Apple hat Angst, „Perversling-Brillen“ zu verkaufen
Bisher dominiert Meta den Markt für smarte Brillen – und hat sich nebenbei schon ein zweifelhaftes Image eingefangen. So wie die Träger der Google Glass vor mehr als 10 Jahren als „Glassholes“ (ein Kofferwort aus „Glass“ und „Asshole“) beschimpft wurden, werden heute vorrangig Männer mit Metas KI-Brillen bezichtigt, „Perverslinge“ zu sein. Denn mit den Geräten lassen sich recht unauffällig Videos anfertigen, was viele übergriffige Männer dazu bringt, ungefragt Frauen zu filmen.
➤ Mehr lesen: „Perversling-Brillen“: Träger von Smart Glasses schämen sich
Neben Samsung will sich auch Apple in dieses neue Geschäftsfeld vorwagen. Für das Unternehmen, das sich gerne privatsphärenorientiert gibt, ist das negative Image der Produktkategorie ein Problem, wie Mark Gurman bei Bloomberg berichtet.
Privatsphäre-Bedenken ausräumen
Demnach hätten Apples smarte Brillen – momentan mit dem Codenamen N50 versehen – noch dieses Jahr vorgestellt werden sollen. Doch es kommt zu Verzögerungen, die nicht allein auf die Produktentwicklung zurückzuführen sind.
Daher peilt man die WWDC im Juni 2027 für eine Vorstellung der neuen Brillen an, auf den Markt würden sie dann erst Ende des Jahres kommen. Bei Apple sei die höchste Priorität, bis dahin Bedenken zur Privatsphäre auszuräumen, so Gurman.
➤ Mehr lesen: Privatsphäre-Albtraum: Meta testet Smart Glasses, die immer alles aufzeichnen
Es gibt derzeit viele, die sich in Anwesenheit von Menschen mit Smart Glasses nicht wohlfühlen. Sie haben die berechtigte Furcht, im öffentlichen Raum ungewollt aufgenommen zu werden. Das hat bereits zu Regulierung der Technologie auf verschiedenen Ebenen geführt. New Yorker Gerichte haben das Tragen von smarten Brillen untersagt, im Bildungskontext und in manchen Veranstaltungslocations sind sie ebenfalls teils verboten.
Brille ohne Kamera denkbar
Es wird eine Gratwanderung für Apple werden, seinen Ruf als privatsphäre-freundlicher Hersteller durch smarte Brillen nicht zu gefährden. Gurman spekuliert, dass Apple sich daher auf Datenverarbeitung direkt auf dem Gerät – nicht auf Firmenservern wie bei Meta – entscheiden wird. Auch Gesichtserkennungsfeatures dürfte es nicht geben.
Möglicherweise verzichtet Apple gänzlich auf die Kamera. Die Brille hätte dann aber kaum mehr Nutzen als die weit kleineren AirPods, mit denen man Musik hören, telefonieren und die KI-Siri befragen kann. Eine Alternative wäre, eine eingebaute Kamera allein als Datenquelle für KI-Tools zu verwenden, während Trägerinnen und Träger damit keine Fotos oder Videos machen können. Dies sei aufgrund der vielen Schwächen von Apples KI-Modellen aber nicht besonders wahrscheinlich, so Gurman.
AirTags und Stalker
Apple hat bereits die Erfahrung gemacht, dass seine Produkte in größerem Maßstab missbraucht werden: AirTags sollten eigentlich helfen, verlorene Gegenstände wiederzufinden. Allerdings wurden sie auch von Stalkern verwendet, die damit ihre Opfer verfolgten.
➤ Mehr lesen: Wie schützt man sich vor Stalking mit AirTags?
Die Geräteortungsfunktion „Wo ist?“ wurde daraufhin erweitert: Sie zeigt Nutzerinnen und Nutzern an, wenn sich ein (unbekannter) AirTag mit ihnen mitbewegt.