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Huawei Mate 10 Pro: Mit KI-Smartphone gegen das Note 8

Huawei hat am Montag sein neues Smartphone-Flaggschiff Mate 10 Pro vorgestellt. Mit dem Mate 10 Pro will der chinesische Konzern vor allem Samsungs Galaxy Note 8 herausfordern. Das Mate 10 Pro, das von Huawei als ein “KI-Smartphone” beworben wird, setzt auf ein sechs Zoll großes AMOLED-Panel mit besonders dünnem Rahmen. Diese seien im Vergleich zum Vorgänger um bis zu 40 Prozent schmaler, wodurch das Mate 10 Pro den Maßen eines 5,5-Zoll-Smartphones entsprechen soll.

NPU neben CPU und GPU

Die wohl wichtigste Neuerung stellt der bereits im Vorfeld vorgestellte System-on-a-Chip Kirin 970 dar, der neben den acht CPU-Kernen (je vier A73- und A53-Kerne) auch über eine Neural Processing Unit (NPU) für komplexe Berechnungen, beispielsweise für Machine Learning, verfügt. Huawei will diese nutzen, um den Nutzer zu unterstützen, beispielsweise beim Fotografieren. Künftig soll auch die NPU die App- und Speicherverwaltung übernehmen, die Akku sparen und dafür sorgen soll, dass das Smartphone auch nach 18 Monaten genauso leistungsfähig wie am ersten Tag sei.

Bei der technischen Ausstattung gibt es kaum Überraschungen. Neben dem hauseigenen SoC Kirin 970 wurden sechs Gigabyte Arbeitsspeicher, 128 Gigabyte an internem Speicher sowie ein Typ-C-Stecker verbaut, der nun endlich auch USB 3.1 unterstützt. Ein wichtiger Schritt, der auch durch den Wegfall des 3,5-mm-Klinkensteckers notwendig wurde. Im Lieferumfang sind jedoch USB-C-Kopfhörer sowie ein USB-C-auf-Klinke-Adapter enthalten. Das Mate 10 Pro ist zudem auch IP67-zertifiziert und somit vor Wasser und Staub geschützt.

Zwei Tage Akkulaufzeit

Wie bei Samsung, LG und Apple wird nun HDR 10 unterstützt, das für einen höheren Kontrast bei der Videowiedergabe sorgen soll. Auch beim Bildverhältnis folgt man dem Branchentrend und setzt nun auf 18:9 statt 16:9. Dadurch ist das Smartphone etwas schmaler als andere Geräte mit gleicher Bildschirmdiagonale, fällt aber auch deutlich länger aus. Die Auflösung beträgt 2160 mal 1080 Pixel, wodurch eine Pixeldichte von 402 ppi erreicht wird. Die neu entwickelte Panel-Technologie wurde “FullView” getauft.

Auch auf Soft Keys wird vollständig verzichtet, der Fingerabdrucksensor befindet sich auf der Rückseite. Der Nutzer hat nun die Wahl zwischen dem Android-Menü sowie Wischgesten, mit denen der Nutzer, ähnlich wie beim P10, Funktionen wie “Zurück” oder “Home” rasch und einhändig ausführen kann.

Wie beim Vorgänger wurde ein 4000 mAh starker Akku verbaut, der laut Huawei zumindest zwei Tage Nutzung erlauben soll. Offiziell werden bis zu 20 Stunden Videowiedergabe, 30 Stunden Telefonieren über 3G oder 20 Stunden Surfen über das 4G-Netz angegeben. Der Akku kann dank der proprietären SuperCharge-Technologie binnen 30 Minuten auf bis zu 58 Prozent geladen werden. Laut Huawei sei die Technologie “Superfast and Supersafe”, weil sie vom TÜV Rheinland als sicher zertifiziert wurde - eine Maßnahme, die man wohl im Zuge des Note-7-Skandals durchführen ließ.

