Digital Life

Rebellion gegen das Smartphone: iPod und Digicam sind zurück

Erst kamen bauchfreie Tops und Hüfthosen zurück. Parallel dazu feiert jetzt auch die Technik aus den 2000er-Jahren ein Comeback. MP3-Player und Digicams sind plötzlich wieder cool. Ist das nur Nostalgie oder schon ein kleine Rebellion gegen das Smartphone? 

Vor 25 Jahren stellte Apple iTunes vor. Es war ein erster Geniestreich von Steve Jobs, der das strauchelnde Unternehmen vor der Pleite bewahren sollte. iTunes war aber nur das Vorspiel: Wenige Monate später präsentierte Apple den ersten iPod und machte bis dahin nischige MP3-Player massentauglich. Ab 2003 konnte man Musik dafür direkt online kaufen. Es war eine Generalprobe für das iPhone, das 2007 als Weltneuheit Geschichte schrieb. 2026 können wir gigantische Musikbibliotheken über Spotify und ähnliche Dienste ständig streamen. Der iPod wirkt in seiner Begrenztheit fast ein bisschen lächerlich.

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Der iPod ist zurück

Neuerdings ist der legendäre MP3-Player zurück, obwohl ihn Apple 2022 endgültig eingestellt hat. Von New York bis Peking, überall dort, wo die coolen Kids unterwegs sind, sieht man den iPod wieder. TikToker präsentieren ihn stolz: Ein Hunderttausendfach geliktes Video zeigt etwa einen mit Stickern beklebten iPod und pinke JVC Clip-On-Headphones. Darüber hat die Erstellerin „f*ck Spotify“ geschrieben – sie hat wohl genug vom algorithmischen Endlos-Musikstreaming.

Die österreichische Musikerin Willma Star hat dem iPod kürzlich sogar einen Song gewidmet. „iPod so laut und du denkst du weißt, was ich brauch. Ich bin zoned out“, singt sie auf TikTok

Der Tech-Welt ist der Hype nicht entgangen. Anfang Februar sprach sich sogar der iPod-Erfinder Tony Fadwell für ein Comeback aus. Die Zeit sei reif: „Der iPod ist aus nostalgischer Sicht für alle Leute interessant, die sagen: ‚Oh, ich erinnere mich an den iPod‘, aber die sich jetzt nicht mehr ablenken lassen wollen“, meinte Fadell im Podcast des Tech-Journalisten Eric Newcomer.

Fadwell verweist auf einen wichtigen Punkt: im iPod ist nur Platz für eine Sache. Während sich die Smartphone-Hersteller untereinander daran messen, wer am meisten neue Features in das schnellste Handy packt, ist der Player das Gegenteil. Man kann dort nur Musik hören und scrollt nebenbei nicht durch einen endlosen Feed mit KI-Slop, checkt zwischendurch das Konto oder beantwortet Nachrichten.

Nachfrage nach Secondhand-Geräten

Bei Google stiegen die Suchanfragen im Vorjahr für den iPod Classic um 25 Prozent, 20 Prozent mehr interessierten sich für den iPod Nano, berichtet Axios. Auch die Plattform Willhaben meldet mehr Interesse. „Bei der Suche nach iPod lässt sich tatsächlich eine deutliche Zunahme feststellen: Hier gab es eine Steigerung bei den Stichwortsuchen auf unserem Marktplatz von rund 30 Prozent von Jänner 2024 auf Jänner 2025“, erklärt ein Sprecher gegenüber der futurezone. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich die Suchanfragen 2026 sogar verdoppelt.

Die junge Begeisterung für alte Technik beschränkt sich nicht auf den iPod. Laut Trendforschern macht sich bei jungen Menschen teilweise ein „digitales Burnout“ breit – sie entdecken nicht nur analoge Hobbies wie Handarbeiten neu, sondern auch Geräte, die offline bleiben. 

