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Sind Powerbanks im Flugzeug wirklich gefährlich?

Bei dem konstanten Brummen der Triebwerke hat niemand das verdächtige Zischen gehört. Erst als Rauch aus dem Gepäckfach austritt, werden die Passagiere darauf aufmerksam. Einer öffnet das Fach, ihm schlagen Flammen entgegen. Eine Tasche brennt, die Kabine füllt sich mit Rauch. Das Flugpersonal eilt mit Feuerlöschern herbei, der Pilot leitet eine Notlandung in Shanghai ein.

Die 160 Passagiere und Crew-Mitglieder dieses Air-China-Flugs im Oktober des Vorjahres blieben unverletzt. Weil sich solche Vorfälle mit Powerbanks aber häufen, reagieren jetzt Fluggesellschaften weltweit. Auch bei der Lufthansa-Gruppe gelten seit Kurzem strengere Regeln für solche Geräte als für Smartphones und Notebooks.

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Dabei sind Powerbanks ein beliebtes Utensil für den Urlaub. Im Grunde sind es Akkus, mit denen man die Akkus anderer Geräte – wie Handy, Laptop oder Spielkonsole – unterwegs aufladen kann. Zudem sind sie mittlerweile preiswert und kompakt: Handflächengroße Powerbanks, mit denen man ein leeres Smartphone 2 bis 4-mal komplett laden kann, gibt es schon ab 20 Euro.

Powerbank von VRURC mit 20.000 mAh Leistung

Viel elektrische Energie = viel thermische Energie

Und das ist eines der aktuellen Probleme bei Powerbanks. Denn je mehr elektrische Energie gespeichert ist, desto mehr Energie wird im Falle eines Defekts freigesetzt – im schlimmsten Fall in der Form von Feuer und Hitze, zu denen auch noch giftige Dämpfe dazukommen. Die Brandursache bei Powerbanks ist dabei genau dieselbe wie bei Akkus in Smartphones und anderen Geräten: ein Kurzschluss.

Der passiert, wenn die hauchdünne Trennschicht (Separator) zwischen Kathode und Anode beschädigt wird, die, je nachdem, ob geladen oder entladen wird, als Plus- und Minuspol fungieren. Es entsteht Hitze, die weitere Beschädigungen hervorrufen kann und im schlimmsten Fall eine Kettenreaktion. Dieses explosionsartige Abbrennen der Batterie wird Thermal Runaway genannt.

Eine Beschädigung des Separators entsteht oft nicht sofort, etwa wenn die Powerbank einmal runterfällt. Stattdessen sind es immer wieder kleine Erschütterungen und die Temperaturwechsel beim Laden und Entladen, die an der Stabilität nagen.

Erschwerend kommt der Formfaktor hinzu. Früher waren Powerbanks mit hoher Kapazität regelrechte Ziegel. Heute sind sie klein und schlank, was heißt, dass die Komponenten des Akkus dichter gepackt sind. Das ist unvorteilhaft für die Hitzeentwicklung und die dünneren Gehäuse bieten weniger Schutz vor Erschütterungen und Verbiegen. Ebenso sind die Ladegeschwindigkeiten (werden in Watt angegeben) von Smartphones und Powerbanks gestiegen, auch das sorgt für mehr Wärme.

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Tipps zur Handhabung

Das heißt nicht, dass jede Powerbank irgendwann explodiert. Es ist dennoch sinnvoll, das Risiko so weit wie möglich zu senken. So sollte man Powerbanks nicht bei hoher Hitze lagern (in der prallen Sonne liegen lassen) und schon gar nicht nutzen. Auch schnelle Temperaturwechsel sollte man vermeiden. War sie etwa beim Skifahren den ganzen Tag im Rucksack, sollte man sie nicht sofort verwenden, wenn man in die Hütte einkehrt, sondern erst 15 bis 20 Minuten akklimatisieren lassen. Stürze und Fallenlassen der Powerbank sollte man genauso vermeiden, wie das Verbiegen.

Wenn die Powerbank schon so aufgebläht ist: Gut mit Klebeband umwickeln (nicht zusammendrücken dabei!), in einen feuerfesten Behälter geben und zum Altstoffsammelzentrum oder Mistplatz bringen.