KI soll beim Fotografieren helfen

Huawei setzt weiterhin auf seine Partnerschaft mit Leica und ein Dual-Kamera-Setup, bestehend aus Farb- und Monochrom-Sensor. Wie beim P10 kommen von Leica gefertigte “Summilux”-Linsen zum Einsatz, die eine etwas höhere Lichtstärke (f/1.6 statt f/1.8) aufweisen sollen. Bei der Auflösung der Sensoren bleibt hingegen alles beim Alten. Der Farbsensor löst weiterhin mit 12 Megapixel auf, wohingegen der Monochrom-Sensor bis zu 20 Megapixel aufnehmen kann. Es ist weiterhin ein optischer Bildstabilisator verbaut, der wohl insbesondere bei Aufnahmen mit dem “Hybrid Zoom” von Vorteil sein dürfte. Diese Funktion ermöglicht dank der unterschiedlichen Brennweiten der beiden Kameras verlustfreien zweifachen Zoom.

Die wohl größte Verbesserung sei laut Huawei aber erst durch den Kirin 970 möglich. Dieser verfüge dieses Mal über zwei Bildprozessoren, wodurch Aufnahmen schneller verarbeitet werden. Zudem werde die NPU (Neural Processing Unit) herangezogen, um “intelligente” Aufnahmen anzufertigen. So wird die Aufnahme bereits gestartet, bevor der Nutzer den Auslöser betätigt. Dadurch sollen insbesondere Motive in Bewegung gut eingefangen werden können. Möglich wird das durch eine intelligente Motiverkennung, die nicht nur äußere Umstände, wie Lichtverhältnisse, berücksichtigt, sondern auch die Szene und die zu fotografierenden Objekte erkennt. Insgesamt können 13 verschiedene Szenen erkannt werden, darunter auch separate “Hunde”- und “Katzen”-Modi. Zudem wurde laut Huawei der Portrait-Modus, bei dem automatisch ein DSLR-ähnliches Bokeh erzeugt wird, bei Gruppen-Selfies verbessert.

Von EMUI 5.1 auf 8.0

Mit dem Mate 10 Pro macht die Huawei-Software auch einen großen Sprung. Nach EMUI 5.1 wird nun EMUI 8.0 veröffentlicht - weil Huawei das Namensschema an die Android-Versionen anpasst und das Smartphone mit Android 8.0 alias “Oreo” veröffentlicht wird. Die neue Software wurde vor allem an den neuen SoC angepasst. So schlägt die von der NPU gesteuerte “Experience Engine” nun auf Basis des Nutzerverhaltens bestimmte Funktionen vor. Liest der Nutzer beispielsweise längere Zeit am Abend ein eBook, schlägt die Software automatisch den Blaulichtfilter vor, um die Augen zu schonen. Laut Huawei werden dank der NPU alle Daten lokal verarbeitet, der chinesische Konzern selbst erhalte keinerlei Zugriff auf die erfassten Daten.

Des weiteren können auch andere Apps die Rechenkraft der NPU nutzen. Dazu werden die APIs von TensorFlow und Caffe unterstützt. Als erster Partner konnte Microsoft gewonnen werden, dessen Übersetzungs-App auf die NPU zurückgreift. Außerdem gibt es nun eine “Smart Splitscreen”-Funktion, bei der eine App über eine Benachrichtigung im Splitscreen-Modus gestartet werden kann. Wie bei Samsung kann das Mate 10 Pro zudem auch in einen PC-Ersatz verwandelt werden. Doch während man bei Samsung die optionale DeX-Dockingstation benötigt, benötigt man beim Mate 10 lediglich einen USB-C-auf-HDMI-Adapter. Das Smartphone kann im Docking-Modus normal bedient oder als Eingabegerät für den Desktop verwendet werden. Die Oberfläche ist einem Windows-Desktop nachempfunden, tatsächlich handelt es sich aber nur um aufgeblasene Android-Apps.

Vorerst nur Pro-Modell

In Österreich soll das Smartphone vorwiegend in den Farben “Titanium Gray” und “Mocha Brown” angeboten werden. Ob das hellblaue (“Midnight Blue”) und goldene (“Pink Gold”) Modell auch hierzulande auf den Markt kommen, ist vorerst unklar. In Österreich ist das Mate 10 Pro ab Mitte November um 799 Euro (UVP) erhältlich.

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Michael Leitner

derfleck

Liebt Technik, die Möglichkeiten für mehr bietet - von Android bis zur Z-Achse des 3D-Druckers. Begeistert sich aber auch für Windows Phone, iOS, BlackBerry und Co. Immer auf der Suche nach "the next big thing". Lieblingsthemen: 3D-Druck, Programmieren, Smartphones, Tablets, Open Hardware, Videospiele

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