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Wie ein Grazer mit Zwergen die Spielewelt für sich gewinnt

Die Entwicklung von Videospielen ist ein Multimillionen-Dollar-Business. Bevor Games veröffentlicht werden, werden Marktanalysen gemacht, Zielgruppen erschlossen und Inhalte optimiert. Besonders schwer haben es kleine Indie-Studios, hinter denen keine Konzerne stehen. Sie müssen nicht nur ein Spiel entwickeln, das den Zeitgeist trifft, sondern auch ordentlich die Marketingtrommel rühren, um überhaupt gesehen zu werden. 

Ab und zu gelingt es Entwicklern aber, dem ganzen System zu trotzen. Zum Beispiel dem Grazer Rafael Weilharter. Sein erstes großes Spiel "Dwarves: Glory, Death and Loot" wurde zum Überraschungshit. Damit gerechnet hat er nicht. "Ich habe damals genau das gemacht, was ich selbst gerne spielen würde, ohne jemals ein Feedback einzuholen. Und anscheinend denken viele in meiner Generation genau gleich", erzählt der 35-Jährige der futurezone. 

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10 Zwerge, sie zu knechten

Der Auto-Runner erinnert an die Ära der Flash-Games der 2010er-Jahre. Ziel ist es, eine Zwergentruppe mit maximal 10 Einheiten anzuheuern. Sie treten gegen Gegner wie Orks und Drachen an und müssen dafür taktisch klug aufgestellt werden. Es liegt dabei am Spieler, ihre unterschiedlichen Fähigkeiten wie Stärke, Intelligenz und Geschwindigkeit, ideal in der Schlacht einzusetzen - zum Beispiel als vorausrennende Tanks oder zurückfallende Magier.  

Als Spieler ist man also eine Art Schlacht-Manager. Schickt man die Zwerge einmal los, müssen sie perfekt gewappnet sein, um gegen die Gegner zu bestehen. Denn eingreifen kann man dann kaum mehr. Gewinnt man die Schlacht, können neue Verbesserungen für die Zwerge gekauft, neue Waffen geschmiedet und wie in einem Rollenspiel Fähigkeiten aufgewertet werden.

So arbeitet man sich von Level zu Level vor, um seine kleine Zwergenarmee zum Sieg zu führen. Die Pixelgrafik mag simpel wirken, vermittelt aber einen ansprechenden, bunten Retro-Look. Ein besonderes Highlight ist der dramatische, orchestrale Soundtrack, dessen Trommeln Spieler gedanklich mitten in ein Zwergen-Kriegslager versetzt. 

4 Monate Entwicklung, 4 Jahre bis zum Release

Weilharter entwickelt schon seit 2015 kleine Android-Spiele, damals noch neben seinem Telematik-Studium an der TU Graz. Die waren eigentlich nur für seine Freunde gedacht. Dwarves war das erste Spiel, für das er auch im Netz Werbung machen wollte. 

Die Demo-Version sei in nur 4 Monaten fertig gewesen, erzählt er. 2022 lud er diese dann auf die Self-Publishing-Plattform itch.io hoch - bis das finale Spiel erschien, folgte aber ein 4 Jahre langer wilder Ritt. 

Er teilte das Spiel auf Reddit, um Feedback einzuholen - und legte damit den Grundstein für den heutigen Erfolg. Immer mehr Nutzer spielten die Demo, gaben Verbesserungsvorschläge und animierten Weilharter dazu, Dwarves auch auf Steam verfügbar zu machen, wo es seit 2023 als Early-Access-Version verfügbar war. Das bedeutet, Spieler können das Game bereits kaufen, bevor es fertig ist und erhalten immer wieder Updates, können Fehler melden und Wünsche äußern.

Durchbruch in China

"Über Reddit wurden dann Influencer auf das Spiel aufmerksam, vor allem aus China." Dort wurde es über die chinesische YouTube-Alternative Bilibili mit Millionen Aufrufen zum Hit. "Plötzlich habe ich ganz viele Anfragen von chinesischen Publishern bekommen und wusste erst gar nicht, was jetzt los ist", erinnert sich Weilharter. 

Entschieden hat er sich dann für Gamersky Games, die das Spiel seither in Asien betreuen. Dort machte er etwa 3 Viertel seines Umsatzes. Das war genug, um nach seinem Phd-Abschluss Ende 2024 die Entscheidung zu treffen, Vollzeit als Spieleentwickler zu arbeiten. Ein Jahr gab er sich Zeit, um zu sehen, ob das eine Zukunft hat.

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Deutscher Streamer holt die Zwerge ins Portfolio

Es zieht sich wie ein Roter Faden durch die Erfolgsgeschichte: Erneut war es Reddit, worüber Weilharter eine wichtige Nachricht erreichte. Ein Mitarbeiter der deutschen Firma Sidekick Publishing wollte "Dwarves" ins Portfolio aufnehmen. Die junge Firma wurde unter anderem vom erfolgreichen deutschen Twitch-Streamer HandofBlood (Maximilian Knabe) gegründet. Im Februar 2025 stellte dieser das Spiel dann erstmals in seinem Stream vor. 

Mit 250.000 Verkäufen zum Traumberuf

Am 22. Jänner ist das Spiel in seiner finalen Version offiziell erschienen. Seit 2023 verkaufte es sich beeindruckende 250.000 Mal. Das ermöglicht es Weilharter, der inzwischen mit Hamma Studios seine eigene Firma gegründet hat, zumindest für einige Jahre weiter zu entwickeln. "Ich bin davon ausgegangen, dass ich halt in meinem Feld der Computer Science arbeite, was ich studiert habe. Aber jetzt bin ich sehr happy, dass ich Spiele entwickeln kann. Das war ja immer mein Traum."

Und dieser Traum soll weitergehen. Während Weilharter weiterhin Updates für "Dwarves" herausbringen möchte, arbeitet der Solo-Entwickler schon an seinem nächsten Spiel. "Ich arbeite unglaublich gern allein, weil dann kann nur ich mich selbst aufhalten. Ich habe jetzt mit vielen Übersetzern zusammengearbeitet und es stört mich jedes Mal, dass ich so lange warten muss. Wenn das nur an mir hängt, ist das so praktisch, ich liebe das."

"Ein komischer Werdegang"

Die Erfolgsgeschichte von “Dwarves” ist gleichzeitig ermutigend wie ungewöhnlich. “Es ist ein komischer Werdegang. Es passiert eigentlich ganz selten, dass ein Publisher ein Spiel nach dem Early Access noch aufnimmt." Sicherlich ist wie bei allen Überraschungshits auch Glück dabei - Glück von Spielern gesehen zu werden, Glück von Influencern gestreamt zu werden, Glück von Publishern ins Programm genommen zu werden. 

Aber Glück alleine reicht nicht, das Spiel muss auch liefern was es verspricht. Und mit "Dwarves" konnte Rafael Weilharter eine Lücke am internationalen Markt füllen und so eine große internationale Zielgruppe abholen. 

Dwarves: Glory, Death and Loot kostet für PC (Steam) und Nintendo Switch jeweils 14,99 Euro. Die Versionen für Android (PlayStore) und iOS (App Store) kosten 4,99 Euro - und lassen sich aufgrund der kleinteiligen Inhalte am besten auf einem Tablett spielen. Die Demo kann kostenlos auf itch.io ausprobiert werden.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction. Co-Host des Podcast "Raumfahrtgeschichten".

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