Start-up will mit Spiegel-Satelliten Erde nachts beleuchten
Das US-Start-up Reflect Orbital arbeitet an einem einzigartigen Geoengineering-Projekt. Es will Sonnenlicht mit 50.000 Satelliten, die die Erde umkreisen, nachts auf die Erde bringen. Das durch Spiegel umgeleitete Licht soll die Betriebszeiten von Solarparks verlängern.
Zulassung im Gange
Das Vorhaben ist schon länger bekannt. Eigentlich wollte das Start-up bereits Ende 2025 erste Kunden beliefern, doch daraus wurde nichts. Nun soll Reflect Orbital zumindest kurz vor der Zulassung eines ersten Prototypen stehen. Es handelt sich um einen Satelliten mit einem 18 Meter breiten Spiegel.
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Den Antrag hat das Start-up kürzlich bei der Federal Communications Commission, der für gestartete Satelliten zuständigen Behörde, eingereicht, berichtet die New York Times. Wenn alles nach Plan verläuft, könnte eine Rakete den ersten Spiegelsatelliten bereits diesen Sommer in den Orbit bringen.
Reflect Orbital verspricht höhere Energie-Ertäge
„Wir versuchen, etwas zu entwickeln, das fossile Brennstoffe ersetzen und wirklich alles mit Energie versorgen könnte“, sagte Unternehmenschef Ben Nowack der New York Times. Neben Solarparks will das Start-up auch andere Bereiche aus dem All beleuchten, etwa Einsätze von Rettungssanitätern und Straßen.
Bestellung per App
Das Geschäftsmodell von Reflect Orbital sieht einen Bestellservice per App vor. Dort kann man auf einer Karte einen Umkreis auswählen. Der Satellit richtet die Spiegel dann basierend auf den jeweiligen Koordinaten aus.
5.000 Dollar soll die Beleuchtung für eine Stunde kosten, wenn Kunden einen Jahresvertrag für 1.000 Stunden oder mehr abschließen. Bis 2028 will Reflect Orbital 1.000 Satelliten betreiben, die jeweils so viel Licht wie 100 Vollmonde liefern.
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Lichtverschmutzung und fraglicher Nutzen
Die Idee von Reflect Orbital stößt, wie viele andere Geoengineering-Projekte, auch auf Kritik. Projektgegner befürchten nicht nur Lichtverschmutzung durch das Licht aus dem All: Die Sonnenstrahlen könnten auch Piloten blenden oder die Arbeit von Observatorien stören.
Auch wird bezweifelt, wie groß der tatsächliche Mehrwert der nächtlichen Strahlen aus dem All wäre. „Mit 87.000 Satelliten könnte das Unternehmen bestenfalls 20 Prozent der Mittagsbeleuchtung an 27 Standorten bereitstellen“, meint etwa Michael Brown, ein Astronom. Er hält die Spiegelsatelliten für ein ineffizientes Mittel, um die Energieproduktion zu erhöhen.
„Ich glaube, diese Idee taucht immer wieder auf, weil sie eine gewisse Einfachheit und Eleganz besitzt“, sagte er der New York Times. „Aber wenn man anfängt, die Zahlen durchzurechnen – und die Zahlen sind ziemlich einfach zu berechnen –, merkt man, dass es viele ernsthafte Probleme damit gibt.“
Russland machte es vor
Die Idee der nächtlichen Sonnenstrahlen ist an sich nicht neu. Russland führte in den 1990er-Jahren im Rahmen von Znamya bereits sehr ähnliche Experimente durch. 1993 wurde ein Spiegel erfolgreich von der Raumstation Mir aus eingesetzt. Er erzeugte einen Lichtkegel von etwa 5 Kilometern Durchmesser, der über Europa sichtbar war. 1999 hätte ein 7-Kilometer-Kegel erzeugt werden sollen, doch das scheiterte. Danach wurde das Znamya-Projekt eingestellt.