Merkt man, dass die Powerbank aufgebläht ist, sollte man sie unter keinen Umständen mehr verwenden. Stattdessen sollte sie in ein feuerfestes Behältnis gegeben werden (z.B. Metallbox, Kübel mit Sand) und zu einem Altstoffsammelzentrum oder Mistplatz gebracht werden. Die nächsten Adressen dafür findet man auf hermitleer.at, wo man auch nach Sammelstellen für defekte Akkus suchen kann. Achtung: Aufgeblähte Powerbanks haben weder in der Batteriesammelbox noch im Restmüll etwas zu suchen.

Sollte die Powerbank gar zu rauchen oder brennen beginnen, reicht ein Handfeuerlöscher oft nicht aus. Kann man sie bis zum Eintreffen der Feuerwehr nicht in Wasser versenken, bringt man sie am besten an einen Ort, wo sie möglichst sicher abbrennen kann. Im Zweifelsfall haut sie man sie aus dem Fenster in den Hof (bitte darauf achten, dass niemand dort steht oder trockenes Laub herumliegt). Im Flugzeug geht das natürlich nicht: Hier ist die Mitte des Gangs, möglichst weit weg von Gepäckstücken und Kleidung, noch der beste Platz, bis die Flugbegleiter mit Feuerlöscher und feuerfester Box anrücken.

Tipps für den Kauf

Eine 100-prozentige Methode, um eine „sichere“ Powerbank zu kaufen, gibt es nicht. Ein Indiz kann das CE-Logo sein, das klein auf der Powerbank zu sehen sein sollte. Dies gibt an, dass das Produkt den Sicherheitsstandards der EU entspricht. Will man nach China reisen oder steigt über China um, sollte die Powerbank auch das CCC-Logo haben.

Ohne diesem darf die Powerbank nicht auf Inlandsflüge in China. Da diese Regel noch jung ist, könnte es beim Security Check auch bei anderen Flügen Probleme geben, weil das Personal noch nicht ausreichend geschult wurde und prinzipiell alle Powerbanks ohne CCC-Logo einkassiert.

EIn Akku der Marke Lionshield wir mit CE- und CCC-Logo beworben.

Ein Problem ist, dass diese Logos von manchen Noname-Anbietern, die ihre Ware etwa über chinesische Billigportale anbieten, gefälscht werden: Die Powerbank trägt dann diese Zeichen, ohne, dass sie entsprechend zertifiziert wurde.

Auf den Hersteller achten

Helfen kann es, wenn man sich an namhafte Hersteller von Powerbanks hält, oder solche, die einen guten Ruf in dieser Produktkategorie haben. Dazu gehören u.a. Anker, Baseus und Ugreen. Aber auch hier ist man nicht gänzlich sicher. Anker hat etwa 2025 mehrere Powerbanks freiwillig wegen Brandgefahr zurückgerufen.

➤ Mehr lesen: Anker ruft 5 weitere Powerbanks wegen Brandgefahr zurück

Aber: Bei Anker erfährt man zumindest von dem Rückruf und wird entsprechend entschädigt. Noname-Billiganbieter sagen einfach nicht, wenn es Probleme gibt und verkaufen womöglich dieselben schadhaften Produkte einfach unter einem anderen Label weiter, wenn dann doch in sozialen Netzwerken oder Medien davor gewarnt wird.

Viel Leistung auf kleinem Raum

Schließlich sollte man sich fragen: Brauche ich überhaupt eine Powerbank mit extrem hoher Leistung? Für viele Nutzer werden 10.000 mAh reichen (wenn man nicht gerade in der Wildnis campt). Das reicht, um gängige Smartphones 2-mal voll aufzuladen.

Von auffällig günstigen Powerbanks, die sehr viel Leistung versprechen, wie etwa 30.000 oder 40.000 mAh für unter 30 Euro, sollte man lieber die Finger lassen. Sollte die versprochene Leistung wirklich so hoch sein, ist auch das Risiko, dass hier Schäden durch Hitzeentwicklung oder Mikroerschütterungen entstehen, höher – und im Falle eines Brandes wird auch mehr elektrische Energie zu thermischer Energie.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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