Archiv 26.06.2013

Neue Post-Software für bessere Brieflogistik

Optimale Brieflogistik ist eine herausfordernde Materie. Die gemeinsam mit der Universität Wien entwickelte, neue Software "Mauritius" hilft in der komplexen Prozesskette, dass bei der Österreichischen Post AG Briefe in der Regel am folgenden Werktag zugestellt werden.

Das letzte Glied in dieser Kette bilden rund 9.000 Zusteller, die dazu täglich sämtliche Adressen, in Österreich, in Summe mehr als 4,3 Millionen, besuchen. Die „ARGE Post.IT“ – eine Arbeitsgemeinschaft von myVision network und PRISMA solutions – entwickelte in Kooperation mit der Universität Wien und der Post AG unter dem Projektnamen "Mauritius" eine Software zur Optimierung dieser Zustellrouten. Der Effekt: Kosten und Umweltbelastung werden reduziert.

Der Auftrag erfolgte in Hinblick auf EU-Verordnungen zur Post-Liberalisierung, 2011 fiel auch die letzte Grenze für Briefe. Erfahrungen anderer EU-Länder zeigten stark aktive neue Anbieter am Markt. Der entstehende Konkurrenz- und Kostendruck fordert eine Effizienz- und Effektivitätssteigerung, die mit klassischen Methoden nicht zu realisieren war. "Mauritius" hat hier neue Möglichkeiten eröffnet.

Robert Modliba, Leitung Produktion & Logistik
© Bild: Post AG

Diese Routenplanung der "letzten Meile" erfolgte bisher mit Hilfe analoger Stadtpläne und Ortskenntnis der Zusteller. Neue Technologien ermöglichen veränderte Planungsprozesse und damit Zeit- und Kostenreduktion bei zumindest gleichem Qualitätsniveau.

Komplett neues Zustellszenario
Die Planung erfolgt GIS-unterstützt (=geographisches Informationssystem), d.h. die Routen können in einer graphischen Oberfläche unter Anzeige von Straßen, Häusern, Fahrverboten sowie statistischen Werten sowohl analysiert als auch neu geplant werden. Neben dieser Möglichkeit der manuellen Planung der Zustellbezirke bestehen auch zwei automatisierte Optimierungs-Optionen: die „Gangfolgeoptimierung" findet den effizientesten Weg innerhalb einer Route eines einzelnen Zustellers; die „automatische Neuverschneidung" analysiert alle Adressen einer Zustellbasis und erstellt dabei automatisch ein komplett neues Zustellszenario.

Wichtig dabei ist, dass das Feedback der Zusteller wieder in den Prozess einfließt, "denn die berechnete Route muss nicht unbedingt die optimalste Lösung sein", wie Robert Modliba, Leitung Produktion & Logistik bei der Post AG, im Gespräch mit der futurezone erläutert. So kann es zum Beispiel sein, dass die vorgeschlagene Route für den Bus nicht geeignet ist, aber für eine Zustellung mit einem Motorroller sehr wohl.

Ökologische Nachhaltigkeit
Ein wichtiger Effekt dieser Effizienzsteigerung ist die ökologische Nachhaltigkeit. Modliba: "Wir sehen, dass dadurch weniger Kilometer zurückgelegt werden und der CO2-Ausstoß damit reduziert werden kann." Diese Reduktion wirkt sich naturgemäß auch in geringeren Kosten aus.

Exportschlager?
Das Ergebnis des gegenständlichen Projekts ist natürlich auch für andere Logistik-Unternehmen interessant, die über eine Zustellerstruktur in Form einer "Last Mile"-Zustellung verfügen. Zielgruppe sind in erster Linie (ehemals staatliche) Postgesellschaften sowie andere Anbieter im Logistik- und Distributionsbereich. Projektgespräche werden zum Beispiel aktuell mit den staatlichen Postgesellschaften in Russland und Israel geführt.

( Michael Fiala ) Erstellt am 26.06.2013