für all jene, die das Fediverse als zum kompliziert ansehen.
Ob ein weiteres zentralisiertes Netzwerk unter anderer Flagge aber wirklich die Lösung ist, ist nur eine der vielen noch unbeantworteten Fragen.
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