Sesame im Test: Beeindruckend natürliche Telefonate mit der KI
Mit dem Start von Sesame AI sorgte das gleichnamige Unternehmen vor etwas mehr als einem Jahr im futurezone-Test für Staunen. Während das Interface damals nur im Browser verfügbar war und keinerlei Zusatzfunktionen bot, waren es die Sprachfähigkeiten der Agenten, die für Begeisterung sorgten. Die neue App von Sesame AI soll nun diese Sprachfähigkeiten erweitern und mit nützlichen Funktionen zusammenbringen.
Derzeit steht lediglich die iOS-Variante im App Store bereit, ein Ableger für Android ist aber bereits in Arbeit. Haben wir die App heruntergeladen, braucht es eine schnelle Registrierung. Sesame macht es sich hier einfach, lediglich Single-Sign-On über Apple oder Google steht zur Verfügung. Bei der Anmeldung möchte man dann noch unseren Namen und das Geburtsdatum wissen. Außerdem können wir auf Wunsch eine Standortfreigabe erteilen.
Holpriger Start
Nach der Standortfreigabe wird der Bildschirm im Test dann erst einmal schwarz. In der App tut sich nichts mehr. Mehrmaliges Schließen und Öffnen bringt nichts, auch eine Neuinstallation belebt die App nicht. Erst einen Tag später bringt ein frisches Update Sesame zum Laufen.
Die Oberfläche von Sesame AI ist extrem einfach gehalten. In dem weinroten User Interface finden wir insgesamt 4 Knöpfe und ein Eingabefeld. Neben einem Inkognito-Modus, um Konversationen nicht abzuspeichern, gibt es noch eine kleine Einstellungsseite.
Am oberen Bildschirmrand können wir aus einem der mittlerweile 4 Agenten auswählen. Jeder dieser 4 Agenten, Maya, Miles, Simone und Charlie, bringt eigene Eigenschaften und einen Konversationsstil mit. Maya wird beispielsweise als „witzig, mit unbegrenzter Vorstellungskraft“ beschrieben, während Charlie „freundlich und direkt“ ist.
Im Call mit Herr KI
Da Sesame AI auf verbale Konversation ausgelegt ist, steht der Anruf-Button im Fokus. Über diesen starten wir die Konversation mit einem der Agenten. Ist die Konversation gestartet, können wir frei darauf losreden. Buttons zum Stummschalten, Umschalten der Ausgabe und zum Auflegen stehen uns während der Konversation zur Verfügung.
Unser ausgewählter Agent plaudert mit uns über jedes gewünschte Thema. Von einfachen Wissensfragen bis zu ausgiebigen Unterhaltungen über spezifische Themen ist alles drin. Für eine erste Konversation habe ich Charlie ausgewählt. Als Thema habe ich mir die aktuelle Gartenarbeit genommen und frei darüber geplaudert.
Ich war schnell ziemlich begeistert. Die Künstliche Intelligenz von Sesame klingt nicht nur unheimlich gut, sie führt auch sehr anregende Unterhaltungen. Bei Gesprächen kommen wir von einem ins andere, die KI stellt immer wieder passende Fragen oder wirft Informationen in den Ring, die das Gespräch bereichern. Fast schon etwas gruselig ist, wie natürlich die Agenten klingen. Immer wieder werden künstliche Pausen und Töne genutzt, wie sie auch Menschen beim Plaudern nutzen.
Mit der KI verplaudert
Auch mehrere Aufgaben gleichzeitig waren für Sesame kein Problem. Da die App vorläufig auf Englisch getrimmt ist, haben alle Konversationen auf Englisch stattgefunden. Während einer lockeren Unterhaltung habe ich den Agenten dann gebeten, fehlerhafte Sätze oder falsches Vokabular von mir zu korrigieren.
Während wir uns ganz normal weiter unterhalten haben, hat Sesame immer wieder Verbesserungsvorschläge eingestreut. Das passierte mit einem natürlichen Flow, sodass die Konversation immer aus einem Guss war.
Die Unterhaltung hat sich so real angefühlt, dass ich bereits beim ersten Mal das Session-Limit von 30 Minuten voll ausgereizt habe. Der jeweilige Agent weist uns auf dieses Limit kurz vor Ende hin. Nachdem der Call beendet wurde, können wir aber direkt eine neue Unterhaltung starten.
© futurezone/Screenshot
Mini-Assistent
Starten wir eine neue Konversation, können die Agenten auf ihr Gedächtnis zurückgreifen, um an alte Konversationen anzuknüpfen oder Informationen zu nutzen. Ebenfalls nutzen kann Sesame die vorher erfolgte Standortfreigabe, um ortsbezogene Informationen zu geben. Zwar kann die junge App noch nicht als unser persönlicher Assistent agieren, kleine Aufgaben kann sie aber schon für uns erledigen.
Bitten wir Sesame etwa, uns an etwas zu erinnern, wird bei entsprechender Freigabe ein Eintrag in unserer Reminder-App angelegt. Ebenso praktisch ist das Feature, uns bestimmte Informationen als Text zu senden. Möchten wir uns später etwas im Detail durchlesen, können wir den Agenten beauftragen, uns eine Nachricht zu schicken.
Blindes Vertrauen
Die gesammelten Informationen landen in jenem Chat-Fenster, in dem wir mit Sesame theoretisch auch schreiben können. Im Vergleich zu anderen KI-Chatbots ist hier aber etwas mehr Vertrauen notwendig.
Zwar kann uns die App sogenannte Search Cards einblenden, um Inhalte zu visualisieren, aber über die Konversationen hinweg haben wir keinerlei Zugriff auf Quellenangaben. Auch bei den Deep-Dives, die wir auslösen können, wird durch natürliche Konversation ein Fact-Checking sehr aufwendig.
In Zukunft möchte Sesame mehr solcher Features implementieren. Das ganz große Ziel des Unternehmens ist eine KI-Brille, die mit uns plaudert. Spannend wäre auch eine deutsche Variante. Zwar kann Sesame schon jetzt Deutsch sprechen und auch verstehen, da die Agenten aber nicht darauf angepasst sind, klingen sie eher mau. Die Informationsverarbeitung soll derzeit durch die nicht unterstützte Sprache ebenfalls leiden.
© futurezone/Screenshot
Fazit
Die von Sesame gebotenen KI-Agenten sind mehr als beeindruckend. Die Konversationen hören und fühlen sich so real an, dass das Plaudern mit der KI Spaß macht. Als Recherchetool ist die App aufgrund der fehlenden Quellen derzeit nur schlecht geeignet, für lapidare Konversationen reicht das aber.
Ein großes Fragezeichen steht noch hinter dem Ausbau der Fähigkeiten der App und wie Sesame sein Produkt monetarisieren will. Das derzeit kostenlose Angebot soll in Zukunft nämlich eine Bezahlschranke bekommen.
Sesame AI ist kostenlos für iOS erhältlich.