Herzstillstand: Neue App hilft Laien bei der Wiederbelebung
Vor wenigen Minuten stand die Kollegin noch mit einer Buttersemmel im Pausenraum. Nun liegt sie reglos am Boden – ein Herzstillstand. Jetzt zählt jede Minute. Denn bei einem akuten Herz-Kreislauf-Stillstand wird das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Mit jeder Minute ohne Wiederbelebungsmaßnahme sinkt laut der Deutschen Herzstiftung die Überlebenschance um 10 Prozent.
In Österreich erleiden jährlich rund 10.000 Menschen außerhalb eines Spitals einen Herzstillstand. Laut Statistik ist der plötzliche Herztod die dritthäufigste Todesursache in der westlichen Welt. Bei schneller Hilfe könnte aber der Großteil der Betroffenen – rund 70 Prozent – überleben.
Angst vor Fehlern
Viele Menschen haben jedoch Angst, bei der Reanimation Fehler zu machen, und zögern oft, bis sie reagieren. Um Ersthelfenden hier mehr Sicherheit zu bieten, haben Studierende des Bachelorstudium Gesundheitsinformatik am eHealth-Institut der FH Joanneum im Rahmen des Projekts CPRQuest eine plattformübergreifende mobile App entwickelt. Diese führt Laien in Echtzeit durch die Reanimation.
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„Unser Entwicklungsteam setzt sich unter anderem aus ausgebildeten Rettungssanitätern zusammen, die durch ihren täglichen Einsatz über umfassende Fachkenntnisse verfügen. Nach ihrer Beteiligung an der technischen Umsetzung haben wir analysiert, wie eine solche App für Laien im realen Einsatz gestaltet sein sollte“, sagt Projektleiter Hannes Hilberger der futurezone.
CPRQuest soll die Hemmschwelle fürs Helfen senken.
© FH JOANNEUM / Institut eHealth
Nutzer der App können auf der Hauptoberfläche mit einem Klick angeben, ob es sich bei dem Betroffenen um einen Säugling, ein Kind oder einen Erwachsenen handelt. Das Reanimationsprotokoll ist an diese Patientengruppen angepasst.
Verbaute Handysensoren
„Die Anwendung nutzt die in mobilen Geräten standardmäßig eingebauten Sensoren – insbesondere den Beschleunigungssensor und das Gyroskop“, sagt Hilberger. Letzteres ermöglicht die Berechnung von Geschwindigkeit und Tiefe der Kompressionen. Das Smartphone wird zwischen linke und rechte Hand des Ersthelfers gelegt und so während der Reanimation mit in die Brust gedrückt.
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Visuelles und akustisches Feedback hilft dabei, die CPR-Qualität zu verbessern, unter anderem, indem der Ersthelfer angeleitet wird, fester oder schneller zu drücken. „Die Anwendung enthält ein integriertes Metronom, das dem Anwender ein Taktgefühl vermittelt, um die richtige Geschwindigkeit für die Kompressionen zu gewährleisten. Zusätzlich wird er durch eine Sprachführung Schritt für Schritt durch den Prozess geleitet“, sagt Hilberger. Per GPS werden zudem automatisierte externe Defibrillatoren (AED) sowie die nächstgelegenen Spitäler lokalisiert und in der App angezeigt. Abschließend sei laut Hilberger eine Zusammenfassung des gesamten Reanimationsprozesses verfügbar.
Fakten
Beatmung
Um die Hemmschwelle zu senken, wird Ersthelfern seit 2010 die Wiederbelebung allein durch die Herzdruckmassage empfohlen. Die Mund-zu-Mund-Beatmung bleibt optional.
Hilfreiche Songs
Für CPR ist der Takt mehrerer Songs hilfreich, darunter „Another One Bites the Dust“ von Queen oder „Hollaback Girl“ von Gwen Stefani.
Defibrillator
Ein AED ist besonders hilfreich, wenn mindestens 2 Ersthelfer anwesend sind und diese wissen, wo in unmittelbarer Nähe ein AED installiert ist. So kann eine Person die Herzdruckmassage durchführen, bis die andere den Defibrillator holt. Nach Einschalten des Geräts folgen einfache Sprachanweisungen.
Interaktives Spiel
Die CPR-Frequenz können App-Nutzer im Vorfeld mit dem interaktiven „Takt-Klicker“-Mini-Game trainieren. Ziel des Spiels ist es, den richtigen Kompressionsrhythmus langfristig zu verinnerlichen. Dabei müssen sie im Takt einer Zielherzfrequenz von 110 BPM (Herzschläge pro Minute) auf den Bildschirm tippen. „Laut Literatur fördern Gamification-Ansätze grundsätzlich das Lernen und die Anwendung von Fähigkeiten“, betont Hilberger. Anwender könnten so eine Reanimation in Ruhe durchspielen und seien im Notfall besser vorbereitet, ohne sofort unter Druck handeln zu müssen.
Die App sei derzeit noch ein Prototyp. „Im nächsten Semester werden die Studierenden die Arbeit daran fortsetzen, mit dem Ziel, sie anschließend in den jeweiligen App-Stores für Android und iOS zu veröffentlichen“, sagt Hilberger.
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CPR mit Smartwatch
In einem nächsten Schritt sollen mögliche Entwicklungsprobleme identifiziert sowie Navigation und Nutzerfreundlichkeit verbessert werden. In einer späteren Version sei die Anwendung über eine Smartwatch geplant, um die CPR-Qualität noch weiter zu optimieren und die Lücke zwischen Laienhilfe und professionellen Standards zu schließen.
Neue Simulationspuppe revolutioniert Erste-Hilfe-Training
Von der Herzdruckmassage über die stabile Seitenlage: die lebensgroße Puppe am Boden steht medizinischen Fachkräften für diverse Erste-Hilfe-Übungen zur Verfügung. Auch wenn man mit ihr für den Ernstfall üben kann, ist ein Einsatz in der Realität aber nicht vergleichbar. Realitätsnahe Trainings sind allerdings kostspielig und schwer reproduzierbar.
Das könnte sich mit einer neuen Art von Erste-Hilfe-Training ändern. Das AIT Austrian Institute of Technology hat eine Lösung namens „Green Manikin“ entwickelt, mit der Erste Hilfe immersiver wird. Zum Einsatz kommt eine grüne Simulationspuppe in Kombination mit Mixed Reality (MR). MR verbindet die physische und digitale Welt, indem es virtuelle Objekte in die reale Umgebung einbettet und so interaktive Erlebnisse schafft.
Spracherkennung
Die Puppe gibt haptisches Feedback, verfügt über eine Echtzeit-Spracherkennung und ermöglicht durch Künstliche Intelligenz (KI) gesteuerte Interaktionen. Notfallmediziner können echte medizinische Geräte und Werkzeuge, wie etwa Beatmungsgeräte, anwenden. Über ein MR-Headset ist eine Vielzahl von Einsatzszenarien möglich. Durch diese immersive Lernumgebung sollen nicht nur technische Fertigkeiten verbessert werden, sondern auch die Fähigkeit, unter Stress wichtige Entscheidungen zu treffen.
Studien haben gezeigt, dass das MR-Training, bei dem auch Verhaltensdaten und Biosignale gemessen werden, ähnlich effektiv sind wie reale Einsatzübungen. Auch übertrifft es klassische Virtual-Reality-Trainings. Green Manikin soll Rettungsorganisationen, Sanitätern, Spitälern und zentralen Trainingszentren zur Verfügung stehen.