Russland stülpt jetzt alte Container über seine Panzer
Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat schon einige abenteuerliche Kampfkonstrukte hervorgebracht. Jetzt ist die Sammlung um ein Objekt reicher: den Container-Panzer.
In einem Video, das zuerst auf Telegram geteilt wurde, ist zu sehen, wie 2 russische Kampfpanzer auf der Straße fahren, die einen ISO-Container über dem Turm montiert haben. Als Tarnung ist das wohl nicht gedacht, denn der Kettenantrieb ist deutlich sichtbar.
Auf dem Rohr der Kanone wurde anscheinend Klebeband in der Form einer russischen Flagge angebracht. Das soll verhindern, dass die skurrilen Panzer von den eigenen Drohnen angegriffen werden.
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Schutz gegen Kamikazedrohnen
Drohnen sind vermutlich der Grund, warum hier Container über die Panzer gestülpt wurden. Denn eine Schutzwirkung gegen normale Waffen bieten sie kaum. Solche Container bestehen meistens nur aus bis zu 2 mm dünnem Stahl, was nicht mal ausreicht, um Sturmgewehr-Projektile abzuhalten. Das 1987 eingeführte russische Projektil 7N6M für das Kaliber 5,45x39 mm, wie es etwa die AK-74 nutzt, durchschlägt noch auf 300 Meter Entfernung 6 mm Stahl.
Die meisten Kamikazedrohnen haben aber einen Aufschlagzünder. Das heißt die Sprengladung explodiert bei der Berührung mit dem Container. Dadurch wird zwar der Container zerfetzt, aber die volle Wucht der Explosion erreicht nicht den Panzer – was ihn potenziell vor Schäden und Zerstörung bewahrt.
Nach demselben Prinzip funktionieren Cope Cages. Dabei handelt es sich um Käfige oder Dachaufbauten, die verhindern sollen, dass Kamikazedrohnen oder abgeworfene Sprengsätze direkt am Panzer explodieren. Gerade zu Beginn des Kriegs gab es hier viele improvisierte Konstruktionen, die als Material manchmal nur Holz und Drahtzaun nutzten, die von Gärten geplündert wurden.
Neue Version des Schildkrötenpanzers
Die Container-Lösung erinnert aber mehr ein späteres Konstrukt: den Schildkrötenpanzer. Dabei hat Russland Panzer vollständig mit einem Gehäuse aus Metall bedeckt, was für Spott in den sozialen Netzwerken sorgte.
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Der Container-Panzer dürfte die nächste Stufe des Schildkröten-Panzers sein. Wobei es hier nicht darum geht, die Schutzwirkung zu verbessern, sondern es einfacher zu basteln. Man muss lediglich das Dach oder den Boden des ISO-Containers, sowie vorn ein Loch für die Kanone machen: fertig. Das geht deutlich schneller, als aus einzelnen Metallplatten und Stangen ein Gerüst und eine Verkleidung zusammenzuschweißen. Seitlich am Container-Panzer ist noch eine Öffnung zu sehen, die vermutlich für die Abgase gedacht ist.
Große Nachteile
Die Container-Konstruktion hat dieselben Nachteile wie die früheren Schildkrötenpanzer. Der Kampfpanzer kann den Turm nicht mehr drehen und wird so zum Sturmgeschütz degradiert. Das heißt: Will der Panzer links oder rechts zielen, muss er sich immer als Ganzes drehen.
Das schränkt außerdem die Sicht der Besatzung ein. Der Fahrer hat nur noch eine kleinere Sichtöffnung nach vorn und der Kommandant im Turm kann sich nicht mehr unabhängig von der Fahrtrichtung umsehen. Gerade auf dem dynamischen Schlachtfeld der Ukraine, wo immer mit Bedrohungen durch Drohnen in der Luft und am Boden zu rechnen ist, kann die eingeschränkte Rundumsicht fatal sein.
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Vermutlich sollen die Container-Panzer, genau wie die Schildkrötenpanzer, genutzt werden, um eine Bresche zu schlagen. Sie könnten mit zusätzlichen Geräten bestückt zur Minenräumung genutzt werden, damit nachfolgende Fahrzeuge durchs Minenfeld kommen.
Vielleicht sind sie auch für Frontalangriffe gegen befestigte Stellungen gedacht, die nur über ein offenes Feld erreicht werden können – auf dem die Panzer gefundenes Fressen für Kamikazedrohnen sind, da sie hier von jeder Seite angreifen können.
Geringe Erfolgschancen
Allzu große Erfolgschancen dürften die Container-Panzer nicht haben. Drohnenpiloten der Ukraine haben immer wieder bewiesen, dass sie präzise durch kleine Öffnungen navigieren können und etwa auch unter Cope Cages fliegen. Die Abgas-Öffnung an der Seite des Containers und die für Kanone an der Front könnten also Eingangstore für Drohnen sein.
Und selbst wenn das nicht gelingt, könnten die Ketten angegriffen werden, die bei den Container-Panzern nach wie vor frei liegen. Mit gesprengter Kette kann der Panzer nicht mehr fahren und weil durch den Container der Turm nicht drehbar ist, kann er auch nicht mehr zielen. Zudem gibt es einige Aufnahmen aus der Ukraine, auf denen zu sehen ist, dass die Schildkrötenpanzer Drohnenangriffen nicht standgehalten haben und zerstört wurden.
Panzer unter dem Container
Welcher Panzer unter dem Container steckt, ist aufgrund der niedrigen Videoqualität nicht eindeutig zu sagen. Das Heck sieht am ehesten nach einem T-80BVM aus. Dabei handelt es sich um eine modernisierte Variante des T-80s, die seit 2017 eingesetzt wird.
Der ursprüngliche T-80 wurde schon 1976 in Dienst gestellt. Er basiert auf dem noch älteren T-64 (1966). Die aktuellen Varianten des T-80 haben einen 1.250-PS-Motor, der auf der Straße eine Geschwindigkeit von 70 km/h ermöglicht.
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Die Hauptbewaffnung ist die 125-mm-Kanone 2A46-2. Die Reichweite beträgt, je nach Munitionsart, zwischen 3 und 4 km. Rohr-gestartete Raketen zur Panzerbekämpfung haben eine Reichweite bis zu 5 km. Die Kanone wird von einem Autolader mit Munition versorgt.
Aktuellen Schätzungen zufolge hat Russland etwa 270 T-80BVM und 200 T-80BV/U im Einsatz. Durch Fotos und Videos ist bekannt, dass Russland im Krieg gegen die Ukraine bisher mindestens 1.244 T-80s, in verschiedenen Varianten, verloren hat.