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Junge Trendsetter lieben Digicams

Neben iPods stehen auch jene Digicams bei der Gen Z hoch im Kurs, die ihre Hochzeit vor dem Smartphone hatten. „Ich habe eine Kamera von Nikon, eine Coolpix 7000, und ich nehme sie eigentlich überall hin mit: zu Parties, auf Reisen und mache die ganze Zeit Fotos“, erklärt die 19-jährige Studentin Marina Baur.

Angefangen habe sie damit 2023. „Bei einer Party kann ich Fotos machen und mein Handy in der Tasche lassen. Ich finde es richtig entspannend, dass ich nicht immer vor dem Handy bin“, sagt Marina: „Ich finde man kann mit einer Kamera einen Moment besser einfangen als mit einer Handykamera. Man ist präsenter und macht das Foto bedachter.“ Die Fotos findet sie außerdem schöner. 

Das Model Bella Hadid posiert auf Instagram mit Digicam

Der 25-jährige Daniel Rachbauer (@kommerziellefotografie) hat sich neben einer neueren Fujifilm X10 auch eine Canon Powershot G2 mit 4 MP besorgt, die 2001 auf den Markt kam. „Beide Kameras haben einen optischen Sucher, ein kleines Loch zum Durchsehen. Es ist ein anderes Gefühl, damit Fotos zu machen als mit einer neueren Kamera, bei der alles ganz schnell geht”, meint er. „Manche Leute würden sagen, es ist nervig, aber man nimmt sich dadurch mehr Zeit.“ 

Auch die Haptik mache einen Unterschied – es gefällt ihm, dass es Knöpfe für einzelne Funktionen gibt. Die Fotos überzeugen ihn mehr als die seines Smartphones. „Ich habe ein Sony Xperia Compact und meistens sind die Farben ziemlich schlecht und leblos. Sie hat vielleicht eine höhere Auflösung, aber die Kontraste wirken sehr ausgewaschen.“ 

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Retro-Filter sind uncool

Von Retro-Filtern, mit denen man Smartphone-Fotos im Nachhinein verschönert, halten Baur und Rachbauer wenig. „Ich bin generell kein Fan. Es ist vielleicht der leichtere Weg. Aber mit der Kamera ist es echter, authentischer und interessanter“, meint Baur. „In der Praxis ist es gar nicht so einfach. Wenn man es falsch macht, sieht es mit dem Retro-Filter billig aus”, findet Rachbauer. 

Die Bilder der G2 gefallen ihm deutlich besser. „Die Farbwiedergabe in der Kamera ist sehr gut und alles hat diesen weichen Look, weil sie eine geringere Auflösung hat, aber auch einen Glow-Effekt und ein bisschen Bloom. Es fühlt sich verträumter an. Alles ist ein bisschen cooler.“ Für beide löst das Fotografieren mit den Digicams auch nostalgische Gefühle aus – die Geräte und Fotos wecken glückliche Kindheitserinnerungen.

Klapphandys und Sony PSP

Besonders Mutige wagen noch mehr Experimente mit weiteren 2000er-Jahre-Geräten. Darunter etwa Motorola-Klapphandys, die Handheldkonsole Sony PSP und Discmans. Fest steht: Junge entdecken zunehmend wieder Geräte, die nicht mit dem Internet verbunden sind und rebellieren damit auch ein bisschen gegen das Smartphone – obwohl sie eine Welt ohne gar nicht mehr kennen. Aber manchmal sind sie offenbar auch lieber ohne Internet – „zoned out“.

Technik von damals prägt die Popkultur weitreichender: Während auf TikTok Werbung für Geräte aus den 2000ern in Dauerschleife läuft, ließ sich sogar schon Apple inspirieren: Vieles am Liquid-Glass-Look von iOS 26 erinnert an Frutiger Aero, eine „Ästhetik“, die ebenso zuerst auf TikTok die Runde machte. Der Stil mischt Technikoptimismus mit Naturelementen wie Wasser und Licht. Ob sich Apple noch dazu überreden lässt, den iPod zurückzubringen, ist eine ganz andere Frage. 

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Jana Unterrainer

Interessiert sich nicht nur dafür, was Technologie kann, sondern auch was sie mit uns macht. Sie schreibt am liebsten über KI, Digitale Trends und Wissenschaft.

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