Diese Fahrzeuge sollen mit Wasserstoff aus Wien fahren
Rund 650 Meter vom Wiener Gasometer entfernt befindet sich ein Areal der Wiener Netze. Seit 2024 versorgt eine Wasserstofftankstelle, Busse, Lkw und Pkw mit grünem Wasserstoff, der hier direkt vor Ort durch eine eigene Elektrolyseanlage von Wien Energie erzeugt wird. Mit einer Leistung von 3 Megawatt erzeugt die Elektrolyseanlage täglich bis zu 1.300 kg grünen Wasserstoff (H2) mit Ökostrom.
Am 29. Mai wurden am Gelände einige herausragende Wasserstofffahrzeuge vorgefahren, die den Schwerlastverkehr dekarbonisieren und die Abhängigkeit von Rohöl und fossilen Brennstoffen aus dem Ausland reduzieren sollen. „Wenn Sie Wasserstoff tanken, dann tanken Sie bei uns 100 Prozent grünen Wasserstoff aus erneuerbarem Strom aus Österreich“, erklärt Johannes Jungbauer, Abteilungsleiter Erneuerbarer Wasserstoff bei Wien Energie. Angesichts der aktuellen geopolitischen Situation und Spritpreise bemerkt er ein wachsendes Interesse an Wasserstoffantriebstechnologien.
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Akkus als Herausforderung bei Schwerlastfahrzeugen
„Im Pkw-Bereich sehen wir aktuell batterieelektrische Fahrzeuge eindeutig im Vorteil“, erklärt Jungbauer. „Dort, wo die batterieelektrische Mobilität an ihre Grenzen kommt, kann der Wasserstoff seine Vorteile ausspielen.“
Fahrzeuge kann man nicht mit unendlich großen Batterien ausstatten– gleichzeitig wirkt sich ihre Größe auf das Gewicht und dieses auf die Reichweite des Fahrzeuges aus. Bei einem Schwerlastfahrzeug wie einem Lkw oder Bagger bräuchte man dann einen verhältnismäßig größeren Akku. Dazu kommen bestehende Gewichtsbeschränkungen für Schwerlastfahrzeuge auf Autobahnen. Wasserstoff biete hier Vorteile: Ein Kilo Wasserstoff entspricht 3 Litern Diesel, und bietet damit eine Alternative für dieselbetriebene Schwerlastfahrzeuge.
Ein mit Wasserstoff betriebener Lkw aus Schweden parkte am Gelände der Wiener Netze.
© Wien Energie/Max Kropitz
Wasserstoff-Traktor von der TU Wien
Ein Highlight der Fahrzeugausstellung ist der FCTRAC Traktor, den Forscher mit einem elektrischen Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb ausgestattet haben. „Das Ziel war, einen bestehenden Dieseltraktor auf Brennstoffzellenantrieb umzurüsten, der die gleiche Leistungsfähigkeit hat und mit dem man die gleichen Arbeiten machen kann“, erklärt Christian Junger von der TU Wien.
Parallel zum Traktor wurde auch eine Anlage namens BioH2Modul entwickelt, die unter anderem aus Holzabfällen Wasserstoff erzeugt und gekoppelt mit einer Tankstelle den Traktor nahe beim Einsatzort versorgen kann. „Man nimmt eine bestehende Holzgasanlage und erzeugt damit Wärme und Strom. Aus diesem Holzgas kann man dann auch hochreinen Wasserstoff erzeugen, mit dem man dann das Fahrzeug betanken kann“, so Junger.
Der FCTRAC Traktor wurde unter anderem in St. Valentin oder im Wiener Umland im realen Feldeinsatz getestet. Auf wie viele Betriebsstunden die H2-Landmaschine mit einer Tankfüllung kommt, hänge von der verrichteten Arbeit ab: „Mit einem Fahrzeug in dieser Leistungsklasse von 100 kW macht man typischerweise eher leichtere Grünlandarbeiten, Mähen oder Düngerstreuen, wozu man eher wenig Leistung braucht. Das heißt: Im Schnitt braucht man 80 Prozent der Zeit nur 40 Prozent der installierten Leistung“, sagt Junger.
Vollbetankt fahre die Landmaschine dann ca. einen halben Tag, bei schwererer Bodenbearbeitung nimmt die Betriebszeit natürlich ab. Aber, durch das BioH2Modul kann der Traktor in kurzer Zeit wieder mit Wasserstoff versorgt werden.
Bagger von JCB bereits in Serie
Am Gelände ist auch ein Wasserstoff-Bagger von JCB ausgestellt. In Wien habe die PORR bereits einen dieser Wasserstoff-Bagger im Bautrupp für den Störungsdienst der Wiener Netze im Einsatz. „Vor einem Jahr hat es global nirgendwo so eine Infrastruktur gegeben wie in Wien. Die Wiener Stadtwerke sind da extrem voraus“, erklärt ein Sprecher von JCB.
Im Unterschied zu anderen Lösungen fährt dieses Fahrzeug nicht mit einer Brennstoffzellentechnologie, sondern mit einem Wasserstoffmotor.
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Wasserstoff-Bagger von JCB und Liebherr.
© Wien Energie/Max Kropitz
Eine Tankstelle für jedes Bundesland
Neben der Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff spielt auch der Preis eine Rolle, der etwa mit dem von Diesel oder elektrischem Strom vergleichbar sein müsste. „Wenn zu wenig Nachfrage da ist, kann Wasserstoff auch nicht zu Preisen angeboten werden, die notwendig sind“, erklärt Jungbauer.
Er befürwortet die AFIR-Richtlinie, die alle 200 km auf den TEN-T-Korridoren eine öffentliche Wasserstoff-Tankstelle vorsieht. „Da kommen wir in Österreich auf ungefähr 9 Tankstellen, eine in jedem Bundesland. Ich glaube, damit wäre schon ein großer Grundstein gelegt, damit es dann erfolgreich weitergehen kann.“
Wien Energie als Vorreiter
Wien Energie macht vor, wie es geht: 2 Zapfsäulen stehen in Simmering zur Betankung bereit. 2 weitere befinden sich in der Leopoldau. „Wir könnten praktisch acht Fahrzeuge pro Stunde abwickeln“, erklärt Jungbauer. 20 kg Wasserstoff, also einmal volltanken, dauerten etwa 10 Minuten. Zu den Fahrzeugen, die hier tanken, gehören derzeit unter anderem 21 Wasserstoffbusse.
Die 2 Zapfsäulen in Simmering versorgen Lkw mit Wasserstoff.
© Wien Energie
Die Elektrolyse erfolgt direkt vor Ort: „Der Sauerstoff wird abgelassen, und der Wasserstoff wird über ein Rohr zum Verdichter geleitet“, sagt Jungbauer. Der verdichtete Wasserstoff wird in Hochdruckspeichern vorgehalten und bei Bedarf an 2 Zapfsäulen abgegeben, wo Fahrzeuge mit 350 Bar und 700 Bar betankt werden können.
Zusätzlich gibt es in Simmering zwei Trailerabfüllstationen zur Versorgung von Fahrzeugen an anderen Orten. „2021 haben wir mit der ersten Betankung begonnen, seit Ostern 2024 erzeugen wir selbst grünen Wasserstoff“, erklärt Jungbauer.
Letztendlich könne Wien Energie aber auch nur mit gutem Beispiel vorangehen. Damit es klappt, will man andere mit ins Boot holen. Zusammen mit Logistikern, anderen Energieversorgern, Fahrzeugherstellern und der Industrie will man den Wasserstoff-Markt stärken.
Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Wien Energie und der futurezone.